Digital Detox - so klappt es mit dem Abschalten 

Es bestimmt unser tägliches Leben – unser geliebtes Smartphone! Ständiger Begleiter neben dem Bett, am Esstisch, in der U-Bahn oder im Büro. Ganz inklusive der Versuchung, mal kurz zu schauen, was in der tiefen weiten Smartphone-Welt gerade passiert. Eine Nachricht von der Freundin? Eine Eilmeldung? Bei manchen von uns blickt es minütlich. Laut Untersuchungen entsperrt der durchschnittliche Nutzer sein Gerät pro Tag rund 80 Mal – also ungefähr alle 12 Minuten, wenn man von 8 Stunden Schlaf ausgeht.

„Digital Detox" - digitale Entgiftung - heißt die Gegenbewegung. Viele wollen den Rückwärtsgang einlegen und häufiger analog sein. Mit Menschen reden, die Umgebung sinnlich wahrnehmen. Es gibt Digital-Detox-Urlaubsangebote, also Ferien ohne Smartphone - doch danach geht's bei vielen weiter wie zuvor. Wer seine Nutzung im Alltag reduzieren will, der muss ein größeres Problem angehen: Er muss seine Gewohnheiten ändern. Es geht hierbei um viel Routine. Wir zücken das Handy oft reflexhaft. Beim Warten auf den Zug, wenn die Begleitung im Restaurant auf die Toilette geht, wenn das Kind im Bett liegt.

Sieben Tipps für eine gesündere Smarphone-Nutzung
1. Digitale Dienste auslagern

Viele benutzen ihr Smartphone als Wecker. Nach dem Weckerstellen oder bei Ausmachen am Morgen noch schnell die Neuigkeiten auf Twitter oder die E-Mails checken? Kommt Ihnen das bekannt vor? Hier können Sie schnell Abhilfe schaffen. Kaufen Sie sich einen Wecker, der nichts anderes kann außer wecken! Somit entfällt die Pflicht, vor dem Schlafen noch auf das Display schauen zu müssen. Der Wecker ist nicht die einzige digitale Funktion am Smartphone die ausgelagert werden kann. Für die Uhrzeit eine klassische Armbanduhr benutzen, im Dunkeln die herkömmliche Taschenlampe benutzen oder bei der Suche nach Adressen auf die ursprüngliche Landkarte zurückgreifen.

2. Weniger Apps, mehr Browser

Praktisch alle Apps inkludieren sogenannte Push-Nachrichten. Schreibt jemand eine Nachricht, explodiert irgendwo eine Bombe, likt jemand den Instagram-Eintrag - ständig vibriert es, klingelt es und leuchtet das jeweilige App-Symbol auf. Wer es nicht schafft, sich der Neugier zu entziehen, obwohl er eigentlich gerade etwas ganz anderes zu tun hätte, der hat mehrere Lösungsansätze: Smartphone lautlos stellen. Push-Nachrichten abstellen. Apps deinstallieren und Angebote im Browser nutzen.

3. Digital-Detox-Apps

Apps die Digital Detox fördern? Kurioserweise gibt es Apps, die helfen sollen, den Handygebrauch einzuschränken. Apps wie Quality Time, Menthal oder Offtime zeichnen die tägliche Smartphone-Nutzung auf und weisen den Nutzer am Ende vom Tag in einer Tagesbilanz darauf hin, wie lang er Handy war oder auch wie oft er das Display entsperrt hat. Ein gutes Mittel zur Selbsterkenntnis und ein wichtiger erster Schritt zur digitalen Entgiftung.

4. Soziale Normen ansprechen

Kennen Sie das folgende Szenario? Neue Nachricht vom Patner geht ein. Sie lesen die Nachricht und legen das Smartphone wieder zur Seite. 5 Minuten später erneute Nachricht vom gleichen Absender „Alles in Ordnung? Bist du ok?“ Wenn Menschen durch den Umgang mit dem Smartphone in digitalen Stress rutschen, dann sind meistens soziale Gründe mit entscheidend. Das Gefühl, man müsse Mails, Kurznachrichten etc. sofort beantworten. Demnach erwarten 57 Prozent der Smartphone-Nutzer von Freunden und Familie auf Nachrichten eine sofortige Reaktion bzw. eine Antwort innerhalb weniger Minuten. Doch ist es wirklich so schlimm, nicht innerhalb weniger Minuten zu antworten? Denken Sie mal darüber nach und machen Sie Mitmenschen darauf aufmerksam, dass es nicht Ihre Pflicht ist immer und überall sofort eine Antwort parat zu haben.

5. Smartphone-freie Zeit

Ist der soziale Druck gebändigt, kann das Smartphone phasenweise aus der Umgebung verschwinden. Bei der Umfrage der LMU München gaben 85 Prozent der Nutzer an, ihr Smartphone immer griffbereit zu haben. Etwa ein Viertel trage es nahezu rund um die Uhr am Körper. Wer dann plötzlich ohne Gerät zum Supermarkt oder ins Restaurant geht, fühlt sich erst einmal nackt. Es verunsichert kolossal, nicht jederzeit wenigstens die Möglichkeit zu haben, das Display zu begutachten. Für Menschen, die unter der ständigen Erreichbarkeit leiden, wirkt es aber nach einiger Zeit befreiend. Denn nachdem man es wieder in der Hand hält, wird klar: Die Welt drehte sich tatsächlich weiter. Und selbst wenn eine Nachricht einging, konnte sie problemlos warten, um gelesen und beantwortet zu werden.

6. Smartphone-freie Räume

Der nächste Schritt sind Smartphone-Sperrgebiete zu Hause. Da bietet sich das Schlafzimmer an. Oder der Esstisch - was gibt es Nervigeres als Tischnachbarn, die ständig auf ihren Bildschirm starren. Vor allem für Kinder wirkt das verstörend.

7. Flugmodus, Ausschalten

Wer die Finger von dem Ding einfach nicht lassen kann, der kann sich freilich auch selbst austricksen und eine zusätzliche Hürde einbauen, indem er die Verbindung zum Internet kappt. Ist das Handy im Flugmodus, muss man einiges mehr am Smartphone herumtippen, um zu prüfen, wie die Whatsapp-Welt aussieht. Die Hemmschwelle ist dann oft zu hoch, also verschwindet es wieder in der Tasche. Noch härter zu sich selbst ist, wer erkennt, dass es tatsächlich Tasten gibt, die ein Smartphone ausschalten.

Ob es am Ende gelingt, den Gebrauch des überaus praktischen Smartphone in Alltag so zu regulieren, dass es Sie nicht unglücklich macht. Oder zumindest, dass Sie sich selbst und andere bei Gebrauch nicht gefährden. Es liegt an Ihnen! Fangen Sie mit einem der Schritte an und versuchen Sie immer mehr im Alltag umzusetzen.