• Frau sitzt in der Natur und Trinkt aus einer Tasse

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Podcast-Episoden im Überblick

Achtsamkeitswanderung

Raus aus dem lärmenden Alltag. Für ein paar Sekunden dem Trubel und Stress entfliehen. Einen Moment einfach nur bei sich selbst sein. Kommen Sie mit uns auf eine Achtsamkeitswanderung und lassen Sie die Sorgen und den Stress für ein paar Sekunden hinter sich. 

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Herzlich Willkommen zur Achtsamkeitswanderung. Wie oft ist Laufen für uns nur noch ein Mittel der Fortbewegung, um von einem Ort zu einem anderen zu gelangen. Wie oft erreichen wir unser Ziel ohne überhaupt den Weg dorthin wahrgenommen zu haben, weil wir so im Alltagstrott oder unseren Gedanken gefangen sind. Deswegen wollen wir jetzt üben im „Hier und Jetzt" anzukommen und präsent unsere Umgebung aufsaugen. Wenn du möchtest und der Weg es zu lässt, kannst du auch für ein paar Minuten deine Schuhe ausziehen.

Bleibe einen Moment stehen und versuche in der Gegenwart anzukommen. Schließe deine Augen und nehme ein paar tiefe Atemzüge. Erlaube dazu allem, was im in deinem Gedankenfeld auftaucht, zu kommen und auch wieder zu gehen: innere Bilder, Erinnerungen, Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen, Geräusche…

Stelle dir deinen Geist jetzt als ein Fließband vor. Deine Gedanken, Körperempfindungen und Gefühle laufen nun auf diesem Fließband an dir vorbei. Sobald ein Gedanke, eine Empfindung oder ein Gefühl auftaucht, geben Sie ihm ein Etikett, indem Sie innerlich zu sich sagen „Gedanke“, „Empfindung“, „Gefühl“. Spüre wie deine Gedanken und Gefühle mit dem Fließband immer weiter von dir wegtransportiert werden. Dein Geist kommt langsam im „Hier und Jetzt" an.

Deine Augen sind immer noch geschlossen. Konzentriere dich nun bewusst auf deine Atmung. Spüre wie die Luft die du einatmest, in deiner Nase immer wärmer wird, bis tief in deine Lunge aufgesogen wird und wie die verbrauchte Luft durch deinen Mund wieder abgegeben wird. Spüre wie bei jedem Atemzug jede Zelle deines Körpers mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff versorgt wird und beim ausatmen alles was aufgebraucht ist und nicht mehr benötigt wird wieder nach außen abgegeben wird.

Nun lenke deine Aufmerksamkeit auf deine visuelle Wahrnehmung. Deine Augen sind noch geschlossen, aber vielleicht nimmst du schon die Helligkeit wahr, die du selbst durch deine Augenlider hindurch spüren kannst. Nun kneife die Augen zusammen, blinzle ein paar Mal und spüre, wie das Licht durch deine Augenlieder bricht. Öffne nun deine Augen. Was siehst du? Was umgibt dich? Sind da Wiesen oder Bäume? Welche Farben haben Sie? Wie unterscheiden sich die einzelnen Farbnuancen voneinander? Welche Farbe gefällt dir am besten? Wende deinen Blick langsam in Richtung Himmel. Ist es ein strahlender Tag oder sind da auch Wolken? Welche Formen haben Sie? Blendet dich die Sonne etwas und musst du dabei die Augen zusammenkneifen?

Richte deinen Blick nun auf den Weg vor dir und fange an deinen Weg fortzusetzen. Versuche jeden Schritt bewusst vor den nächsten zu setzen. Gehe langsam und setze deine Füße behutsam auf dem Boden auf. Falls du barfuß bist, was spürst du? Ist es ein weicher Untergrund? Läufst du auf einer Wiese, einem weichen Waldboden, auf Laub oder Moos? Verändert sich dein Untergrund? Was fühlt sich angenehm an und was weniger? Wenn du möchtest kannst du auch für ein paar kleine Schritte deine Augen noch einmal schließen, um dich besser auf deine Empfindungen konzentrieren zu können.

Wenn du merkst, wie auch deine Gedanken während dieser Achtsamkeitswanderung auf Wanderschaft gehen, nehme diese einfach zur Kenntnis, wohin sie abgeschweift sind, und gehe dann behutsam in die Gegenwart zurück.

Während du weiter gehst spüre die Luft um dich herum. Ist sie warm und schwitzt du vielleicht etwas? Oder ist sie kalt und du hast eine leichte Gänsehaut?  Oder ist sie gerade angenehm? Kannst du eine leichte Brise auf deiner Haut oder in deinen Haaren spüren oder ist es windstill? Hat sich deine Atmung etwas beschleunigt seit du begonnen hast du gehen?

Gehe noch ein paar Schritte weiter und hebe etwas vom Boden auf. Es kann eine Blüte sein, ein Blatt von einem Baum, ein Stückchen Rinde, ein Grashalm oder ein Stein. Schließe nochmals deine Augen und taste den Gegenstand ab. Wie fühlt er sich an? Ist er weich oder rau? Welche Form hat er? Spüre den Kontakt von deiner Haut zu deinem Gegenstand. Führe deinen Gegenstand jetzt langsam an deine Nase. Was kannst du riechen? Magst du den Geruch? Öffne nun deine Augen wieder und schau dir den Gegenstand, den du aufgehoben hast, genau an. Welche Farbe und Schattierungen hat er? Was erkennst du sonst noch?

Setze nun deinen Weg fort und lenke deine Aufmerksamkeit auf alles, was du hören kannst. Ist da Blätterrascheln? Hörst du das Plätschern irgendeines Gewässers? Sind da Vögel, die munter vor sich hin zwitschern? Oder kannst du noch andere Menschen oder entfernten Verkehrslärm hören? Welche Geräusche klingen gut für dich, welche eher nicht? Nehme jedes Geräusch auf und nehme es an. Nehme einfach nur wahr.

Nun wollen wir die Achtsamkeit abwechselnd auf bestimmte Sinne lenken und unser Wahrnehmung benennen. Finde 3 Dinge, die du siehst, 3 Dinge, die du hörst, 3 Dinge, die du tastest. Nach dem ersten Durchlauf fahre fort mit 2 Dingen, die du siehst, 2 Dingen, die du hörst und so weiter…

Lenke deine Aufmerksamkeit zum Schluss noch nach innen auf deinen Körper beim Gehen. Genießt du es dich zu bewegen? Kannst du spüren, wie deine Beinmuskeln sich bei jedem Schritt anspannen? Bleibt dein Becken stabil beim Gehen? Wandere mit deiner Aufmerksamkeit über deinen Oberkörper und deine Schultern zu deinen Armen. Spüre wie deine Arme beim Gehen locker neben dir herschwingen. Lenke deine Aufmerksamkeit weiter zu deinem Schultergürtel. Rotiert dein Oberkörper beim Gehen oder bleibt er stabil? Was macht dein Kopf? Bewegt sich dein Nacken leicht beim Gehen? Wie fühlen sich deine Gesichtsmuskeln an? Lächelst du vielleicht sogar? Gehe bewusst ein paar Schritte weiter und konzentriere dich auf deine körperlichen Empfindungen.

Wir sind am Ende der geführten Achtsamkeitswanderung angelangt. Nun denke an den Weg, den du zurückgelegt hast. Wie weit bist du schon gekommen? War es steil oder waren da Kurven? Oder bist du vielleicht sogar leicht bergab gelaufen? Erinnerst du dich noch an den Verlauf deines Weges?  Bleibe kurz stehen, schließe deine Augen und versuche alles Versuche dir diese Minuten der Achtsamkeit und Ruhe für dich zu verinnerlichen. Sie sind wie dein geheimer, innerlicher Ort der Stille und Geborgenheit, an den du dich jederzeit zurückziehen kannst. Nimm noch 3 tiefe Atemzüge, öffne die Augen und setze gestärkt und achtsam deinen Weg fort.

Atemmeditation

In dieser Atemmeditation können Sie ihr inneres Gleichgewicht finden und die eigene Körpermitte stärken. Bauen Sie Stress ab und fühlen Sie für ein paar Minuten in Ihren Körper hinein. Lösen Sie durch richtiges Atmen Verspannungen im Körper, lassen Sie die Gedanken schweifen und konzentrieren Sie sich auf sich selbst.

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Begib dich in eine sitzende Position, die sich für dich angenehm anfühlt. Deine Hände legst du locker auf deinen Oberschenkeln ab. Schaue dich noch einmal im Raum um und nehme die Umgebung, in der du dich befindest für einen Augenblick wahr... Dann schließe deine Augen. Untersuche deine Umgebung noch auf etwaige Geräusche… und lasse sie dann in den Hintergrund treten…

Auch aufkommende Gedanken lässt du für die nächsten Minuten wie auf einer Wolke von dir wegziehen. Nehme nun einige tiefe Atemzüge und komme in der Entspannung an. Atme durch die Nase ein. Atme durch den Mund aus.

Lass die Atmung jetzt etwas ruhiger werden, aber beobachte sie trotzdem weiterhin… Kannst du den Zyklus der Atmung verfolgen? Wie die Einatmung durch die Nase und den Rachen in die Lunge strömt… und wie die dich die verbrauchte Luft mit jedem Atemzug auf dem gleichen Weg verlässt… Versuche auch den Übergang zwischen Aus- und Einatmung und wiederrum zwischen Ein-und Ausatmung zu beobachten… Diesen sich ständig wiederholenden kurzen Augenblick der Stille, in dem nichts passiert. Falls du bemerkst wie du gedanklich abschweifst, nehme dies einfach nur wahr und komme wieder zur Übung zurück.

Kannst du spüren wo deine Atemzüge entstehen? Lege deine Hände nun auf den Bauchraum und spüre wie sich deine Bauchdecke mit jeder Ein- und Ausatmung hebt und senkt. Platziere deine Hände oberhalb deiner Brust und spüre wie sich deine Lunge mit jeder Ein-und Ausatmung ausdehnt und wieder zusammenzieht.

Lege dann deine Hände wieder auf deinen Oberschenkeln ab und versuche einfach für eine Minute deine Atemzüge zu zählen. Immer wenn du die Zahl 10 erreichst, startest du wieder von vorne.

Jetzt lass deine Fokus los und lass deine Gedanken kurz frei schweifen. Richte dich dann langsam drauf ein die Übung zu beenden… Nimm die Geräusche um dich herum wieder war, bemerke wie das Licht durch deine Lider flackert und fange an deine Hände und Füße leicht zu bewegen. Nimm noch drei tiefe Atemzüge, öffne deine Augen und komm wieder in der Gegenwart… Das Gefühl der Ruhe und Stille ist dir jederzeit über deine Atmung zugängig.

Autogenes Training

Beim Autogenen Training lenken wir die Aufmerksamkeit weg von unseren Gedanken hin auf unsere Körperempfindungen. Dazu möchten wir einen kleinen Einblick geben.

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Herzlich willkommen zur Einheit Autogenes Training mit der BKK ZF & Partner. Beim Autogenen Training lenken wir die Aufmerksamkeit weg von unseren Gedanken hin auf unsere Körperempfindungen. Heute möchten wir dir einen kleinen Einblick geben.

Nimm eine bequeme Position ein. Du kannst die Übung im Sitzen oder auch im Liegen machen. Mache es dir so bequem wie möglich. Schließe die Augen und mache dir bewusst wie du daliegst.

Gehe durch deinen Körper und suche nach Anspannungen… nach unbequemen Haltungen, mache es dir so bequem wie möglich… lasse alle Muskeln ganz locker und entspannt.

Versuche die Muskeln noch etwas mehr loszulassen und entspanne so gut wie möglich.

Du bist ganz ruhig und gelassen.

Spüre deine Knie, deine Oberschenkel und wie das Gesäß aufliegt. Sind die unteren Rückenmuskeln entspannt? Ist der Bauch noch angezogen? Prüfe, ob die Schultern locker sind und deine Arme ganz locker sind. Die Gesichtsmuskeln lässt du auch entspannen, der Unterkiefer ist ganz locker. Sei ganz locker und lasse alles los.

Konzentriere dich auf den Punkt zwischen deinen Augen, genau da, wo die Nase anfängt. Spüre diesen Punkt. Konzentriere dich auf diese Stelle.

Und jetzt gehe in deinen Körper hinein.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Gedanken kommen und gehen, ich lasse sie ziehen.

Ich gehe in meinen rechten Arm.

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer. 

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer.

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer.

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer.

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer.

Der rechte Arm ist angeneeeeehm schwer.

Ich lasse die Schwere geschehen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich wandere in den linken Arm.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Der linke Arm ist angenehhhhhm schwer.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Die schwere wandert durch meinen Körper in mein rechtes Bein.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Mein rechtes Bein ist angenehm schwer.

Ich lasse die Schwere geschehen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

Ich wandere in das linke Bein.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Mein linkes Bein ist angenehm schwer.

Ich lasse die Schwere geschehen.

Ich bin ganz ruhig und gelassen.

(1 Minute Pause)

Nimm langsam wieder den Raum um dich herum war.

Bringe Bewegung in deinen Körper. Spanne bewusst die Arme und Beine an. Atme tief ein und wieder aus. Öffne deine Augen.

Vielen Dank fürs Mitmachen.

Frühlingsspaziergang am See

Der Frühling und die erblühende Natur lösen in uns viele positive Gedanken aus. In diesem Podcast machen wir gemeinsam einen Ausflug an den See und genießen die Frühlingsstimmung. Lehnen Sie sich für einen kurzen Moment zurück und vergessen Sie den Alltag um sich herum.

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Hallo, schön, dass du da bist! Ich freue mich sehr, dich heute auf einen frühlingshaften Spaziergang an den See begleiten zu dürfen. Begib dich aber zunächst in eine für dich komfortable Position. Liegend oder sitzend bleibt dabei dir überlassen, Hauptsache du fühlst dich wohl. Deine Arme legst du locker neben deinem Körper oder auf deinen Oberschenkeln ab. Schließe deine Augen und lass einen Augenblick deine Gedanken fließen. Wie fühlst du dich? Stelle dir dann vor du stehst vor einem See und hast ein kleines Papierschiffchen bei dir. Deine Gedanken legst du sanft in das kleine Boot, setzt es ins Wasser und beobachtest wie das Schiffchen mit samt deiner Gedanken gemächlich von dir weg segelt. Nimm ein paar tiefe Atemzüge zu und nimm ganz bewusst wahr wie du ein und ausatmest.

Stelle dir dann vor es ist früher Abend, und die Luft die in deine Lunge strömt ist frisch, aber angenehm lauwarm. Zum ersten Mal dieses Jahr trägst du keine Jacke und fühlst eine kaum merkliche Brise auf deiner Haut. Du hörst einige Vögel zwitschern… und lauschst dem ruhigen Rauschen des Sees, der neben dir. Dir fällt auf wie lebendig und fröhlich deine ganze Umgebung aussieht. Sie ist in das sanfte Gold einer bald untergehenden Sonne getaucht. Vor dir ist ein großer See, der mit leichten Wellen an das Ufer schwappt. Kannst du die unterschiedlichen Farbschattierungen des Sees sehen? Das Helle blau, das je weiter du nach hinten auf den See schaust immer dunkler wird bis zu einem satten marineblau. Der Himmel spiegelt sich im See. Kannst du die kleinen Wolken am Horizont entdecken, die die Farbe des Himmels annehmen? Du siehst auch einige Möwen über den See fliegen. Du beobachtest sie einige Moment beim Gleiten. Am Ufer liegen Steine, in verschiedenen Größen und Formen. Wie einzigartig ihre Form doch aussieht! Hinter dem Steinufer blühen die ersten Blumen und unterstreichen die Frühlingsgefühle, die in dir aufsteigen. Welche Farben haben sie?

Du bist sehr froh, diesen Moment erleben zu dürfen, alles ist perfekt genauso wie es gerade ist. Du atmest tief und versuchst diesen Moment aufzusaugen. Die Dinge die du sehen kannst, aber auch das sanfte Kreischen der Möwen, das Rauschen der Wellen und der Geruch von Frühling in der Nase… Du gehst einige Schritte und bemerkst, dass sich der Himmel verändert hat: Die Sonne steht jetzt viel tiefer und es zeichnet sich ein unglaubliches Farbenspiel ab. Der ganze Himmel, aber auch der See sind getaucht in Lila, rosa, rot und orange. Vereinzelt bemerkst du, dass auch andere Menschen am See entlanggehen. Sie alle lächeln über diesen einzigartigen Augenblick und verstärken die freudvolle Atmosphäre. Unwillkürlich ziehen sich deine Mundwinkel nach oben und beschließt deinen Weg am See entlang fortzusetzen. Schritt für Schritt und ohne Zeitdruck läufst du immer weiter und lässt ganz entspannt nun auch deine Gedanken wieder fließen.

[1 Min Stille]

Komme nun zurück zu dir selbst und deinem Atem. Vertiefe deine Atemzüge nochmals und zähle dabei in Gedanken deine Atemzüge bis du bei 10 ankommst. Wie fühlst du dich jetzt? Hat dir die kleine Auszeit gutgetan? Denke daran du kannst in Gedanken jeder Zeit zu diesem Ort zurückkehren, der nur dir gehört. Stelle dich dann darauf ein wieder im hier und jetzt anzukommen. Nimm deine Umgebung wieder bewusst war und öffne deine Augen. Bis zum nächsten Mal!

Der innere Schweinehund

Warum kämpfen wir gegen unseren inneren Schweinehund? Ob Sport machen oder die Wohnung putzen, da muss man manchmal erst den "inneren Schweinehund" überwinden. Doch worauf geht dieser Ausdruck zurück? Hat er tatsächlich etwas mit einem Tier zu tun? Das und vieles mehr erfahren Sie in der neuen Folge unseres BKK Gesundheitspodcasts.

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00:00:00
Julia Kaffka: Hallo und ein herzliches Willkommen auch von mir. Ich bin Julia Kafka und ich führe euch jeden Monat durch euren Gesundheits Podcast der BKK, ZF und Partner. Wie ihr ja wisst, haben wir hier schon einige spannende Themen besprochen und heute geht es um ein Tier, ein Tier, das keiner von uns leiden kann. Auch die Tierliebe von uns nicht. Es geht um den inneren Schweinehund. Und zu diesem Thema habe ich heute einen Mann zu Gast, der in seinem Leben schon so einige Hürden überwunden hat und inzwischen seine Passion und Leidenschaft gefunden hat. Und da gab es sicher auch den einen oder anderen Moment im Leben, an dem der innere Schweinehund am Hosenbein gezerrt hat. Herzlich willkommen Live Coach Marco Recher!

00:00:36
Marco Recher: Ja, hallo liebe Julia, Schön, dass ich da sein darf.

00:00:38
Julia Kaffka: Hallo. Schön, dass du da bist. Erzähl uns doch mal zum Anfang, Marco. Ganz kurz. Was zu deinem Background. Wie bist du denn Live Coach geworden? Und warum?

00:00:47
Marco Recher: Ja, warum bin ich Live Coach geworden? Also angefangen hat das Ganze natürlich in meinem vorherigen Leben. Ich war früher Führungskraft bei Airbus und hatte da so ziemlich alles, was man zum vermeintlich Glücklichsein braucht, einen tollen Job, war Führungskraft, hatte viele Leute unter mir, hab gutes Geld verdient, sichere Job etc. und irgendwie hat aber immer was gefehlt. Innerlich habe ich gemerkt, es fehlt was. Das hat sich dann ausgebreitet in Unzufriedenheit. Und heute kann ich das ganz klar benennen. Das ist der Sinn, der mir gefehlt hat in meinem Tun. Damals wusste ich das nicht und ich habe einfach weitergemacht und bin dann letztlich auch krank geworden, bin im Burnout gelandet, war zwei Jahre raus aus dem Leben und bin da dann an meinem Tiefpunkt und bin da dann selbst mit Persönlichkeitsentwicklung in Kontakt gekommen. Und in dieser Zeit habe ich so viel über mich gelernt. Ich wusste plötzlich Warum bin ich, wie ich bin, warum ticke ich wichtig und warum bin ich im Burn auch gelandet? Und dieses, diese Erkenntnis, das war für mich so ein Game Changer. Ich habe ein komplett neues, neue Sichtweise Seite aufs Leben. Und da habe ich gemerkt, okay, das ist meine Leidenschaft, das ist meine Passion. Und das möchte ich gerne auch an die Menschen weitergeben. Natürlich. Und so war dann der Live Coach Marco Rächer geboren.

00:01:58
Julia Kaffka: Sehr schön. Also habe ich das mit der Beschreibung ja ganz gut getroffen.

00:02:00
Marco Recher: Eigentlich stimmt da.

00:02:02
Julia Kaffka: Ja. Und kannst du denn auch sagen, dass du mit dem Schweinehund in diesem ganzen Prozess mal in Kontakt gekommen bist?

00:02:09
Marco Recher: Na ja, nicht nur einmal. Also da gab es schon viele, viele Hürden, viele Herausforderungen. Und der Schweinehund war auch mal größer, mal kleiner. Aber definitiv ja.

00:02:18
Julia Kaffka: Jeder kennt ihn von uns. Irgendwie, glaube ich. Richtig? Definitiv. Was ist denn aus deiner Sicht grundsätzlich dieser Schweinehund? Was ist das für ein mieser Typ?

00:02:26
Marco Recher: Na ja, du sagst es ja schon. Die meisten Menschen glauben ja, dieser Schweinehund ist ein richtig mieser Typ. Und für mich ist da eigentlich so ein bisschen die Perspektive wichtig. Die meisten Menschen haben so das Bild von diesem inneren Schweinehund, dass er immer dann in Dialog mit uns tritt, wenn wir irgendetwas nicht tun wollen. Also beispielsweise morgen um 6:00 klingelt der Wecker, dann kennst du das? Der Dialog kommt. Ach, bleib doch noch liegen. Oder du willst zum Sport gehen, zum Laufen gehen, Du schaust raus, es regnet und der Schweinehund sagt Ach du Schande, es regnet, du wirst krank. Also dieses Bild von diesem inneren Schweinehund, das ist einfach ein mieser Typ ist das. Macht das Ganze auch ein Stück weit. Ähm, ja, schwer. Weil wenn du glaubst, er ist ein mieser Typ, dann musst du auch ständig mit dem kämpfen.

00:03:06
Julia Kaffka: Das stimmt.

00:03:06
Marco Recher: Vielleicht machst du es ein bisschen von der anderen Perspektive. Vielleicht siehst du diesen Typ, diesen miesen Typ, gar nicht so mies. Vielleicht siehst du ihn eher ein bisschen freundlicher, nämlich aus der Sicht, dass er für dich da ist, dass er vielleicht dich sogar unterstützen will. Wenn du das so rum drehst, dann musst du auch nicht ständig gegen diesen riesen miesen Typen kämpfen. Und wenn man das mal herunterbricht, dann ist der innere Schweinehund eigentlich nichts anderes als ein Bild, als eine Metapher für diese ganzen inneren Dialoge, die wir Menschen täglich führen. Und das passiert unzählige Male am Tag.

00:03:40
Julia Kaffka: Ist ja auch irgendwie einfacher, so diesem Schweinehund dann die Verantwortung zu geben und zu sagen Ja, dieser böse Schweinehund und die Eigenverantwortung ist vielleicht auch gar nicht so unwichtig in dem Ganzen, dass man auch vielleicht sagt Ja, ich muss was tun.

00:03:53
Marco Recher: Absolut. Definitiv. Es ist immer leichter, die Schuld auf jemand anderen zu wälzen, als selbst in die Pötte zu kommen. Eigenverantwortung ist gerade auch in diesem oder bei diesem Thema ein wichtiger Punkt.

00:04:03
Julia Kaffka: Warum tun wir uns denn da so schwer? Also wie du schon gesagt hast, es ist ja egal ob beim Sport, also da kenne ich es so beim Laufen gehen zum Beispiel fällt es einem so wahnsinnig schwer, wie du sagst, da draußen regnet es, ist kalt, ich erkennt mich bestimmt auch. Ich werde ganz nass oder in der Arbeit oder wo auch immer. Warum tun wir uns denn da so schwer? Weil wir wissen ja eigentlich, es tut uns gut.

00:04:22
Marco Recher: Also eigentlich spielen hier zwei Aspekte eine Rolle. Das eine ist so ein bisschen die Polarität. Die Polarität des Lebens kennst du vielleicht hält dunkel an aus eins null Mann Frau. Und das gleiche gibt es natürlich auch bei den Gefühlen in der Gefühlswelt. Es gibt gute Gefühle und es gibt weniger gute Gefühle. Und es gibt auch zwei Arten von Motivation. Die eine ist, schlechte Gefühle zu vermeiden oder gute Gefühle zu erleben. Und die meisten Menschen, und das ist sehr spannend, leben nach der Motivation, schlechte Gefühle zu vermeiden. Das mal das eine. Und weil wir also in unserem Alltag relativ durchorganisiert sind, weil wir die. Abläufe kennen, gewisse Routinen haben Gewohnheiten, Gewohnheiten ist Der zweite Aspekt, den es dazu gibt, tun wir uns relativ schwer. Das heißt, jede Veränderung, die wir aus, die uns aus unserer Gewohnheit rausbringen will, wäre unterbewusst ein schlechtes Gefühl. Weil wir müssen ins Tun kommen. Wir müssen handeln, wir müssen uns verändern. Und die Motivation, schlechte Gefühle zu vermeiden, hindert uns letztlich auch daran. Und das ist der Punkt, schlechte Gefühle zu vermeiden in Verbindung mit den Gewohnheiten, die wir haben. Und genau deswegen tun wir uns da auch so schwer.

00:05:31
Julia Kaffka: Verstehe. Da hilft es wahrscheinlich erst mal am Kern anzusetzen und die eigenen Ziele zu definieren. Da tun sich aber viele sehr, sehr schwer damit. Wie finde ich denn heraus, was meine Ziele sind?

00:05:42
Marco Recher: Ja, das ist tatsächlich auch bei vielen Menschen ein Thema und das liegt meistens. Und jetzt kommt dieser Begriff wieder an der Weg von Motivation, also Schmerzen zu vermeiden, weg vom Schmerz, Motivation. Viele Menschen wissen ganz genau, was sie nicht mehr wollen. Aber das Spannende ist Sie können gar nicht benennen, was sie denn überhaupt wollen. Wo wollen sie hin? Im Leben? Und das ist bei vielen Menschen tatsächlich ein Thema. Um Ziele zu definieren, hast du letztlich würde ich sagen, zwei sehr effektive Möglichkeiten. Das eine ist, Du kannst dich mal fragen Wie geht es denn dir, wenn du das, was du nicht mehr willst, auch nicht mehr hast? Und vor allem wie fühlst du dich? Also über die Gefühle zu gehen ist sehr, sehr effektiv. Und am besten gehst du dazu mal in die Stille, bist ganz für dich und machst auch mal die Augen zu und gehst mal und spürst mal in dich hinein. Wie geht es dir? Wie fühlst du dich, wenn du das, was du nicht mehr willst, nicht mehr hast? Und schau mal, was da hochkommt. Und meistens kommen da Gefühle hoch wie Glück, wie Freiheit, wie Freude, wie Leichtigkeit usw, Also diese positiven Gefühle, die du dann auch benennen kannst, die du in dein Leben integrieren willst, die du dann auch haben willst. Und effektiv ist diese Herangehensweise deswegen, weil du schon weißt, welche Person du sein wirst, wenn du dieses Ziel erreichst. Und wenn du dann noch den Aspekt dazu betrachtest, dass alles möglich ist, weil viele Menschen begrenzen sich ja selbst bei der Zieldefinition. Ich habe kein Geld für Weiterbildungen oder sonstiges. Und wenn du einfach diese Begrenzung mal loslässt und so heran gehst, dass alles möglich ist, dann wird auch in Verbindung mit diesen guten Gefühlen Dinge aufkommen, wie zum Beispiel Na ja, wenn ich diesen schlechten Job, der mich vielleicht krank macht, nicht mehr will, dann ist die Lösung die Selbstständigkeit beispielsweise. Oder ich muss abnehmen oder oder oder. Also so kannst du an die Ziele herangehen von der einen Seite. Die andere Seite, die du betrachten kannst, ist Welchen Traum hast du denn? Viele Menschen haben ja Träume, große Träume, Visionen. Und so weiter. Und du nimmst einfach mal diesen Traum her und gibst diesem Traum ein konkretes Datum, weil ein Datum oder ein Traum, versehen mit einem Datum ist ein Ziel. Und dann machst du folgendes Natürlich soll dieses Ziel auch realistisch sein. Also wenn du beschließt, morgens selbstständig zu machen und du bist heute noch angestellt und du willst morgen dann deine Selbstständigkeit Millionär sein, dann funktioniert es nicht. Also realistisch. Und dieses Ziel brichst du dann runter auf einzelne Steps Einzelschritte. Was musst du ab heute täglich tun, um dieses Ziel zu deinem Datum zu erreichen und schon hast du ein Plan dazu. Eigentlich ganz einfach.

00:08:16
Julia Kaffka: Also quasi erst mal den Raum dafür schaffen und auf die Gefühle achten und mal wirklich in sich gehen und auch sich auch die Ruhe wahrscheinlich gönnen, damit diese Gedanken auch wirklich fließen können. Weil ganz oft sind wir ja in unserem Alltag so, ja. Vor lauter lauter spüren wir ja gar nicht auf was wollen wir eigentlich wirklich? Und dann quasi auch sozusagen das Datum, die Deadline setzen und das konkret machen.

00:08:39
Marco Recher: Dadurch ganz genau zu sagen so ist.

00:08:40
Julia Kaffka: Es okay. Wie ist es denn mit solchen Tricks quasi? Es gibt ja einige Tricks, wie man sich da so ein bisschen helfen kann. Da gibt es zum Beispiel die Wenn Dann Regel. Viele von uns kennen die nur aus dem Büro, aus dem Programm Excel. Richtig, aber diese Regel gibt es ja auch abseits des Computers. Also da kann die auch helfen. Was steckt denn hinter dieser Regel und was hältst du denn von der Regel?

00:09:01
Marco Recher: Ja, das ist sehr gute Frage. Also zum einen ist die Wenn dann Regel, die sagt ja einfach ganz einfach aus. Was tust du, wenn Situation A, B, c eintritt? Ich finde, bei Excel und bei Ablauf Diagramm ist diese Regel sehr, sehr gut aufgehoben. Warum? Weil sie da ihren Zweck natürlich erfüllen und gut aufgehoben sind. Da beim Thema inneren Schweinehund sehe ich das ein bisschen differenzierter. Das hilft dir vielleicht gut, wenn du ein bisschen ja, ich formuliere es mal schön vergesslich bist, ein bisschen schusselig bist und wenn du sagst, wenn ich Feierabend habe, dann geh ich laufen, da macht es vielleicht Sinn oder dann gehe ich ins Fitness oder was auch immer. Da kann ich diese Regel sehr, sehr gut unterstützen. Ein bisschen kritischer sehe ich das Ganze. Wenn du beispielsweise das Ziel hast, zum Beispiel abzunehmen, gesünder, dich zu ernähren, fitter zu werden oder was auch immer. Und du sagst dir, wenn ich ein Stückchen Schokolade esse, dann gehe ich anschließend eine halbe Stunde spazieren. Das heißt, du schaffst eigentlich schon eine Eventualität, eine gewisse Ausrede. Was da passiert und gibst dadurch natürlich auch schon wieder deine Eigenverantwortung ab, die ganz wichtig ist und hast immer so ein Schlupfloch. Deswegen sehe ich das ein bisschen ein bisschen kritisch an der Stelle. Für mich ist die Wenn dann Regel eine wenn, dann Falle, Falle. Warum? Ich hab schon erzählt, du gibst deine deine Eigenverantwortung ab und natürlich auch den Erfolg des Erreichens des Zieles. Tatsächlich? Ich gebe dir ein Beispiel An Silvester rauche ich meine letzte Zigarette. So, das heißt, wenn der 1. 01. da ist, dann höre ich mit dem Rauchen auf. So, jetzt hast du vielleicht an Silvesterabend ein bisschen was getrunken. Na, wie es halt so ist. Da wird immer ein bisschen mehr getrunken und dann hast du Streit mit deinem Freund, mit deiner Freundin. So, du trinkst noch mehr, weil er oder sie dich so aufregt. Und damit du wieder runter kommst. Was tust du? Du rauchst erst mal eine, weil morgen ist ja auch noch ein Tag. Jetzt gehst du irgendwann in die Arbeit, wieder nach den Feiertagen und hast vielleicht den ersten Kollegen, der dir blöd kommt. Hasten, anstrengenden Kunden am Telefon oder sonst der macht dich richtig runter. Und was machst du, weil du es ja gewohnt bist? Du rauchst erst mal eine, damit du wieder runter kommst und schwuppdiwupp sind deine guten Vorsätze schon passe. Das heißt, alles was nach dem dann kommt, kannst du getrost in die Tonne treten, weil du wirst es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht tun. Andere Beispiele Wenn ich mal im Lotto gewinnen, was sehr unwahrscheinlich ist, dann mache ich die Weltreise. Wenn ich erst mal in Rente bin, dann mache ich jenes. Wenn ich mal den richtigen Partner, die richtige Partner finde, dann mache ich das. Das ist auch wieder so, den Erfolg auf andere zu schieben, die Eigenverantwortung abzugeben. Und deswegen finde ich die nicht so gut, hier anzuwenden. Es gibt für mich nur eine Wenn dann Regel. Wenn du was ändern willst, wenn du was tun willst, dann tu es auch. Kommen die Pötte und fang an.

00:11:46
Julia Kaffka: Das ist gut, das gefällt mir. Da gibt es ja noch einige andere Regeln, die man so finden kann oder Möglichkeiten, die man anwenden kann. Kennst du das? Du Something Prinzip? Und das ist ja quasi so ein bisschen dieses kleinen erst mal anfangen. Was hältst du denn davon? Kann das helfen?

00:12:01
Marco Recher: Das heißt mach wirklich kleine Schritte. Und die Regel, die finde ich super, weil die meisten Menschen setzen sich sehr, sehr große Ziele. Also was weiß ich. Ich will in einem Monat und ich rede jetzt bewusst ein bisschen überspitzt 20 Kilo abnehmen. Ich will morgen einen Marathon laufen und das funktioniert einfach nicht. Und wenn du dir große Ziele setzt, dann musst du die herunterbrechen, um dich selbst nicht zu überfordern. Du könntest diese Regel auch nennen Das Prinzip der Minimal Konstanz, das heißt wichtiger, effektiver ist es wirklich. Kleine Schritte, aber dafür kontinuierlich bricht das Ganze auf Etappen runter. Und dann hast du auch immer wieder Teilerfolge. Warum? Du wirst diese Etappen relativ in Anführungszeichen leicht erreichen und dann hast du Erfolge, die du feiern kannst. Das macht dich glücklich, Du schießt es Dopamin etc. aus Endorphine. Und so weiter. Und das hält dich auch ja, in der Aktivität, im Tun. Und das macht dich dann auch ein Stück weit stolz. Und so bleibst du dran und das ist einfach wichtig. Okay, also wenn du ambitionierte Ziele hast, bringt dich wirklich runter.

00:13:03
Julia Kaffka: Okay. Und wenn wir im Alltag noch mal schauen, so bei den kleinen Sachen wie zum Beispiel beim Sport machen. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich so ein bisschen auch den Druck von außen brauche. Also wenn ich mich mit einer Freundin zum Joggen verabrede, da fällt es mir deutlich leichter, mich aufzuraffen, als wenn ich jetzt das alleine mit mir ausmache und mich nur vor mir rechtfertigen muss, wenn ich mal wieder nicht gehe. Wie wichtig ist es denn aus deiner Sicht da vielleicht auch, sich so Unterstützung von Freunden und Familie zu suchen?

00:13:30
Marco Recher: Na ja, ist ja auch ein wichtiger Punkt, denn wie du vielleicht weißt, geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude. Und der richtige Sparringspartner da kann ich da natürlich schon beflügeln. Da bringe ich dann nach vorne, der bringt dich ins Tun. Und es ist dann natürlich auch viel leichter dran zu bleiben, am Ziel dran zu bleiben, dabei zu bleiben und das Ziel letztlich auch zu erreichen. Ein wichtiger Punkt ist Ich habe gesagt der richtige Partner. Viele scheitern auch tatsächlich am Umfeld. Was heißt das? Vielleicht kennst du das Sprichwort Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist. Das heißt, du bist letztlich der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du dich regelmäßig um gibst. Und jetzt kannst du einfach mal in dein Umfeld schauen, beispielsweise und schauen, Wer sind denn diese fünf Leute? Und jetzt durchleuchtet du die mal, schau mal, welche Beziehung führen, die beispielsweise sind, die glücklich in ihrer Beziehung führen, die eine liebevolle Beziehung? Lieben sie ihren Job oder ist das nur ein Mittel zum Zweck? Wie fit sind die? Wie gesund sind die? Und dann bricht es mal auf dich runter und du wirst erstaunt sein, was du da siehst.

00:14:35
Julia Kaffka: Spannend.

00:14:36
Marco Recher: Genau. Mach mal den Versuch.

00:14:37
Julia Kaffka: Tatsächlich gescheitert.

00:14:39
Marco Recher: Und hast. Hast du. Ein paar Köpfe.

00:14:43
Julia Kaffka: Sind schon dabei.

00:14:46
Marco Recher: Ja, sehr gut. Genau.

00:14:47
Julia Kaffka: Ich auch. Kannst mir sagen.

00:14:49
Marco Recher: Wo.

00:14:51
Julia Kaffka: Und warum scheitern jetzt da die meisten? Ganz einfach, weil auch dein Umfeld keine Veränderung will. Du kannst also sagen, auch das Umfeld hat. Einen inneren Schweinehund und ein Umfeld will in der Regel nicht, dass du dich, dass das Umfeld sich verändert und deswegen halten die dich lieber in Anführungszeichen klein und bei sich, anstatt dich zu verändern. Wenn du also schaust, welche Freundinnen, welche Freunde, welche Sparringspartner suchst du dir? Such dir Leute und gib dich mit Leuten, die an dich glauben, die an dein Ziel glauben, die dich nach oben bringen, Die, die nach vorne bringen, die dich beflügeln und die dich pushen. Das ist wichtig. Und wenn du solche Leute hast, dann hast du die richtigen und dann wirst du dein Ziel sicherlich auch erreichen.

00:15:33
Marco Recher: Okay. Wow, das wird wirklich spannend. Gibt es denn auch irgendwie so Trick, wie ich Gewohnheiten und Rituale etablieren kann, die mir irgendwie helfen könnten?

00:15:44
Julia Kaffka: Absolut, ja. Das Zauberwort hat letztlich drei Buchstaben und heißt tun tun. Du musst es einfach tun. Es ist eigentlich ganz einfach, aber doch nicht ganz so leicht. Und die Mutter der Gewohnheit heißt letztlich Wiederholung. Du musst es immer wieder tun, immer wieder tun. Und das auch regelmäßig. Das heißt, damit sich wirklich eine Gewohnheit ausbildet, musst du etwas immer wieder tun, am besten täglich und regelmäßig. Und dann, wenn du das beherzigt, hast du nach etwa drei Monaten eine neu ausgebildete positive Gewohnheit. Das heißt tun, tun, tun und vor allem regelmäßig, was dich dabei unterstützen kann. Und auch wird es, wenn du schon positiv in deinen Tag startest. Alle Menschen haben Routinen, die meisten wissen es nur nicht. Wenn also morgens dein Wecker klingelt und dein Schweinehund meldet sich beispielsweise und sagt, du sollst erst mal noch mal draufdrücken, dann machst du das und du bleibst eine Viertelstunde länger liegen. Dann kommst du vielleicht relativ, naja, unausgeschlafen oder wie auch immer aus dem Bett, schüttet dir vielleicht gerade noch einen Kaffee so runter und hetzt erst mal ins Büro, damit du ja noch pünktlich ankommst. Dann ist das eine Routine. Nein, nicht so gute, aber es ist eine Routine. Abends das Gleiche. Wie kommst du abends nach Hause? Gehst du erst mal rein, machst ein Bierchen auf, setzt dich auf die Couch und schaust die Nachrichten. Auch das ist eine Routine. Und je nachdem, wie du in den Tag startest, wirst du auch durch den Tag kommen. Deswegen meine Empfehlung Such dir eine positive Morgenroutine. Was heißt das? Ich stehe zum Beispiel um sechs auf, das heißt, da klingelt der Wecker. Dann gebe ich dem Tag erst mal eine Bedeutung. Das mache ich jeden Tag, da liege ich noch im Bett. Die heutige Bedeutung ist Ich habe mich total gefreut, heute mit dir diesen Podcast aufzunehmen. Meine Bedeutung ist heute, diesen Podcast gut aufzunehmen und und das ist meine Bedeutung und das mal jeden Tag. Dann spiele ich das erst mal mental durch. Ich spiele ständig meinen Tag mental durch. Wie wird es ablaufen, was wird passieren? Und so weiter. Und erst dann stehe ich auf. Dann trinke ich einen halben Liter lauwarmes Wasser, dann gehe ich laufen, eine halbe Stunde circa, danach dusche ich, dann meditiere ich. Dann frühstücke ich und erst dann gehe ich in meinen Tagesablauf rein. Das hat den Vorteil, Ich bin jeden Tag letztlich gut drauf. Bei mir gibt es natürlich auch mal Tage, da funktioniert das weniger gut, weil du mal krank bist oder sonstiges. Aber wichtig ist auch die Grundstimmung. Und wenn du schon mal positiv in den Tag startest, dann wirst du ganz anders durch den Tag gehen und dann werfen dich auch Herausforderungen nicht so leicht um und dann kannst du auch ganz anders und viel leichter mit deinem inneren Schweinehund umgehen. Deswegen such dir eine Morgenroutine. Das muss jetzt nicht die gleiche sein wie ich habe, aber finde das, was für dich passt.

00:18:29
Marco Recher: Und wenn du mal miesen Tag hast, wie ist das? Fällt dir das dann auch schwer, die Routine vielleicht auch durchzuziehen?

00:18:35
Julia Kaffka: Na ja, definitiv. Also ich bin ja davor nicht gefeit. Auch ich habe meinen Schweinehund.

00:18:41
Marco Recher: Na ja, er.

00:18:42
Julia Kaffka: Wird es auch. Die ganzen oder unser Schweinehund begleitet er uns ja auch das Leben lang. Also der verschwindet ja nie. Und auch ich habe das. Und ich habe auch mal einen miesen Tag und ich schaue auch mal aus dem Fenster, denke mir Ach nee, jetzt regnet's. Ich erinnere mich dann einfach Wie geht es mir, wenn ich das durchziehe? Nämlich richtig gut. Und das macht es mir leichter.

00:19:01
Marco Recher: Ja, da fällt mir auch das Selbstwertgefühl ein. Ich meine, das ist ja auch super wichtig bei dem Thema. Also Selbstwert, der wächst wahrscheinlich auch, wenn ich wirklich merke, okay, alles klar, ich tue das wirklich, Ich ziehe das durch. Oder wie wichtig ist es für uns?

00:19:17
Julia Kaffka: Absolut. Also dein Selbstwertgefühl, aber auch dein Selbstvertrauen wird, wenn du dich immer wieder nicht selbst austrickst, aber deinen inneren Schweinehund überwindest, enorm in die Höhe schießen. Warum ist das so? Wenn du deinen Schweinehund, deinen inneren Schweinehund nicht überwindest, dann bleibst du letztlich in einer Komfortzone kleben und du machst es dir in deiner Komfortzone richtig gemütlich. Du kennst ja deine Abläufe, da ist alles so wie gewohnt. Du musst nicht großartig was ändern. Und wie so jemand ist oder wie sich so jemand fühlt, kannst du dir ausmalen. So jemand hat wahrscheinlich sehr wenig interessante Momente in seinem Leben oder aufregende Abenteuer oder was auch immer. Ja, lebt. Nach seinem Schema F. Die Frage ist jetzt Was passiert denn, wenn plötzlich etwas Überraschendes passiert, also etwas Unvorhergesehenes? Dann musst du oder da bist du gezwungen, eine Veränderung anzustoßen. Du musst ins Handeln kommen. Und die meisten tun dann Folgendes Sie sind erst mal gelähmt. Sie wissen gar nicht Oh Gott, was muss ich jetzt tun? Und viele treten dann auch in die Opferrolle. Was dann passiert, ist dein innerer Schweinehund. Der hat dich dann mit voller Wucht getroffen und den wirst du nicht mehr so leicht überwinden. Was das für dein Selbstwertgefühl bedeutet? Ich glaube, liebe Julia, das brauche ich dir an dieser Stelle nicht sagen.

00:20:34
Marco Recher: Ja, das ist klar. Ja, absolut nicht gut.

00:20:36
Julia Kaffka: Und Wachstum, persönliches Wachstum, aber auch die Entwicklung des Selbstwertgefühls. Das Selbstvertrauen passiert immer nur außerhalb deiner Komfortzone. Das heißt, je öfter du diese Zone verlässt, je öfter du deinen inneren Schweinehund überwindest, umso größer ist auch dein Wachstum und umso mehr wird sich natürlich auch dein Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen etc. ausbilden. Ganz klar.

00:20:59
Marco Recher: Okay. Klingt gut. Was sind denn deine persönlichen Tipps? Also wenn du jetzt mit Menschen arbeitest im Coaching, die mit solchen Themen zu dir kommen, was ist denn für dich das Effektivste?

00:21:11
Julia Kaffka: Also Schritt eins ist immer die Eigenverantwortung. Du musst zu 100 % Eigenverantwortung für dein Leben übernehmen. Ich Mag zwar dieses Wort müssen nicht, aber es ist so Warum? Es wird keiner für dich tun. Du musst es tun. Und das ist in jedem Lebensbereich so, nicht nur beim inneren Schweinehund dann natürlich auch. Aber auch bei deiner Gesundheit, bei den Finanzen, bei deinem Job, in deiner Beziehung. Du bist dafür verantwortlich, kein anderer. Und viele glauben ja auch wenn ich zu mir ins Coaching komme oder in den Seminare, dass die einfach ihre Eigenverantwortung mit der Jacke an der Garderobe ablegen können. Aber so funktioniert das Ganze leider nicht. Da muss ich dich leider enttäuschen an der Stelle. Schade. Wenn ich das wissen würde, wie es funktioniert.

00:21:53
Marco Recher: Einfach. Marko, kannst du bitte. Hier ist mein Päckchen.

00:21:58
Julia Kaffka: Genau dann richtig.

00:21:59
Marco Recher: Da.

00:22:00
Julia Kaffka: Aber so funktioniert es nicht. Und das ist wichtig. Ich als Coach bin auch nicht dafür verantwortlich, dass du glücklich bist. Beispielsweise. Ich gehe zwar gerne den Weg mit dir ein Stück, aber die Verantwortung trägst du. Und völlig egal, ob du jetzt abnehmen willst, deine Fitness steigern willst, einen anderen Job oder dich selbstständig, völlig egal. Das kannst nur du für dich tun. Deswegen ist ein wichtiger Satz den sollten sich alle Zuhörer auch merken. Übernimm zu 100 % Eigenverantwortung für dein Leben. Das mal der erste Schritt, weil ohne funktioniert es nicht. Der nächste Schritt ist dann ganz einfach tun. Du musst es tun. Du musst den Stier ganz einfach bei den Hörnern packen. Komm ins Tun und am besten sofort. Da gibt es die sogenannte 72 Stunden Regeln. Ich weiß nicht, ob du die kennst.

00:22:48
Marco Recher: Nein.

00:22:49
Julia Kaffka: Die besagt ja Folgendes Wenn du ein Ziel hast, wenn du einen Entschluss gefasst hast, etwas zu tun, dann solltest du die ersten Maßnahmen innerhalb der ersten 72 Stunden anleiern. Also, du solltest planen. Such dir ein Fitnessstudio, wo du hingehen willst. Vereinbart dort einen Termin zum Probetraining oder wie auch immer. Du musst etwas anleiern, weil alles, was du nicht innerhalb von 72 Stunden tust oder anleiern wirst, du mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, die fast gegen 100 geht, nie mehr tun. Und wenn du es doch tust, dann mit enormen Widerständen, also mit enorm großen inneren Schweinehund. Also das heißt, wenn du etwas tun willst, dann tu es einfach am besten innerhalb von 72 Stunden. Fang an damit.

00:23:31
Marco Recher: Und gibt es denn sonst noch Tipps und Tricks, die du deinen Schäfchen quasi an die Hand gibst, wo du sagst, das hilft bei den meisten? Ich meine, es gibt natürlich keinen Blanko Generalplan, aber jeder ist anders. Logisch. Aber so grundsätzlich.

00:23:47
Julia Kaffka: Wichtig ist auch Stell dir mal die Frage, warum willst du etwas tun? Das ist ein ganz wichtiger Tipp und wichtiger Hinweis. Die meisten Menschen wissen eigentlich gar nicht, warum sie etwas tun. Die jagen dem Ideal nach, weil sie ein Model sehen, im Fernsehen oder sonst was. Und das will ich jetzt auch. Und so weiter. Warum tust du, was du tust? Warum willst du tun, was du tun willst? Das heißt, wenn du ein starkes Warum hast, dann wird dich das tragen. Wieso? Weil durch ein starkes Warum? Wenn du deinem Ziel einen Sinn gibst, dann schüttet unser Körper Dopamin und Endorphine aus. Und allein schon dadurch entsteht in unserem Kopf zwischen unseren Ohren ein regelrechtes Feuerwerk. Und das bringt dich ins Tun. Das bringt dich in die Handlung. Das aktiviert dich. Das sorgt dafür, dass du das Du aufbrechen willst, dass du losgehen willst. Und deswegen ist ein starkes Warum auch wichtig. Das ist die Euphorie. Und so weiter. Und dadurch wird es dir leichter fallen, loszugehen. Wenn du auch mal einen Rückschlag hast, dann ist auch ein starkes Warum wichtig. Warum? Es wird dich dadurch tragen. Rückschläge sind überhaupt nicht tragisch, die werden dir auch passieren. Das ist die Illusion. Möchte ich dir gleich mal nehmen. Du wirst Rückschläge erleiden. Definitiv.

00:24:59
Marco Recher: Verdammt.

00:24:59
Julia Kaffka: Verdammt! Die Frage ist Liebe Julia, wie gehst du damit um? Gibst du auf? Sagst du Verdammt, das war's jetzt. Ich kann das eh nicht. Oder sagst du? Na ja, jetzt habe ich ein Learning draus. Was will mir das jetzt sagen? Und dann geht es weiter. Und wenn du dich da auch an dein Warum erinnerst, dann wird dich das dadurch tragen. Ein starkes Warum setzt enorme Kräfte in uns frei.

00:25:20
Marco Recher: Also, es wird Rückschläge geben. Was kann ich denn aber tun? Gibt es einen Erste Hilfe Tipp, den ich anwenden kann, wenn ich mich sehr anstrenge und es wochenlang gut läuft? Und dann kommt der Rückschlag?

00:25:31
Julia Kaffka: Der wichtigste Tipp, den ich dir an dieser Stelle mitgeben möchte, ist ganz einfach erst mal Ruhe zu bewahren, durchzuatmen und dich selbst nicht runterzumachen. Die meisten Menschen machen den Fehler, wenn es nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen. Dann machen sie sich selber runter, putzen sich runter, sagen sich Dinge wie Ich bin nicht gut genug, ich schaff das nicht, ich kann das nicht, Ich habe es probiert, ich scheitere sowieso. Du machst dich dadurch klein, macht dich runter. Dann hat dein innerer Schweinehund natürlich eine sehr, sehr große Gewalt über dich. Der schlägt dich dann um. Bildhaft gesprochen Tatsächlich. Wichtig ist erst mal Das ist überhaupt nicht schlimm. Rückschlag. Ich gehe mit diesem Mindset daran oder mit diesem Verständnis. Ja, was lerne ich daraus? Frag, Was lerne ich jetzt aus diesem Rückschlag? Was muss ich vielleicht sogar korrigieren? Wo muss ich meinen Weg ein Stück weit korrigieren? Und dann ist es überhaupt nicht tragisch, wenn du daraus aus deinem Rückschlag ein Learning mitnimmst. Wichtig Mach dich nicht selbst runter und was dich dann unterstützt, weil dadurch wird die Dopamin die Endorphin Produktion eingestellt, wenn du dich runter machst. Erinnert dich, ich habe es vorher schon erwähnt. Erinnert dich an dein Warum? Warum tust du was du tust und dadurch kommst du wieder so ein bisschen in den Flow zustand. Dein Körper schüttet wieder Dopamin und Endorphine aus, das bringt dich wieder in die Aktivierung. Das aktiviert dich und dadurch bist du wieder handlungsfähig.

00:26:45
Marco Recher: Man hat das Ziel, Man muss sich das Ziel wieder auch vor Augen führen. In dem Moment.

00:26:48
Julia Kaffka: Im Grunde richtig, richtig, definitiv. Und führ dir bitte auch vor Augen Den schwierigsten Schritt hast du schon hinter dir. Die meisten Menschen haben den Denkfehler. Ja, wenn ich jetzt was veränder, wenn ich jetzt anfange, dann wird es richtig schwierig. Das ist ein Fehler oder ein Denkfehler den viele haben. Der erste Schritt ist immer der schwierigste und danach wird es leichter. Danach kommst du in eine Art Flow Zustand.

00:27:12
Marco Recher: Wie wichtig ist denn da eigentlich auch das Thema Belohnung?

00:27:16
Julia Kaffka: Absolut wichtig natürlich auch hier wieder, wenn wir uns selbst belohnen. Ich wiederhole mich da jetzt, aber so ist es nun mal da schüttet der Körper Dopamin Endorphine aus, Glücksgefühle werden in uns wach. Und so weiter. Und das macht uns euphorisch. Das bringt uns in die Aktivität, treibt uns an und deswegen ist Belohnung absolut wichtig. Ein wichtiger Hinweis oder ein Tipp an dieser Stelle ist ganz einfach, dass du dir nicht jetzt mal was, was neue Klamotten kaufst, neue Schuhe oder weiß der Kuckuck was, sondern Mist.

00:27:46
Marco Recher: Sondern das dachte ich mir an dieser Stelle.

00:27:50
Julia Kaffka: Nein, weil wir wollen uns ja oder wir belohnen uns ja für große Erfolge. Das lehren wir so! Darauf sind wir konditioniert. Wenn wir was erreichen, dann gibt es diese Belohnung. Ist auch wichtig. Das will ich gar nicht abreden an dieser Stelle aber genauso, wenn ich noch mehr oder viel mehr. Wichtiger ist, dass du dich mal selbst feierst, auch für kleine Erfolge, wenn du deinen ersten Kilometer gelaufen bist, beispielsweise wenn du sagst okay, ab morgen starte ich mein Walking Programm oder mein Fitnessprogramm und du hast die erste Einheit hinter dir, dann feiere dich mal, weil das ist auch schon Erfolg, dass du überhaupt startest, klopft dir auf die Schultern, Sei stolz auf dich, schau mal in den Spiegel und sagt der Person, die dich da anschaut Ich bin stolz auf dich. Und auch das schüttet wieder Dopamin Endorphine aus. Und so weiter und bringt dich weiter. Und das ist, glaube ich, die wichtigste und schönste Belohnung. Wenn du dir einfach selbst sagst, wie stolz du auf dich bist. Feiert dich für kleine Erfolge, feiert dich einfach nur, weil es dich gibt. Und das ist ganz wichtig.

00:28:46
Marco Recher: Sehr schön. Sehr schöner Gedankengang, Wenn du es jetzt zum Schluss zusammenfassen müsstest Was sind die drei effektivsten Mittel gegen den inneren Schweinehund?

00:28:55
Julia Kaffka: Also 0.1 definitiv. Übernimm die Eigenverantwortung und zwar zu 100 %. Du hast es in der Hand, Du musst es tun. Der zweite ist Tu es einfach. Und zwar am besten innerhalb von 72 Stunden. Fang an, bricht dein großes Ziel, wenn du ein großes Ziel hast, runter auf kleine Schritte. Und der dritte wichtige Tipp ist ganz einfach Wähle ein Umfeld, das dich unterstützt, das an dich und an deine Ziele glaubt. Und wenn du diese drei Tipps oder diese drei wichtigen Mittel beherzigt, dann hast du gute Chancen, dass du deinen inneren Schweinehund auch dauerhaft überwinden kannst.

00:29:31
Marco Recher: Lieber Marko, vielen, vielen lieben Dank, dass du heute mein Gast warst.

00:29:36
Julia Kaffka: Ich danke dir für die Einladung.

00:29:37
Marco Recher: Das war sehr, sehr schön. Ich fühle mich sehr motiviert. Du hast mir persönlich viele richtig gute Denkanstöße gegeben. Ich ziehe mir jetzt sofort gleich meine Laufschuhe an, habe ich gerade beschlossen, bevor ich wieder nach.

00:29:48
Julia Kaffka: Obwohl es regnet.

00:29:50
Marco Recher: Genau richtig. Ich werde das auf jeden Fall tun. Ich hoffe, ihr da draußen wurdet heute auch wieder inspiriert und ihr könnt aus unserem Gesundheits Podcast wieder was für euer Leben mitnehmen. Und wenn ihr nichts verpassen wollt, abonniert unseren Kanal unbedingt in eurer Podcast App und bis dahin bleibt gesund, bleibt gesund.

00:30:08
Julia Kaffka: Jaja.

Gedicht zum Einschlafen

Einschlafprobleme betreffen viele Menschen. Ein Grund warum wir uns überlegt haben, uns dem Thema etwas mehr zu widmen. Gesunder Schlaf ist so wichtig für unsere körperliche Gesundheit. Umso schlimmer, wenn man nicht richtig einschlafen kann. Mit diesem „Gedicht zum Einschlafen" wollen wir genau das versuchen - besser in den Schlaf zu finden.

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Transkript

Herzlich Willkommen zum Podcast der BKK ZF & Partner. Ich heiße Lisa und lese dir heute etwas vor, damit du auf andere Gedanken kommst und einschlafen kannst. Einschlafprobleme betreffen wohl echt viele… Ein Grund warum wir uns überlegt haben uns dem Thema etwas mehr zu widmen. Schlaf ist sooo wichtig für uns und es ist echt doof wenn man nicht einschlafen kann…

Man sagt ja immer so schön, dass man zum Einschlafen monotone Dinge tun sollte. Dinge, die uns beruhigen. Dinge die uns müde machen. Bügeln soll zum Beispiel helfen. Oder Aufräumen. Vielleicht willst du auch Schafe zählen oder Einhörner. Oder du lauschst einfach einem Hörbuch. Hörbücher sind manchmal aber vielleicht doch zu spannend und mal will gar nicht einschlafen. Hmmm. Ja man könnte doch sogar etwas verpassen. Wie wäre es heute dann mal mit einem kleinen Gedicht? Du fandest Gedichte schon in der Schule langweilig und einschläfernd? Na dann erfüllen Sie ja in diesem Fall genau den Zweck. Ich versuche mir auch echt Mühe zu geben möglichst (anfangen) ruhig und gleiiiihmäääßig vorzulesen. Viel Spaß.

Zum Einschlafen zu sagen von Rainer Maria Rilke

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

Flüstern: Schlaf schön! Bis zum nächsten Mal!

Gesundheit auf 2 Rädern

In dieser Episode dreht sich alles ums Fahrrad fahren und die positiven Effekte auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wir haben mit Radprofi Daniel Gathof darüber gesprochen, wie man es schafft sich zu motivieren und welche positiven Einflüsse das Radfahren auch auf unsere seelische Gesundheit hat. Für alle Radfahr-Fans und die, die es werdne möchten - Hören Sie rein! 

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Transkript

00:00:00
Julia Kaffka: Herzliches Willkommen auch von mir! Mein Name ist Julia, und ihr seid jetzt quasi schon mitten drin in eurem Gesundheitspodcast der BZ und Partner. Ja, der Frühling ist endlich da, und ganz viele von uns haben sicher irgendwo auf irgendeinem Zettel stehen: Fahrrad, fit machen oder sowas, denn jeder weiß sich zu bewegen, und das auch noch an der frischen Luft. Das ist gesagt, und heute spreche ich mit einem Mann, dessen Passion ist ist, Fahrrad zu fahren, und das bereits seit über 20 Jahren. Ob Offroad oder Orte, die Leidenschaft und Begeisterung für zwei Räder merkt man ihm definitiv an. Aber nicht nur der Wettkampf hat es ihm angetan, sondern auch die Verknüpfung von Fahrrad fahren und der eigenen Gesundheit. Das ist ihm auch sehr wichtig. Neben den Wettkämpfen engagiert er sich auch noch in vielen sozialen Projekten und ist als motivations coach unterwegs, was ihn beim Fahrradfahren motiviert. Warum wir alle mehr Fahrrad fahren sollten und warum es so gut für die Gesundheit ist, das erfahren wir hoffentlich heute in diesem Podcast. Ganz herzlich willkommen, Daniel Hof!

00:00:58
Daniel Gathof: Hallo zusammen.

00:01:00
Julia Kaffka: Wir haben es jetzt in der Einleitung schon gehört: Radfahren ist deine Leidenschaft. Erzähl uns doch mal ganz kurz, warum.

00:01:07
Daniel Gathof: Ja, da lang dein Satz eigentlich nicht zu dem warum. Für mich ist das Fahrrad ja zum einen das Mittel der Wahl, wenn ich mich eher wohin fortbewegen möchte, und ich glaube, als Kind oder Jugendliche habe ich dann schnell erkannt, dass das Fahrrad dabei die perfekte Reisegeschwindigkeit hat, dass ich auch viel selbst verwalten kann, und ich kann entscheiden, wann ich stehen bleibe. Ich kann entscheiden, wie schnell, wie langsam ich fahr. Ich kann entscheiden, ob ich mich richtig ausbauen und mehr oder weniger am Ende kaputt vom Rad Fall, oder ich kann auch sehr, sehr gemütlich durch die Welt fahren, und Stichwort Welt passt auch ganz gut auf alle meine einen Wettkampf reisen oder in den Ländern, wo ich bisher war, war auch das Fahrrad immer ein guter Punkt oder ein guter Ansatzpunkt, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, Dinge wahrzunehmen, zu sehen, die einen faszinieren, die man sonst so nie mitbekommen hätte. Und das macht ja in der Summe für mich zum perfekten Fortbewegungsmittel und am Ende natürlich der Wettkampf. Der ist bei mir auch ein ganz, ganz wichtiger Teil, und da ist einfach die Faszination, dass man die Grenzen verschieben kann, dass man wirklich an sein Limit gehen kann und es aber irgendwo doch in der Natur. Das ist so der Grund, warum es mountainbikes, Fahrradfahren für mich so das Mittel, der war, alles genau.

00:02:21
Julia Kaffka: Okay, du hast es gerade schon angesprochen mit deinen Wettkämpfen. Verrat uns doch mal kurz, was dich denn qualifiziert, heute hier zu sprechen. Wir haben es schon angesprochen, aber was ist denn deine große Expertise?

00:02:32
Daniel Gathof: Genau also, du hast in der Einladung erzählt: 20 Jahre Rad, Sport. Ich bin ein bisschen älter wie 20 Jahre. Ich fahre demnach auch schon viel, viel länger Fahrrad, aber die, die Kinder und Jugendzeit, die rechnen mir mal raus. Also, ich bin seit 20 Jahren als Radi unterwegs, hauptsächlich auf den unten in der Disziplin Marathon, Etappenrennen. Das heißt, es sind einfach längere Distanzen, oft auch von A nach B, so ein bisschen vergleichbar wie das Rennrad und Tode France, wo man da kennt.

00:03:01
Julia Kaffka: Mhm.

00:03:01
Daniel Gathof: Und ja, da bin ich in der Welt umher gekommen, hab mir sicher auch schon die einen oder anderen Wettkämpfe gewonnen oder erfolge in meiner Dastehen, und das, glaube ich, ist ein Grund, warum ich heute hier sitze.

00:03:15
Julia Kaffka: Mhm und ja, als Profi trainierst du ja auch bei Wind und Wetter. Du hast jetzt in mir eine Gesprächspartnerin, die so eine ganz normale Fahrradfahrerin ist, und ich hab halt auch tatsächlich, wie viele wahrscheinlich von uns, auch mal einen schlechten Tag, oder es regnet draußen, und man findet viele Ausreden, warum man heute vielleicht nicht mit dem Fahrrad irgendwohin fährt. Du hast sicher auch mal einen schlechten Tag, nehme ich jetzt mal an, außer du bist ein Übermensch, wie schaffst du es denn, dich zu motivieren, wenn es draußen junge Hunde regnet?

00:03:45
Daniel Gathof: Ja, da gibt's ein schlaues Sprichwort. Schlau Sprichwort, das sind ja auch auch Dorf Sprichworte, aber das heißt, es gibt keine falsche Kleidung, nur das falsche Bitter.

00:03:54
Julia Kaffka: Ich hab's befürchtet.

00:03:54
Daniel Gathof: Genau, und das ist auch, wenn ich so ein bisschen coache oder berate, ein Thema, das heutzutage ist. Fahrrad ist einfach ein sehr, sehr großes Hobby, und für das Hobby braucht es eben nicht nur das Fahrrad, sondern es braucht auch die Hardware rum rum, also richtige Kleidung, Schuhe, ET, cetera, nur dann macht es richtig Spaß. Das Tolle ist, es gibt niedrige Einstiegsschwelle, also es macht eigentlich immer Spaß, sobald man loslegt. Aber wer es dann doch mit mit Leidenschaft und mit viel Zeit verbringt, das Strahlen, der sollte da auch ein bisschen in die Kleidung investieren.

00:04:28
Julia Kaffka: Mhm und als ja, ich sag mal normal Radler, der jetzt vielleicht in die Arbeit fährt oder mal in Biergarten, hast du da einen Tipp, wie man sich da motivieren kann?

00:04:39
Daniel Gathof: Ja, ich glaube, für den Tour zum Biergarten braucht es keine Motivation, weil da weiß jeder, was am Ende wartet. Genau. Aber sonst. Ich habe natürlich auch in meinem Training Tage, wo es einfach nicht so viel Spaß macht, oder wo man wirklich aus dem Fenster schaut, und es hat vier Grad und Regen, und eigentlich stehen jetzt drei, vier Stunden Training auf dem Programm. Da hilft zum einen, dass man ein bisschen dran denkt, wie man sich danach fühlt. Also wenn man es geschafft hat, ist man ja gewissen Art und Weise sehr stolz auf sich. Dann ist es bei mir natürlich beruf. Also ich weiß genau, dass diese drei, vier Stunden mich auch an meine Ziele näher heranbringen, also sprich rennen zu gewinnen, und wenn man dann noch irgendwie ein bisschen zurückblickt, dass man das ja schon ein paar mal gemacht hat, und es war dann doch nie so schlimm wie am Anfang gedacht, dann geht es eigentlich schon irgendwie, dass man den inneren Schweinehund überwinden kann.

00:05:29
Julia Kaffka: Was sagst du denn? Was sind denn aus deiner Sicht die großen Vorteile beim Fahrrad Fahren so auch im Alltag? Bist du da weniger gestresst? Bist du gelassener, weil du gleich irgendwie dich auch so ein Stück weit ausbaut, also körperlich einfach betätigst? Oder?

00:05:43
Daniel Gathof: Ja, das ist ein Riesen Kapitel. Also, natürlich ist es Fahrradfahren, eine Bewegung oder eine Sportart, wo extrem gesund ist, einfach weil das Herz, Kreislauf System perfekt trainiert wird. Es sind keine Stöße, wie jetzt zum Beispiel beim Tennis oder beim Fußball, die auf Knie, auf Knorpel, auf Gelenke wirken, ist alles sehr harmonisch von der Bewegung. Dann spielt beim Fahrradfahren zum Beispiel ein Gewicht keine Rolle. Also, es kann ein Mensch, der vielleicht ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat, genauso gut Fahrrad fahren wie jemand, der sehr leicht oder dünn ist. Natürlich sollte der Mensch, wo ein paar Kilos zu viel hat, nicht unbedingt gleich in die Berge fahren, aber vom Prinzip kommt er erst mal von A nach B, und wenn man da ist.

00:06:25
Julia Kaffka: Auch schon was?

00:06:26
Daniel Gathof: Genau, und wenn man ein bisschen tiefer reingeht ins Mentale, ist die Bewegung an der frischen Luft natürlich auch extrem gute, werden Glücksgefühle im Kopf, im Hirn fabriziert, und jeder kennt es vielleicht, wenn er mal ein paar Meter draußen gefahren ist, so nach zehn, 15 Minuten. Da funktioniert es irgendwie automatisch eine sehr, sehr monotone Bewegung. Also, der Körper muss nicht viel denken, um es durchzuführen, und dann komme ich in so ein flow moment. Also dann, dann kann ich es irgendwann relativ schnell genießen, und das ist natürlich für den Kopf extrem gut. Da schallt es da schnell ab, und es gibt zig Beispiele von Menschen, die sagen, hey, der Weg nach Hause von der Arbeit, das ist für mich eigentlich nochmal perfekt zum Abschalten, zum zum, bevor es dann zu Hause vielleicht mit Kindern oder mit dem Lebenspartner weitergeht.

00:07:14
Julia Kaffka: Also, du würdest schon sagen, dass es einen Unterschied macht, zum Beispiel tatsächlich mit Fahrrad einfach in die Arbeit zu fahren und wieder zurück, dass das schon was bringt, mental und auch körperlich.

00:07:26
Daniel Gathof: Definitiv, also, ich tue für mich sehr, sehr viel gute Sachen, also, wie du gesagt hast, aus aus Gesundheitssicht, die mentale Komponente und natürlich auch irgendwo für den Geldbeutel, als wenn die Preise heutzutage anschaut, der kommt beim Fahr da deutlich günstiger weg.

00:07:41
Julia Kaffka: Ja, das hat riesengroße Vorteile, im Fahrrad zu fahren, definitiv auch fürs Klima. Das ist ja gerade Thema überall auch. Kann man denn aus deiner Sicht so ein bisschen auch ich nenne es jetzt mal, die Welt retten, wenn man aufs Fahrrad umsteigt, also ist das schon ein guter Beitrag oder den man da leisten kann.

00:07:58
Daniel Gathof: Also ich glaube, die Welt retten, vielleicht nicht unbedingt, aber man kann definitiv sich und der Umwelt was gutes damit tun, und das sollte, glaube ich, Ziel von allen sein.

00:08:07
Julia Kaffka: Fährst du eigentlich überhaupt noch Auto?

00:08:10
Daniel Gathof: Ja, also ich oder wir, meine Familie, wir haben ein Auto zu Hause, aber auch bedingt, weil es drei Kinder gibt. Meine Frau arbeitet doch ein bisschen weiter weg, und da braucht man es dann doch ab und zu einfach.

00:08:23
Julia Kaffka: Okay, aber meistens fährst du schon, wenn es irgendwie geht, mit dem Fahrrad.

00:08:27
Daniel Gathof: Genau also, bei mir zu Hause wird in unmittelbarer Nähe eigentlich alles mit dem Fahrrad erledigt. Auch die Kinder fahren sehr viel Fahrrad. Ich weiß nicht, ob das exotisch ist oder nicht. Wir sind ein bisschen auf dem Land, ist es eher normal, in der Stadt vielleicht nicht ganz, aber die haben knapp zwei Kilometer zur Schule, und da wird eigentlich doch entweder mit dem Fahrrad oder zu Fuß jeden Tag gegangen gefahren.

00:08:49
Julia Kaffka: Was gibt dir denn persönlich das Fahrradfahren? Was gibt dir das für ein Gefühl? Ist es irgendwie Freiheit, Flexibilität? Oder?

00:08:57
Daniel Gathof: Ja, sowohl als auch, also mit dem Fahrrad, ich habe davon erzählt, kannst du sehr, sehr viel selber entscheiden. Also, ich nehme mal als Beispiel, du fährst irgendwo eine schöne Straße am Meer und entdeckst ein, wo du mal anschauen willst, mit einem Pfad, hältst dir einfach an und guckst mit dem Auto muss der erst ein Parkplatz suchen, eine Parkbucht. Du musst schauen, was geht hinter dir ab, was passiert vor dir? Kann ich dort stehen bleiben oder nicht? Da hast du mit dem mit dem Fahrrad einfach deutlich mehr Wahl, wenn du anhältst, wie du anhältst, wie schnell du fährst, wie langsam du fährst. Das ist eine gewisse Art von Freiheit. Ja, aber ansonsten gibt das Fahrrad einfach unheimlich viel, wenn ich mein Training erledigt habe, wenn ich meinen Wettkampf erledigt habe, dass ich mit einem riesigen Glücksgefühl dann einfach zu Hause auf der Veranda oder im Sofa sitze und den Tag oder die Tour zurückblicke.

00:09:49
Julia Kaffka: Jetzt gab es in den letzten Jahren deiner professionellen Rat Karriere ja sicher auch Momente, in denen du gedacht hast, das wird nicht mehr. Ich gebe auf, ich packe es einfach nicht. Was machst du denn gegen solche Mantel Bras?

00:10:02
Daniel Gathof: Ja, bei mir ist es einfach der Beruf. Also es gehört natürlich dazu, dass es nicht immer rund läuft, und Ähm, Radfahren ist ganz kleine Austausch, Sport, und ich sag dann immer, in dem Wort steckt es eigentlich schon drin. Die Antwort: Ausdauer, du brauchst geduld, du brauchst eine Ausdauer. Wenn, wenn es mal nicht läuft, dann kannst du nicht erwarten, dass es beim nächsten Mal unbedingt gleich besser ist. Man kann mit Training gegensteuern, wenn es vielleicht am Material, kann man auch gegensteuern. Aber du hast dir ne Garantie, dass das von heute auf morgen beheben kannst. Sprich, du musst da einfach extreme Ruhe haben, ne Gelassenheit und ähm auch auch stark analysieren, wo liegt der Fehler? Ist es jetzt wirklich nur ein schlechter Tag, weil eine Krankheit naht, weil du schlecht geschlafen hast, oder auch einfach Pech mit Material, oder hast du vielleicht eine Vorbereitung und Training, Fehler gemacht? Also, da muss man viel, auch mit Trainern, vielleicht eine, zwei oder dritte Meinung einholen, sich austauschen und dann das ein bisschen analysieren, wie man gegensteuern kann. Und ja, wie gesagt, die Geduld, die ist da so das A und O.

00:11:06
Julia Kaffka: Du trainierst ja sicher auch hart. Wie muss man sich bei dir so ein Trainingstag einfach mal vorstellen, dass man ein Gefühl dafür kriegt, was man so als profi machen muss?

00:11:15
Daniel Gathof: Das heißt, der Trainingswissenschaft, also, es gibt nicht den einen Tag oder den einen Plan, wo jeder trainieren kann, und Ruckzug wird, mal schnell, sondern da ist jeder Körper anders, jeder Sportler, jede Person ist da anders zu handhaben. Und dann ist es einfach ein strukturiertes, ein strukturierter Plan, den du danach gehen musst, und der ist, wenn man es mal ganz einfach sagt, ganz viel von Ausdauer, also von langen, ruhigen Einheiten abhängig, aber auch von wettkampfspezifischen Training. Das ist dann das, wo richtig weh tut. Das sind dann sogenannte Intervalle, wo du einfach mehrere Sekunden oder Minuten richtig hart fährst mit einer Pause, dann wieder versuchst, den Puls nach unten zu bringen und ziemlich schnell dann aber schon der nächste Intervall, der nächste Reiz kommt, und so tust du dann praktisch dein Körper ja pushen, trainieren, dass er dann auch diese Wettkampfbelastung aushält. Und das klassische Beispiel ist, wenn man als die Grundlage angeht, dass man vier, fünf Stunden wirklich sehr slow in dem Tempo. Ich sag immer, wo man sich gut unterhalten kann, die Ausdauer trainiert und fahren geht und ein sehr intensives Wettkampf, spezifisches Training ist, ist nicht wirklich schön. Das muss ich auch sagen. Viele stellen sich vielleicht dann vor, der Radprofi, der trainiert immer die tollsten, ruhten die tollsten Berge und hat die schönsten Aussichten. Nee, so ein Intervalltraining, das kann zum Beispiel auch mal sein, dass du exakt deine 20 Minuten einen Anstieg fährst. Dann fährst du dann zweieinhalb Minuten in einem gewissen Tempo hoch, zwei Minuten wieder runter, wieder hoch und runter und hoch und runter, und das kann teilweise bis zu 20 mal sein, und dann hast du schon mal nicht viel gesehen, weil du musst dann auch die 20 Minuten ausfahren oder nach Hause weg, mehr oder weniger wieder auf dem gleichen Weg machen, dass du dann ziemlich schnell wieder zu Hause bist und schon dann irgendwo in die Erholung gehen kannst, das ist jetzt ein recht stupides Training, aber das ist das, wo dann am Ende auch wirklich schnell macht.

00:13:09
Julia Kaffka: Mhm, ich habe im Internet gesehen, dass du gestern oder vorgestern eine Fahrt gemacht hast, die über 100 Kilometer war, und irgendwie über 1000 Höhenmeter hast du da hinter dich gebracht, und das unter vier Stunden. Ist es denn was zum Beispiel, was ein normaler Mensch wie ich jetzt auch lernen könnte, oder ist das? Fällt das schon unter profi Training, was jetzt normal niemals hinkriegen kann?

00:13:35
Daniel Gathof: Also, das ist gewiss nichts von Anfänger gleich, packt aber auch nichts Weltbewegendes. Das war jetzt so ein Training. Ich komm leider aus einer Krankheit, um wieder einzusteigen. Ich habe schon zwei, seit Tage zuvor leichte Runden trainiert, und ähm ja, das war jetzt einfach mal, um reinzukommen, knappe vier Stunden. Ich wohne nahe den Bergen in Österreich, im also Nee, den Bodensee. Da gibt es ein paar Berge, und das war gestern einfach mal nötig, dass ich da mal hoch war und ein bisschen die Aussicht genießt auf den Kopf nach der Krankheit, und ist jetzt kein kein extremes Tempo gewesen. Ich glaube, jeder, der mal sagt, er fängt man an zu trainieren, setzt mal so ein halbes Jahr in den Sport rein, der kann das dann auch tracken.

00:14:19
Julia Kaffka: Mhm also, ein halbes Jahr Training, und dann kann man sowas realistisch schaffen.

00:14:23
Daniel Gathof: Genau, vielleicht fährt nicht in den entspannten Pulswerten wie ich, aber also, es ist definitiv machbar.

00:14:29
Julia Kaffka: Gibt's eigentlich eine Medaille, auf die du besonders stolz bist?

00:14:32
Daniel Gathof: Ja, in 20 Jahren, es ist ziemlich viel zusammengekommen, und es gibt mit Sicherheit Ziege Medaillen, auf die besonders stolz bin. Es gibt auch große Siege, das heißt wir Bronze zum Beispiel von Medien sprichst. Aber am meisten bin ich eigentlich darauf stolz, dass ich so eine lange Profi Karriere schon hinter mir habe und aktuell auch Ende noch nicht in Sicht ist, weil Leistungssport, Profisport ist, schon eigentlich sehr Kräfte raubend, und viele Profisportler, die beenden eigentlich so mit Anfang Mitte 30 ihre Karriere, weil sie entweder körperlich oder mental ausgelaugt sind, und da habe ich eine ganz gute Balance gefunden. Vielleicht passt es auch zu dem Stichwort Nachhaltigkeit, wo gerade in aller Munde ist, dass ich jetzt trotz Home Wettkampf alles immer noch richtig Bock hab und mit der gleichen Leidenschaft dabei bin wie am Anfang.

00:15:22
Julia Kaffka: Sehr cool! Wenn ich jetzt aber neu bin im Fahrradbusiness und nicht so viel Expertise habe wie du, gibt's denn da was, worauf ich achten sollte auf Einsteiger, die sich jetzt gescheites Rat kaufen wollen?

00:15:36
Daniel Gathof: Ja, also ich empfehle definitiv den Gang zu einem Fachhändler. Natürlich kann man sich online informieren, weil es zig verschiedene Arten von Rädern gibt, und dass man so ein bisschen einen Überblick hat, kann man da gerne mal im Internet suchen und sich ein bisschen einlesen. Aber für die Beratung, da würde ich die Hand ins Feuer legen, einfach was die Radgröße angeht. Dann ist ein sehr heißes Thema aktuell die Ergonomie. Es gibt auch da eine einen schlauen Spruch, der heißt, nicht der Fahrer muss ich dem Fahrrad anpassen, sondern das Fahrrad dem Fahrer, und viele wissen das nicht. Aber man kann einen anderen Sattel auf dem Rad schrauben, man kann die Vorbau, Länge variieren, man kann andere Griffe an den Rat schreiben, also alle Kontaktpunkte, wo irgendwo Schmerzen verursachen können, also die Griffe, der, das Gesäß, die Pedale. Da kann man ein bisschen was dran machen, und das weiß ich als Neuling einfach nicht, beziehungsweise da tue ich mir auch schwer, einen Überblick zu gewinnen. Und von dem her ist der Gang zum Fachhändler, der vielleicht auch mit so einem Bike Fitting oder mit Ergonomie irgendwo gut aufgestellt ist. Den kann ich da nur raten.

00:16:46
Julia Kaffka: Also, man kann auch viel falsch machen, wenn man sich ein Rad kauft.

00:16:49
Daniel Gathof: Ja, falsch ist vielleicht übertrieben, weil, wenn man sich ein Rad kauft, hat schon mal einen guten Ansatz, aber es sollte einfach passen und muss ich das. Man kann sich relativ simpel vorstellen. Du hast vorne vom schlechten Wetter gesprochen, und wenn ich bei Schlechtwetter in die Garage geht, da steht ein Auto und ein Fahrrad, und das Fahrrad zwickt. Aber weil vielleicht das hatte nicht ganz der richtige ist oder weil die Größe nicht ganz stimmt, dann werde ich den eine tiefes Auto nehmen. Wenn ich aber ein Fahrrad habe, das ideal passt, wo es richtig Spaß macht, mit los zu fetzen, dann ist die Hemmschwelle, bei regen Fahrrad zu fahren, natürlich auch wieder geringer.

00:17:25
Julia Kaffka: Das stimmt natürlich. Was hältst du eigentlich von?

00:17:29
Daniel Gathof: Also super für diejenigen, die damit einfach wieder Reichweite gewinnen, für diejenigen, die vielleicht auch ein Handycap haben, ja, und für für Menschen, die gerne eine Gruppe fahren, weil in der Gruppe kannst du dann auf einmal verschiedene Leistungslevel relativ homogen bekommen. Da ist es eben ein Riesen Gewinn. Und wenn man so ein bisschen die Zahlen anguckt, also die Zahlen, meine ich, was verkauft wird, dann werden definitiv mehr mittlerweile verkauft, wie normale Räder. Nicht ganz so toll finde ist, wenn Leute das so ein bisschen ja als nur zum Spaß nutzen, als ich habe viele Menschen, die mir im Wald begegnen, mit die, die nicht mehr wirklich ob sind, sondern schon in die in die Richtung gehen, die dann auch auf Trails mit den Rädern fahren, und es gibt da auch das eine oder andere Konfliktpotenzial. Da finde ich ja nicht ganz so angebracht. Aber für für gerade Menschen, die vielleicht auch ein bisschen älteres Semester haben und einfach ja nach zehn, 15 Kilometer schon am Leistungslimit waren und jetzt auf einmal aber wieder 40, 50 Kilometer fahren können, einfach dank der Hilfe für die ist es perfekt!

00:18:41
Julia Kaffka: Ja, jetzt ist uns ein Sprichwort noch untergekommen. Das fand ich sehr schön. Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben. Würdest du dieses Sprichwort unterschreiben, würdest du dem zustimmen?

00:18:54
Daniel Gathof: Das bei uns im Br gibt es ein ähnliches Sprichwort, das heißt ist für fremde, also definitiv ist in Bewegung, Bewegung bleiben sehr gut, aber man kann es auch umschreiben. Man könnte auch sagen, wer die richtige Balance hat, der kann mal stehenbleiben. Also.

00:19:12
Julia Kaffka: Auch war Oh darüber kamen schön sind, ist tatsächlich ein sehr schönes Schlusswort, muss ich sagen. Womit man die Leute ein bisschen, worauf man die Leute noch ein bisschen nachdenken lassen kann, finde ich, das waren eine Menge Infos, und wir hoffen, dass ihr da draußen jetzt genauso angefixt seid wie ich, dass ihr jetzt direkt eure Räder aufpumpt und euch vielleicht auch eins zulegen wollt. Wenn ihr noch keine habt, wenn ihr noch mehr zum Thema Radfahren wissen wollt, dann haben wir für euch in den schon weitere Informationen verlinkt. Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr beim nächsten Mal wieder mit dabei seid. Da wartet wieder ein spannendes Thema rund um die Gesundheit auf euch, und an dich, Daniel, habe ich noch eine letzte Frage. Es gibt Marathonläufer, die sich jeden einzelnen gelaufenen Kilometer aufschreiben. Weißt du, wie viele Radkilometer du schon hinter dir hast?

00:20:00
Daniel Gathof: Also ich hab nicht jeden Kilometer aufgeschrieben, aber es gibt eine Trainings, Dokumentation, und wenn man mal so ein bisschen über den Daumen teilt, ich fahre im Jahr zwischen plus minus 20000 Kilometer, das ganze jetzt seit 20 Jahren, dann sind wir schon bei 400000. Davor kamen auch einige zusammen als Kind und Jugendliche, und ich meine, das langt ein paarmal um die Welt.

00:20:27
Julia Kaffka: Ein paar mal um die Welt hast du es mal grob überschlagen.

00:20:31
Daniel Gathof: Nee, hier muss ich sagen, die die Frage, die war ja im Vorfeld schon bekannt, und bei uns im Sport, da zählen eigentlich die Stunden mehr wie die Kilometer, das heißt Qualität vor Quantität und so ein bisschen als Vergleich. Wenn ich mit dem Mountenbike eine Stunde fahre, dann komme ja 20 bis 25 Kilometer bei raus. Wenn ich mit dem Rennrad eine Stunde fahre, komme 30 bis 35 bei raus, und so gibt es natürlich dann auch Sportler, die die gleichen Stunden wie ich absolvieren, aber deutlich mehr Kilometer haben, einfach weil es Rennrad office sind, und man ist da ein bisschen weniger unterwegs.

00:21:09
Julia Kaffka: Okay, also, mich hast du auf jeden Fall motiviert. Ich werde morgen mit dem Rad in die Arbeit fahren. Vielen dank, Daniel, dass du hier heute bei uns zu Gast warst.

00:21:17
Daniel Gathof: Ja, in dem Fall danke, dass ich bei euch zu Gast sein durfte. Ich wünsche euch allen eine gute Fahrt, und tschüss, lass die fliegen!

00:21:26
Julia Kaffka: Und wenn ihr nichts mehr verpassen wollt von uns, abonniert einfach unseren Kanal in eurer Podcast app, und bis dahin bleibt gesund!

Die Macht des positiven Denkens

In dieser Episode beschäftigen wir uns mit der Macht des positiven Denkens und welches Potenzial in uns steckt, wenn wir das richtige Mindset geschaffen haben. Unser Gast wird uns verraten, wie wir das Beste aus uns rausholen können, aber auch, was der Ozean mit Langeweile zu tun hat. Ein herzliches Willkommen an einen Mann, der vor positiver Ausstrahlung nur so strotzt und der Menschen jeden Tag motiviert und inspiriert. Herzlich Willkommen Paul Johannes Baumgartner.

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Transkript

00:00:01
Julia Kaffka: Schön, dass ihr wieder dabei seid. Ich bin Julia Kafka und ich bin eure Gastgeberin in eurem Gesundheits Podcast. Hier geht es jeden Monat um ein spannendes Thema rund um die Gesundheit. Heute beschäftigen wir uns mit der Macht des positiven Denkens und welches Potenzial in uns steckt, wenn wir das richtige Mindset geschaffen haben. Mein heutiger Gast wird uns verraten, wie wir das Beste aus uns rausholen können, aber auch, was der Ozean mit Langeweile zu tun hat. Ein herzliches Willkommen an einen Mann, der vor positiver Ausstrahlung nur so strotzt und der Menschen jeden Tag motiviert und inspiriert. Herzlich Willkommen Paul Johannes Baumgartner.

00:00:37
Paul Johannes Baumgartner: Hallo liebe Julia.

00:00:39
Julia Kaffka: Hallo Paul, lüfte doch mal den Nebel, den ich hier gerade so versprüht habe und erzähl uns mal, was genau du machst und was dich eigentlich dafür qualifiziert, hier bei uns zu dem Thema zu sprechen.

00:00:49
Paul Johannes Baumgartner: Das mache ich sehr gerne. Also seit mittlerweile über 20 Jahren beschäftige ich mich mit dem wundervollen Thema Begeisterung. Also was ist Begeisterung? Wie bereichert Begeisterung unser Leben? Wie kann man sich selbst begeistern? Auch ganz wichtig und wie kann man andere Menschen begeistern? Kunden, Mitarbeiter und das ist es, was ich in meinen Coachings, Vorträgen und Seminaren weitergebe. Und Grundlage für alles ist die Wissenschaft. Ist die Forschung der positiven Psychologie.

00:01:19
Julia Kaffka: Okay. Und ist dein Ansatz dann? Also das hört man ja oft. Man soll ganz oft und intensiv genug an was denken und dann wird es auch Realität.

00:01:28
Paul Johannes Baumgartner: Ja, das wäre natürlich schön. So nach dem Motto Ich mache meine Augen zu, wünsch mir was. Und wenn ich die Augen wieder öffne, dann ist alles genau so, wie ich es mir erträumt habe. Also, was wir auf jeden Fall brauchen, das ist Fantasie. Und davon brauchen wir in Zukunft noch viel mehr. Denn das ist etwas, wo wir gegenüber künstliche Intelligenz einen eindeutigen Vorsprung haben. Aber das mit dem positiven Denken, das ist so eine Sache. Die positive Psychologie und auch ich, wir halten jetzt nicht so wahnsinnig viel davon.

00:01:56
Julia Kaffka: Also du trennst das ganz klar von diesem New Age Gedanken, der ja eher esoterisch angehaucht ist und stützt sich quasi tatsächlich auf die Wissenschaft. Da gibt es ja seit Jahren sogar Forschungen dazu und Studiengänge. Also das war mir unbekannt vorher. Wie muss ich mir das denn genau vorstellen? Und wo genau liegt der Unterschied zwischen dem positiven Denken und der positiven Psychologie?

00:02:19
Paul Johannes Baumgartner: Also per se find ich, wie ich glaube alle die zuhören heute positive Gedanken schon für wichtig und auch für richtig. Aber die Bewegung des positiven Denkens halte ich für eher verkehrt. Es gab 2011 eine große Gallup Studie in den USA. Da wurden 80.000 Menschen befragt, wie sie zum Beispiel zu der Aussage stehen Zitat Menschen können sich in allem entwickeln, wenn sie nur wollen. Das wäre so der Ansatz des positiven Denkens. Also ich kann alles erreichen, wenn ich es mir nur vorstellen kann. Das stimmt aber nicht, weil Menschen können sich eben nicht in allem entwickeln, wenn sie sich es nur vorstellen können. Zum Beispiel kann ich mir als 10-jährige noch so vorstellen, dass ich das Zeug zum Weltfußballer habe. Aber wenn ich objektiv betrachtet das Tor nur in zehn Prozent der Fälle treffe, dann wird das nichts aus dieser Karriere. Also vielleicht, wenn ich hart trainiere, komme ich auf 20 % oder 30 % Trefferquote. Aber es reicht halt nicht zum Weltmeister.

00:03:15
Julia Kaffka: Eigentlich.

00:03:17
Paul Johannes Baumgartner: Ja, absolut. Also ich finde das ja auch schön. Also die die Bestellung als Universum und das Ganze dann hoffentlich sehr erfolgreich bis ans Lebensende machen zu können. Aber es gibt limitierende Faktoren. Also Talent zum Beispiel gehört eindeutig zu den limitierenden Faktoren oder auch das Alter. Also ich habe mit 30 keinen Teenies da mehr, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit 40, kein Pilot bei der Lufthansa, mit 50 kein Oberarzt, auch wenn ich es mir noch so vorstellen kann. Und das zu akzeptieren, und da sind wir beim Thema Akzeptanz, das zu akzeptieren, halte ich persönlich für extrem wichtig und auch sehr gesund. Zum Beispiel Alternativen zum positiven Denken gibt also die positive Psychologie, die einen anderen Weg geht. Die sagt also sich nicht so sehr auf das konzentrieren, was man sich vorstellen könnte, was man gerne hätte, sondern sich auf das zu konzentrieren. Und jetzt wird spannend, was bereits da ist, also was man schon richtig gut kann und darauf aufbauen. Also positive Psychologie ist nicht defizit orientiert, sondern ganz klar stärken orientiert.

00:04:15
Julia Kaffka: Okay, das klingt spannend. Wie finde ich aber denn raus, was meine Stärken sind und was sind dann Stärken?

00:04:23
Paul Johannes Baumgartner: Da gibt es eine wunderbare Definition in der positiven Psychologie. Also eine Stärke ist etwas, das aus dir heraus drängt. Etwas, das du ausleben möchtest. Und das ist für mich ein gut nachvollziehbarer Umkehrschluss, was dich Energie kostet, wenn du es zurückhalten musst. Also wenn du Menschen wahnsinnig gerne Entertainer, aber du hast einen Beruf, in dem du nicht Entertainer sein sollst, dann musst du es zurückhalten und das kostet dich Energie, das zurückzuhalten.

00:04:52
Julia Kaffka: Archiv ist sozusagen. Wenn ich jetzt im Archiv arbeiten würde, wäre das quasi konträr zu meinen Stärken im Sinne von, dass ich jetzt gerne spreche zum Beispiel.

00:05:04
Paul Johannes Baumgartner: Absolut. Genau. Also, du würdest leiden. Wahrscheinlich. Du würdest nicht mit großer Freude, nicht motiviert in die Arbeit gehen. Du würdest wahrscheinlich. Wenn du länger dieser Tätigkeit nachgeht, die nicht zu dir passt, würdest du wahrscheinlich krank werden. Und das ist auch interessant, weil natürlich immer wieder die Frage gestellt wird Ja, wie findet man denn seine Stärken heraus? Das hat man ja nicht im Geburtshaus stehen, oder wie findet man die Stärke bei anderen Menschen heraus? Die haben es ja nicht auf die Stirn tätowiert.

00:05:28
Julia Kaffka: Weil ganz oft ist es ja tatsächlich auch so, dass Menschen in Berufen stecken und erzählen einem ganz oft und lange auch ich bin unglücklich, ich weiß nicht, was ich machen soll, aber ich habe keine Ahnung, was meine Stärken sind, was ich sonst noch machen kann. Das ist wahrscheinlich der Ansatz, oder.

00:05:42
Paul Johannes Baumgartner: Das ist der Ansatz. Genau. Und das ist der Ansatz, zum einen bei sich selber in sich selber hineinzuhorchen. Also was ist es denn, was ich ausleben möchte? Was ist es denn, was aus mir heraus drängt? Und was ist es denn, was ich, was mich Energie kostet, wenn ich es zurückhalten muss? Es ist aber auch Liebe Julia, weil du gerade den den Kontext angesprochen hast, ist gesagt im Archiv. Es ist aber auch, und das ist immer wieder ein Appell an die Führungskräfte auch Aufgabe einer Führungskraft, die Stärken der Mitarbeiter herauszufinden und die Mitarbeiter im Unternehmen dort einzusetzen. An dieser Position, wo genau diese Stärken benötigt werden, also durchaus auch die zwei Seiten der Medaille.

00:06:22
Julia Kaffka: Macht es.

00:06:22
Paul Johannes Baumgartner: Sinn. Und was natürlich immer hilft, ist ein stärken Coaching, um gemeinsam herauszufinden Was ist denn die Stärke? Das kann man privat machen, das kann man auch im Berufsleben machen.

00:06:31
Julia Kaffka: Okay, die positive Psychologie ist die Wissenschaft des gelingenden Lebens. Ja, quasi. Das finde ich. Klingt super. Aber du hast es eben schon mal angedeutet Die Psychologie beschäftigt sich auch heute noch mit der Bekämpfung von Krankheiten, Depressionen, Schizophrenie, Phobien. Also da ist das Kind ja quasi schon in Brunnen gefallen, statt sich auf die Potenzial entfaltung der Menschen zu konzentrieren. Da liegt ganz viel ungenutztes Potenzial, oder?

00:07:00
Paul Johannes Baumgartner: Ja. Wobei ich sagen muss, beide Zweige sind wichtig, also beide Zweige haben ihre Berechtigung. Die klinische Psychologie, also die Lehre vom Leiden der Seele, die Lehre von den psychischen Erkrankungen, beschäftigt sich ja mit der Frage. Um es kurz zu formulieren Also wie bringe ich Menschen von -5 auf null? Und die positive Psychologie, also die Richtung, die das Wachstumspotenzial gesunder Menschen betont, die beschäftigt sich mit der Frage Wie bringe ich Menschen von null auf plus fünf jetzt? Wenn ich aber bei mir im Coaching einen Klient habe, der bei -5 ist, es geht ihm wirklich schlecht, dann hilft ihm die positive Psychologie erst mal herzlich wenig. Also im Übrigen genauso wenig wie positives Denken, weil wir es vorher hatten. Erst wenn ich mich stabil fühle, wenn ich gefühlt bei einer Null bin, dann sollte ich mich mit positiver Psychologie näher befassen.

00:07:51
Julia Kaffka: Okay, meine Psyche sollte gesund sein, weitestgehend. Und dann baut man darauf auf, sozusagen.

00:07:58
Paul Johannes Baumgartner: Genau deswegen sind beide Richtungen wichtig, sowohl die klinische, die pathologische Psychologie als auch die positive.

00:08:05
Julia Kaffka: Und in der.

00:08:06
Paul Johannes Baumgartner: Humanistische.

00:08:07
Julia Kaffka: Okay. In der positiven Psychologie, da begegnen einem ja immer wieder spannende Begriffe wie zum Beispiel der Helios tropische Effekt. Ich habe das in der Biologie mal gehört, aber was zum Geier hat das mit positiver Psychologie zu tun? Was hat es denn damit auf sich?

00:08:22
Paul Johannes Baumgartner: Ich liebe diese, diese Metapher des tropischen Effekts. Helios Altgriechisch Die Sonne tropische Wendung. Also du stellst eine Pflanze ins Fenster und nach kurzer Zeit passiert, was sehr sehr spannend ist. Die Pflanze richtet sich Richtung Licht. Also die lechzt nach dem Licht. Jedes Lebewesen, jeder Organismus hat erst die Tendenz hin zum Licht und weg von der Dunkelheit. In der Natur ist die Sonne, die die Quelle der positiven Energie, wenn man so möchte. Sie ist eine lebensspendende Kraft in der Evolution. Alle Spezies werden angezogen von allem, was Leben spendet und vermeiden alles, was Leben tötet oder eben eine Bedrohung ist. Und wenn es jetzt wahr ist, dass jedes Lebewesen, jeder Organismus in der Gegenwart des Positiven aufblüht. Und in der Gegenwart des Negativen verblüht. Dann hat diese Erkenntnis oder sollte diese Erkenntnis natürlich schon Einfluss darauf haben, wie wir unsere Beziehungen gestalten, also wie wir zum Beispiel unsere Kinder unterrichten, wie wir unsere Kinder großziehen, wie wir unsere Kunden behandeln, unsere Kollegen, unsere Freunde oder unsere Mitarbeiter führen. Ich sage immer Die Sonne, das sind sie. Und wenn sie strahlen, dann richten sich die Menschen nach ihnen.

00:09:41
Julia Kaffka: Das ist ein sehr, sehr schönes Bild. Kann man sich gut vorstellen. Meine Pflanzen im Wohnzimmer machen das auch immer. Ja, das ist super und hilft wahrscheinlich sehr, sehr stark, wenn man sich das mal verinnerlicht. Ja, also eigentlich geht es ja immer nur darum, um das Zwischenmenschliche.

00:09:55
Paul Johannes Baumgartner: Absolut.

00:09:56
Julia Kaffka: Dann gibt es da auch noch ein spannendes Modell, das sozusagen der Nährboden dafür ist, wie jeder Einzelne von uns aufblühen kann. Das nennt sich Perma Modell. Wie kann ich das denn im Alltag anwenden, so als Privatperson als auch in der Arbeit? Und was ist das überhaupt? Was? Was ist das Perma Modell?

00:10:15
Paul Johannes Baumgartner: Also die Pflanze braucht nicht nur Licht, sondern die Pflanze braucht auch einen Nährboden, in dem bestimmte Dinge enthalten sein müssen, damit sie sich entwickeln kann. Also Perma ist ein Akronym und die fünf Buchstaben stehen für fünf Aspekte, die dafür sorgen, dass Menschen aufblühen können, sowohl im Privatleben als auch im Berufsleben. Ich fang mal an mit P im Perma. Das steht für positive Emotionen. Also das regelmäßige Erleben positiver Emotionen wie zum Beispiel Dankbarkeit ist wichtig, damit wir aufblühen können. Zuneigung ist wichtig, Genuss auch wichtig. Also Momente des Glücks erleben oder des Glücklichseins. Das gefällt mir noch besser, weil Glück klingt immer so nach Spielcasino. Momente des Glücklichseins erleben und die auch genießen können. Und da gibt es bei ganz, ganz vielen Menschen ein Phänomen zu beobachten. Nämlich Viele Menschen haben zwar diese Momente, aber die viel größere Herausforderung für sie ist die, auch wirklich genießen zu können, also wirklich im Hier und Jetzt zu sein und zum Beispiel in der Kantine zu sagen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Aber danke, lieber Cappuccino, du schmeckst heute hervorragend. Ja, dass man das bewusst wahrnimmt, so kleine Makro Momente oder wenn man im Urlaub ist, mal am Strand sitzt. Also nicht schon Gedanken darüber zu machen, wo der nächste Urlaub hingehen könnte, sondern erst mal diesen Urlaub zu genießen. Das Meer, die Geräusche, die Gerüche, das E für im Perma Modell, das steht für Engagement und da geht es darum, eben die eigenen Stärken zu erkennen und zu nutzen. Also positive Psychologie, ich habe es ja gesagt, ist nicht Defizit orientiert, sondern Stärken orientiert. Also welche Stärken machen mich denn letzten Endes zu dem Menschen, der ich bin? Was kann ich richtig gut? Also habe ich eine Sache, für die ich brenne zum Beispiel. Und durch das Ausleben der Stärke kommt man eben in diesen Flow, also wenn man komplett in der Tätigkeit aufgeht. Das ist ein ganz, ganz wunderbarer Zustand. Das kann im Privaten zum Beispiel sein, dass ich leidenschaftlich gerne fotografiere. Und wenn ich durch den Sucher schaue, das sieht man oftmals bei leidenschaftlichen Fotografen, dann vergessen sie Raum und Zeit. Du sprichst die an, die reagieren überhaupt nicht, weil sie so im Tunnel sind, weil sie so im Flow sind. Gibt es aber auch in der Arbeit. Es gibt Menschen, die lieben Excel Tabellen.

00:12:32
Julia Kaffka: Ich gehöre nicht dazu.

00:12:34
Paul Johannes Baumgartner: Für viele unvorstellbar. Aber es gibt Menschen, die die gehen in ihrer Arbeit mit Excel Tabellen auf die lieben Excel Tabellen. Man möchte ihnen fast schon ein erotisches Verhältnis zu Excel Tabellen nachsagen. Und ich liebe Julia. Ich gehöre im Übrigen auch auch nicht dazu.

00:12:49
Julia Kaffka: Überrascht mich nicht sehr gut.

00:12:54
Paul Johannes Baumgartner: Dass er eben Perle Modell, das steht für relationship. Also das sind positive Beziehungen, die sind für die meisten der Glücksfaktor Nummer eins. Also wir Menschen, wir sind soziale Wesen, wir sind keine Roboter. Wir brauchen diese Nähe, also Teil eines sozialen Umfelds, eines sozialen Netzwerks zu sein, sich auf andere verlassen zu können und auch denen von Nutzen zu sein, also denen zu helfen. Das gibt uns Menschen auch ganz viele. Blühen wir auch auf? Und der amerikanische Organisationspsychologie, der Kim Cameron, hat man die Studie veröffentlicht? Das fand ich total spannend. Ich habe es erst mal nicht geglaubt, habe erst mal nur gegoogelt, weil ich mir gedacht habe, das kann ich so nicht erzählen. Aber die hat die Studie veröffentlicht, nach der bei Menschen, die so gut wie keine oder gar keine oder schlechte soziale Beziehungen haben, die Wahrscheinlichkeit, dass die früher sterben, ist um 70 % erhöht, im Vergleich dazu bei Rauchen um 50 % und bei starken Trinkern um 30 %. Also positive Beziehungen wirken sich also auch stark auf die Gesundheit von uns Menschen aus.

00:13:56
Julia Kaffka: Liegt dein Ernst? 70 %?

00:13:59
Paul Johannes Baumgartner: 70 % erhöht früher zu sterben, wenn Menschen gar keine sozialen Beziehungen haben, schlechte oder so gut wie keine.

00:14:07
Julia Kaffka: Das unterschätzt man total. Das hätte ich nie gedacht.

00:14:10
Paul Johannes Baumgartner: Da Glücklichkeit. Faktor Nummer.

00:14:12
Julia Kaffka: Eins. Okay, also müssen wir alle an unseren Beziehungen arbeiten. Das steht mal fest.

00:14:17
Paul Johannes Baumgartner: Das M. Soll ich weiter machen? Bitte? Das M im Perma Modell steht für Mining. Da geht es um nichts Geringeres als um den Lebenssinn. Also die Antwort auf die Frage Warum, wofür diene ich im Leben? Also was ist mein Platz in der Welt? Was will ich hinterlassen in der Arbeit, weil wir auch darüber gesprochen haben, wäre das der Arbeit Sinn, also den Sinn zu kennen und zu wissen, wofür man im Unternehmen gebraucht wird. Das gibt halt letzten Endes Orientierung und auch Sicherheit. Und da wurden ganz spannende Interviews mit Reinigungskräften zum Beispiel gemacht, also Menschen, die keine wahnsinnig große Lobby haben im deutschsprachigen Raum, die nicht wirklich gut bezahlt werden. Und diese Reinigungskräfte, die wurden gefragt und das Ergebnis war bei diesen Reinigungskräften, bei dieser Umfrage. Also manche mögen ihren Job wirklich nicht, die machen ihn, weil sie eine Familie zu ernähren haben. Die sehen da keinen Sinn drin, aber andere wiederum, und das war auch total spannend zu beobachten, die sehen das ja. Einen Sinn darin, nämlich Ihre Aufgabe sehen Sie als Beitrag zur Patienten Gesundheit an und das darf man natürlich auch nicht ausblenden. Ich habe es vorher auch schon kurz erwähnt, das ist natürlich auch eine Führungsaufgabe. Also was trage ich als Führungskraft dazu bei, dass meine Mitarbeiter den Sinn ihrer Tätigkeit erkennen?

00:15:33
Julia Kaffka: Wichtig Jetzt bin ich aufs AA gespannt.

00:15:36
Paul Johannes Baumgartner: Und zu guter Letzt genau das A. Das steht für Kompliment. Das bedeutet übersetzt Zielerreichung und Erfolgserlebnis. Also wir Menschen brauchen Ziele, damit wir uns entwickeln können. Also eine Frage an unsere Zuhörer könnte heute sein Gibt es Ziele im Leben, die Sie persönlich gerne erreichen möchten? Und so als Tipp auf dem Weg zum großen Ziel Am besten ist es wirklich, Ziele in kleine Ziele Einheiten einzuteilen. Und auch dafür steht das A in Perma. Diese Ziele wirklich bewusst abzuschließen, dass man sagt Ja, ich habe mir dieses Ziel vorgenommen und jetzt, justament heute, habe ich dieses Ziel erreicht. Also nicht gleich fünf Ziele gleichzeitig beginnen, sich vornehmen, sondern wirklich erst mal nur eins. Und wenn man das dann erreicht hat, dann wird die Party gemacht, zweimal tief durchgeatmet und dann kann das nächste Ziel kommen.

00:16:22
Julia Kaffka: Hilft es auch, das aufzuschreiben, also sich das auch wirklich schriftlich irgendwo hinzulegen? Die Ziele, die man sich so macht.

00:16:29
Paul Johannes Baumgartner: Definitiv. Denn eine wichtige Sache ist auch bei bei der positiven Psychologie oder wie wir Menschen aufblühen, dass wir ein Commitment haben, also mit uns selber, dass wir mit uns selber im Reinen sind, dass wir selber wissen, wofür wir stehen, was wir gerne machen, auch was wir können und auch ein Commitment mit unseren Zielen haben. Also gerne notieren zum Beispiel Ich empfehle immer wieder Macht euch einen Ausdruck DIN A4 Blatt. Da steht drauf, was ist die eine Sache. Da schreibst du dann ein Ziel drauf und guckst immer wieder auf den Zettel und legst den Fokus also auf diese eine Sache.

00:17:05
Julia Kaffka: Spannend. Ich werde es mal ausprobieren. Wie wichtig ist denn aus deiner Sicht das richtige Mindset? Man hört das Wort ja immer wieder.

00:17:16
Paul Johannes Baumgartner: Also das Mindset ist schon entscheidend. Ein Mindset ist ja nichts anderes als ein Gedankenmuster, also so wie wir die Welt sehen. Und wenn Menschen so gar nichts Positives sehen können im Leben, dann wird es irgendwann mal zäh. Also wenn du immer nur ein negatives Mindset hast, dann glaube ich, dann musst du auch irgendwann mal und was da ganz gut hilft, das sind eben diese Ziele. Wir haben gerade beim Perma Modell drüber gesprochen. Wir Menschen brauchen Ziele, weil sie uns Orientierung geben. Ziele sind tolle Leitplanken, an denen wir uns entlanghangeln können. Und man beschäftigt sich dann plötzlich, wenn man Ziele hat, nicht mehr so mit dem bedauernswerten Status quo, sondern womöglich mit einer rosigen Zukunft. Und mit jeder Etappe, die wir erreichen. Auf dem Weg zum Ziel fühlen wir uns einfach Selbstwirksamkeit. Und wir fühlen uns bestätigt, dass wir aus eigener Kraft was erreichen können. Und das motiviert ungemein und das kann auch das eine oder andere Mindset in die positive Richtung drehen.

00:18:10
Julia Kaffka: Du hast es vorhin schon mal angesprochen, da klang schon mal durch, dass die Gedanken auch eine Auswirkung haben auf unsere Gesundheit. Wie viel Macht oder Kraft haben denn unsere Gedanken deiner Meinung nach? Auf unser Leben und unsere Gesundheit?

00:18:25
Paul Johannes Baumgartner: Also sie haben schon sehr viel Macht und auch sehr viel Kraft. Unsere Gedanken bestimmen ja unsere Realität und die Realität, die machen wir uns ja letzten Endes selbst. Also es ist jetzt nicht so, dass ein Ding per se böse ist, aber wir messen diesen Dingen durch unsere eigenen Gedanken eben eine Bedeutung bei. So ähnlich wie in der Matrix. Also wir schaffen uns unsere eigene Realität. Und da gibt es ein wunderbares Ritual, das heißt Three Good Things, also drei gute Dinge, und das mache ich selber. Und das hat einen tollen Effekt auf die Kraft und auf die Macht meiner eigenen Gedanken. Also man setzt sich jeden Abend hin und schreibt auf, macht links eine Spalte zum Beispiel drei gute Dinge, also sprich, was sind drei Dinge, die ich heute als schön empfand, für die ich dankbar sein kann? Dann schreibst du dir auf und rechts in die zweite Spalte, daneben schreibst du rein. Und das habe ich dazu beigetragen, dass ich diesen Moment als schön empfinden durfte. Also dass so ein aktiver Partner mit reinkommt, so eine Art Dankbarkeit Tagebuch und das über einen längeren Zeitraum gemacht. Und man wird relativ schnell merken, dass die Gedanken und die Wahrnehmung der Welt sich gravierend verändern. Plötzlich.

00:19:36
Julia Kaffka: Hm.

00:19:36
Julia Kaffka: Man nennt das Journal. Ja, das ist der Überbegriff. Genau. Ja, es gibt da viele Bücher, auch dazu und schöne Sachen, wo man sich das wunderbar aufschreiben kann. Jeden Abend. Das ist ein guter Tipp. Über eine Sache müssen wir unbedingt noch sprechen, und zwar über Begeisterung. Das ist eines deiner großen Themen. Wie kann ich die denn auch mithilfe der positiven Psychologie entwickeln?

00:19:59
Paul Johannes Baumgartner: Ich würde sagen, Begeisterung ist das Ergebnis oder ein Ergebnis von positiver Psychologie. Also die positive Psychologie öffnet einen. Man nimmt das Leben wieder bewusster wahr, man wird mutiger, man traut sich wieder mehr. Eva Reck Das ist eine tolle Psychologin und Buchautorin aus Hamburg. Die hat das mal sehr schön zusammengefasst hier gesagt Wir können nur dann begeistert sein, wenn wir uns trauen und etwas riskieren, wenn wir das Leben wagen, hat sie gesagt. Nur wer etwas wagt, ins Risiko geht, hat gute Chancen, begeistert zu werden.

00:20:39
Julia Kaffka: Darüber schön.

00:20:41
Paul Johannes Baumgartner: Sollten wir nachdenken. Soll ich es noch mal wiederholen?

00:20:44
Julia Kaffka: Bitte wiederhole es noch mal!

00:20:46
Paul Johannes Baumgartner: Weil man muss es wirklich erst verarbeiten. Also, Eva, Erik hat gesagt, wir können nur dann begeistert sein, wenn wir uns trauen und etwas riskieren. Also wenn wir das Leben wagen, sagt sie. Nur wer etwas wagt, ins Risiko geht, also Sachen ausprobiert, aus der eigenen Komfortzone rausgeht, sich öffnet, auch völlig fremden Dingen wie zB der positiven Psychologie, der hat gute Chancen begeistert zu werden.

00:21:15
Julia Kaffka: Unterschreibe ich. Ein starker Satz. Ja, absolut. Ich auch. Wow! Den werde ich mir aufschreiben. Finde ich gut. Und auch von dir gibt es aber ein wunderschönes Zitat. Und zwar Ich finde es großartig. Zwischen Lachen und Weinen liegt nur eins. Der tiefe Ozean der Langeweile. Sensationell. Was meinst du genau damit?

00:21:37
Paul Johannes Baumgartner: Also erst mal muss ich Danke sagen für dieses Zitat an einen Mann namens Andreas M. Reinhard. Der war damalige Redaktionsleiter von Herzblatt vor dieser Show und ich wurde zu den Moderatoren Casting. Lange, lange her, 99 eingeladen. Und er hat zu mir gesagt, Baumgartner werde gleich rausgehst vor die Kameras. Dann denk dran Zwischen Lachen und Weinen liegt nur eines der tiefe Ozean der Langeweile. Was meine ich damit? Es geht ja immer um Beziehungen. Relationship, das r in perma. Also wenn wir bei Menschen nachhaltig im Gedächtnis bleiben möchten, dann haben wir genau zwei Möglichkeiten, um dies zu erlangen, und zwar sie entweder positiv emotional zu berühren, also sie zum Lachen zu bringen, ihnen was Gutes tun, sie zu öffnen. Oder wenn wir nachhaltig im Gedächtnis bleiben wollen, haben wir auch die Möglichkeit, sie negativ zu berühren. Also eine nicht bezahlte Rechnung oder einen Anpfiff ungerechtfertigter. Das hält sehr lange und dazwischen ist der tiefe Ozean der Langeweile. Ich tendiere eindeutig zu positiv, emotional berühren, also zum Lachen zu bringen. Im negativen Bereich bin ich eher selten anzufinden. Zwar auch hin und wieder, aber ganz ehrlich ich tendiere eindeutig zu positiv. Emotional berühren und das Leben ganz ohne positive oder ganz ohne negative Emotionen. Dass das Leben ganz ohne positive Emotionen oder ganz ohne negative Emotionen, das wäre auch ziemlich langweilig. Und der tiefe Ozean der Langeweile? Der ist nicht nur tief, sondern auch sehr, sehr lebendig.

00:23:10
Julia Kaffka: Da will keiner hin.

00:23:12
Paul Johannes Baumgartner: Da will keiner.

00:23:12
Julia Kaffka: Da will keiner.

00:23:13
Paul Johannes Baumgartner: Kein schöner.

00:23:13
Julia Kaffka: Ort. Nein, das lassen wir auch einfach. Da halten wir uns einfach.

00:23:17
Paul Johannes Baumgartner: An alle Menschen.

00:23:17
Julia Kaffka: Julia Ja, ja, ja, das stimmt. Es gibt Menschen, die sind in diesem tiefen Ozean der Langeweile. Aber da müssen sie raus. Vielleicht hilft unser Podcast ja.

00:23:27
Paul Johannes Baumgartner: Wollen wir hoffen. Würde mich.

00:23:29
Julia Kaffka: Sehr freuen. Das wäre auf jeden Fall schön. Was glaubst du denn? Warum fällt es denn vielen Menschen so schwer, dieses große Potenzial der positiven Psychologie einzusetzen? Fehlt den einfach nur der Schlüssel?

00:23:43
Paul Johannes Baumgartner: Ich glaube, der Impuls. Ich glaube, oftmals ist es der Impuls. Und vielleicht, wer weiß, vielleicht ist dieser Podcast ja heute auch ein Türöffner für ganz, ganz viele Menschen, die vorher noch nichts von positiver Psychologie gehört haben. Und vielleicht sagen die jetzt Mensch, das, was die beiden da gesagt haben, das klingt schon logisch. Irgendwie scheint was dran zu sein. Oder ich könnte was für mich rausziehen und beschäftigen sich vielleicht noch mehr mit positiver Psychologie, also sich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen, weil sie natürlich wir alle, wir wollen aufblühen, wir wollen Freude haben im Leben, wir wollen glücklich sein, wir wollen gut funktionierende Beziehungen haben. Und wer weiß, vielleicht ist dieser Podcast heute so ein Türöffner für ein vertieftes Buch dazu. Oder oder ein Seminar oder oder ein Coaching. Es gibt so viel zu entdecken und manchmal braucht es einfach einen Impuls dazu. Wer weiß, vielleicht ist es dieser Podcast. Würde mich. Würde uns.

00:24:35
Julia Kaffka: Freuen. Ja, das wird uns definitiv freuen. Absolut. Denn wir haben das ja jetzt auch ein bisschen anders mal angeschaut. Weg von dieser leicht esoterisch angehauchten Sichtweise des positiven Denkens. Das ist ja was, was vielen dann schwerfällt, die dann sagen Das kann man nicht greifen. Und wissenschaftlich belegt ist das ja alles. Von daher erreichen wir hoffentlich ganz viele Leute damit. Jetzt zum Schluss habe ich noch eine Frage an dich Was sind denn aus deiner Sicht die drei wichtigsten Punkte, auf die es ankommt, die du uns jetzt noch mitgeben kannst, damit wir uns ein gelungenes, glückliches Leben schaffen?

00:25:10
Paul Johannes Baumgartner: Ich würde anfangen mit Erstens Glücklichsein entsteht oft im Stillen. Also ich zB kann wunderbar mit mir selber schweigen und empfinde dabei mitunter große Momente des Glücks und habe auch wirklich gute Ideen. Also eine Idee wäre vielleicht Haltet euch von den Lauten, von den Dröhnenden fern.

00:25:33
Julia Kaffka: Hm.

00:25:33
Paul Johannes Baumgartner: Kann man mal versuchen. Als zweites. Würde ich.

00:25:37
Julia Kaffka: Sagen.

00:25:39
Paul Johannes Baumgartner: Glücklich sein ist ein Kontrast Erlebnis. Glücklich sein ist ein Kontrast. Der Leben ist. Das Erleben von Unglück, so wie wir vorher lachen und weinen. Tiefer Ozean der Langeweile. Das Erleben von Unglück ist ja die Voraussetzung letzten Endes für glücklich sein, für Glücksempfinden. Also das Empfinden von Glück funktioniert ja nur mit Unglück. Wenn wir gesund sind, dann sagen wir nicht Wow, ich bin so glücklich, weil ich gesund bin. Ja, das ist für uns selbstverständlich bedauernswerter Weise. Erst wenn wir krank werden und danach wieder gesund werden, dann empfinden wir es als Glück, dass wir wieder gesund sein dürfen. Also Glücklichsein ist ein Kontrast, der Leben ist. Und drittens, weil ich der festen Überzeugung bin, dass das der glückliche Faktor Nummer eins ist. Lasst uns unsere zwischenmenschlichen Beziehungen pflegen. Ganz bewusst kümmern wir uns um unsere Freunde, Partnerinnen, Partner. Mehret die Freuden eures Partners, Menschen, die einem zuhören und die eine helfende Hand reichen. Es ist wunderbar. Also Menschen, die gemeinsam mit einem in tiefer Verbundenheit durch eine schwierige oder auch durch eine positive Zeit gehen. Die sind unersetzlich.

00:26:41
Julia Kaffka: Sehr schön. Das war ein sehr, sehr schönes Schlusswort. Paul. Ich danke dir, dass du heute mein Gast warst. Du hast mich persönlich auf jeden Fall sehr inspiriert und neue Eindrücke in die positive Psychologie geschaffen. Vielen Dank dafür. Danke dir und ich hoffe, euch da draußen geht es genauso. Wenn ihr noch mehr zum Thema Die Macht des positiven Denkens oder besser die Macht der positiven Psychologie wissen wollt, haben wir nähere Infos in den Shownotes verlinkt. Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal auch wieder mit dabei seid. Da wird es um ein Thema gehen, das wir wirklich alle kennen. Und zwar den Schweinehund und wie wir ihn ein für alle Mal bekämpfen oder ihn vielleicht zu unserem Freund machen. Abonniert unseren Kanal also unbedingt in eurer Podcast App, dann verpasst ihr auch garantiert nichts. Bis dahin bleibt gesund.

Gesund Führen

Wie kann ich meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen heutzutage gesund führen:  Die Arbeitswelt ändert sich ständig und stellt Führungskräfte und Mitarbeiter immer wieder vor neue Herausforderungen. In dieser Folge des BKK ZF & Partner Gesundheits-Podcast sprechen wir mit Robin Heintze (morefire GmbH) darüber, wie er es schafft sein Team gesund zu führen und worauf es dabei wirklich ankommt.

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Transkript

00:00:00
Julia: Ein Hallo auch von mir. Ich bin Julia Kafka und ich führe euch ab sofort einmal im
Monat durch diesen Podcast. Wir picken uns ein Thema rund um die Gesundheit raus und
laden dazu spannende Gäste ein, die uns das Leben mit ihren Tipps und Erfahrungen ein
bisschen leichter, schöner und gesünder machen werden. Unser heutiges Thema ist ein ganz
wichtiges und noch oft unterschätztes Thema und zwar gesund führen. Es geht um
Mitarbeiterführung und dazu begrüße ich heute jemanden, der es sich quasi zur
Lebensaufgabe gemacht hat, seine Mitarbeitenden glücklich und zufrieden zu sehen. Aber
wie kriegt man das hin? Herzlich willkommen, Robin Heinze.

00:00:36
Robin Heintze: Vielen Dank. Ja, spannende Frage.

00:00:39
Julia: Absolut. Erzähl uns doch erst mal ganz kurz. Was machst du und wie bist du überhaupt
dazu gekommen, dich mit dem Thema der gesunden Mitarbeiterführung zu beschäftigen?

00:00:48
Robin Heintze: Ja, Robin Heinze, ich bin einer der Mitgründer und Geschäftsführer von
Morefire. Wir sind eine Online Marketingagentur mit Hauptsitz in Köln sind knapp unter 120
Mitarbeitenden mittlerweile. Viele davon auch die Remote arbeiten inzwischen und machen
im Bereich Onlinemarketing als Agentur alles, was unsere Kunden glücklicher und
erfolgreicher dann eben auch macht.

00:01:14
Julia: sehr schön, sehr gut. In vielen Unternehmen ist ja wirklich das Thema Gesundheit noch
ein absolutes Tabuthema irgendwie. Und dabei ist es eigentlich so wichtig, wie einige ja auch
schon wissen. Warum ist das denn aus deiner Sicht so wichtig, die Mitarbeitenden auch
gesund zu führen?

00:01:30
Robin Heintze: Klingt irgendwie doof, aber die Mitarbeitenden sind unsere wertvollste
Ressource. Wir sind ein Dienstleister. Wir sind davon abhängig, dass unsere Leute einen
super Job machen. Das erst mal Aus betriebswirtschaftlicher Sinn wäre es totaler Wahnsinn,
wenn wir da nicht irgendwie ein Augenmerk drauf haben. Weil wir haben den Anspruch,
dass die Leute sich bei uns wohlfühlen und dass sie vor allem auch lange bei uns bleiben. Das
heißt, wir haben viele Leute im Team, die auch fünf, zehn und auch über zehn Jahre bei uns
sind. In der Agentur Branche eher ungewöhnlich, aber es ist für uns wahnsinnig wertvoll,
weil die Leute extrem viel Erfahrung mitbringen. Die haben die DNA der Firma aufgesaugt
und die sorgen seit vielen, vielen Jahren dafür, dass unsere Kunden happy und erfolgreich
sind. Und wenn wir mit den Leuten vernünftig umgehen und ihnen halt eben Perspektiven
geben, dass sie sich weiterentwickeln können, dass sie eine gute Balance haben zwischen sie
arbeiten. Und sie haben auch einfach mal den Kopf frei und haben Zeit, andere Dinge zu
machen. Dann bleiben sie gerne lange bei uns und wir brauchen uns keine Sorgen um sie
machen. Also dementsprechend ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht alleine schon
unglaublich wichtig, sich darum zu kümmern. Abgesehen davon wir sind ja nicht nur ein
BWLer irgendwie, sondern auch noch Menschen. Und ja, das sind Leute, mit denen ich
tagtäglich zusammenarbeite. Das ist wie wie ich bei meiner Familie, bei meinen Freunden,
bei meinen Bekannten, denen ich auch wünsche, dass es denen gut geht - psychisch und
physisch, ist das bei meinem Team natürlich auch so, ich will einfach den Leuten... ich will
sehen, dass es denen gut geht und dass sie sich wohlfühlen. Und deswegen ist das für uns
ein ganz, ganz wichtiges Thema.

00:03:04
Julia: Das schafft man aber tatsächlich heutzutage, glaube ich, nicht mehr mit dem
obligatorischen Obstkorb, der irgendwo steht, den man aus vielen Agenturen kennt. So
einfach ist es dann nicht, oder?

00:03:15
Robin Heintze: Wir haben auch den Obstkorb, den obligatorischen. Wir haben aber auch eine
eigene Kneipe im Büro. Ich weiß nicht wie gesundheitsfördernd das auf Dauer ist.

00:03:24
Julia: Bestimmt sehr.

00:03:26
Robin Heintze: Ne Kneipe mit einem Bier Kühlschrank, aber da gibt es auch alkoholfreie
Getränke drin. Also insofern, auch da legen wir großen Wert auf die Gesundheit.

00:03:34
Robin Heintze: Ja, ich glaube, das fängt halt auch sehr viel mit Wohlbefinden erst mal an,
dass man sich wohlfühlt bei den Leuten, die sich um einen rum bewegen, also dass man da
auch einfach merkt, wo man ist. Jetzt nicht einfach nur eine Ressource, die irgendwie
Projekte abwickelt, sondern man wird als Mensch da auch gesehen und als Mensch
wahrgenommen und kann so sein, wie man wirklich auch ist und kriegt halt eben diese
Wertschätzung auch von Führungskräften und von den Kolleginnen und Kollegen
drumherum. Und der Obstkorb sorgt für ein bisschen Vitamine. Aber mal ganz im Ernst Also
Vitamine sind glaube ich, nicht das Problem, warum Menschen ungesund werden. Das kann
man, glaube ich, durch einen Gang in den Supermarkt lösen, sondern da spielen ganz andere
Faktoren eine Rolle. Also zum einen dieses Thema, sich wohlfühlen, mit Leuten
zusammenzuarbeiten, die man mag, mit denen man sich gut versteht. Und zum anderen halt
eben auch dann eine Perspektive zu haben, einen Sinn in dem sieht, was man tut. Und auch,
dass man ja auch Zeit hat, die Dinge zu machen und nicht permanent unter Druck steht und
unter Stress steht. Und das sind eine ganze Reihe an Faktoren. Und der Obstkorb ist, glaube
ich, der, der am wenigsten Impact auf das tatsächliche Wohlbefinden oder auf die
Gesundheit hat.

00:04:50
Julia: Ja, da stelle ich mir die Bar auch ehrlich gesagt schon irgendwie wichtiger vor, weil ja,
es ist ja auch wirklich dieses Teambuilding, dieses Bonding, das man hat, wenn man
zusammenkommen nach der Arbeit. Ich meine, jeder kennt das mit Mitarbeiter oder mit
Kollegen. Einfach noch mal irgendwie auf ein Bier gehen. Und wenn man das natürlich in der
Arbeit selbst hat, das ist natürlich mega und der Chef dann auch noch mitkommt und der
auch noch nett ist. Super. Also ich glaube, das hilft schon weiter.

00:05:15
Robin Heintze: Ja, manchmal dürfen wir als Geschäftsführer auch dazu kommen, aber es ist -
ich glaube, sie finden es auch okay, wenn wir manchmal nicht dabei sind.

00:05:23
Julia: Schön, aber wenn es ja auch gut ist, wenn es auch gewünscht ist oder wenn die Leute
sich auch trotzdem wohlfühlen, wenn auch der Chef dabei ist. Das hat ja schon wirklich was.
Ich glaube, da zieht, wie du auch schon gesagt, dass das Unternehmen auch ganz viel. Was
sind denn konkret so die Vorteile für eine Firma, sich zu überlegen okay, jetzt führe ich meine
Mitarbeiter vielleicht mal in einem anderen Stil. Ich gehe mal weg von diesem Ja, ich bin der
Chef, du bist der Angestellte. Hier kommt von oben der Druck und mach mal - was konkret
hat man denn als Firma für Vorteile?

00:05:53
Robin Heintze: Ja, wir drehen einfach mal um und sagen - So was hat es eigentlich für
Nachteile, wenn man es nicht macht? Also man verliert erst mal so gar nichts dadurch. Ich
glaube, der Hauptgrund, warum zum Teil Unternehmen so geführt werden, ist die Angst vor
Autoritätsverlust, wenn man nicht autoritär ist und wenn man halt nicht so dieses von oben
herab macht. Und ich glaube, das kommt sehr stark dann daher, wenn man sich davon mal
frei macht und sagt Was habe ich eigentlich zu verlieren? Da ist nichts - so und
dementsprechend welche Vorteile sind da, wenn du dich mit den Leuten auf Augenhöhe
bewegst, dann bekommst du so viel wertvolles Feedback von den Leuten.

00:06:34
Julia: Das glaube ich.

00:06:35
Robin Heintze: Dass sie sonst, wenn sie Angst vor dir haben, wenn sie ja auch Angst haben,
Fehler zu machen, Angst haben um welche...? So - Darf ich dem das jetzt sagen? Oder was
hat das für eine Konsequenzen, wenn sie merken, das hat keine negativen Konsequenzen,
sondern eher positiv, wenn sie Sachen auch kritisieren? Also wenn du so diese nahbar keit
schaffst, dann bekommst du die Möglichkeit besser zu werden, weil du einfach auch ein
ehrliches Feedback hast. Wenn du Dinge entscheidest oder so kommunizierst, dass die Leute
sagen Was soll das denn jetzt? Und sie dir das mitteilen, dann weißt du, woran du arbeiten
kannst. Und das hilft mir. Das hilft uns als als Geschäftsführung, das hilft uns als gesamte
Führungsmannschaft unglaublich. Es führt natürlich auch dazu, dass ich manchmal mehr
denke, so auf das Feedback hätte ich jetzt aber auch selber drauf verzichten können. So im
ersten Moment, wo ich einfach auch sehr klar, sehr deutlich von Leuten kritisiert werde, wo
ich mir dann auch denke "Dürfen die das überhaupt. Würden die sich das bei anderen
Unternehmen eigentlich auch trauen? Und eigentlich ist die Frage total egal, weil es ist gut,
dass sie es machen, auch wenn es mir in dem ersten Moment irgendwie... Ich hätte es gerne
dann in dem Moment nicht gehört, aber es ist unglaublich wertvoll und diese Kultur hilft uns
permanent auch besser zu werden und auch so zu kommunizieren, dass unsere Leute
verstehen, was wir eigentlich wollen von ihnen. Und ja, das ist eine wertvolle Basis, um
permanent besser zu werden.

00:07:57
Julia: Wie gehst du denn konkret damit um, wenn dir jetzt ein Mitarbeiter so ein Feedback
gibt, das dir jetzt nicht taugt?

00:08:07
Robin Heintze: Also ich glaube, ich kann ganz gut damit umgehen. Das ist natürlich erst mal
meine subjektive Meinung, aber da die Leute das auch in Regelmäßigkeit machen, glaube
ich, dass meine Reaktion darauf auch erst mal insofern positiv ist. So im ersten Moment
ärgere ich mich dann darüber, dass ich Dinge nicht so mache, wie sie vielleicht optimal sind.
Im zweiten Moment versuche ich halt auch einfach dann die passenden Ableitungen daraus
zu treffen. Und ich bedanke mich in erster Linie dann auch immer dafür, weil ich weiß, dass
es für Leute, insbesondere wenn sie neu bei uns sind, nicht einfach ist, so einen Schritt zu
machen. Und jemand, der irgendwie dann den Titel Geschäftsführer hat, das ist eine
Autoritäts Schwelle für die Leute und die sind sie nicht gewohnt zu überschreiten. Musste ich
auch selber erst mal lernen, weil für mich war es total normal, dass Leute zu mir kommen.
Mir immer sagen "Das hast du jetzt doof gemacht." Aber für viele ist das dann doch eine
Hürde. Musste ich lernen. Und das Wichtigste aus meiner Perspektive ist, die Leute darin zu
bestärken, dass das gut war, dass sie das gemacht haben, damit sie auch anderen davon
erzählen, die sich das dann vielleicht nicht trauen und damit sie es auch wieder machen.

00:09:10
Julia: Das ist auch ein gutes Stichwort, eigentlich Motivation. Also ich meine ein Danke, ein
ganz einfaches Danke hat so viel Kraft. Und so viele Menschen, so viele Führungskräfte
wissen das leider scheinbar gar nicht und sparen oft daran. Machst du dir da auch drüber
Gedanken, warum so viele Menschen da eigentlich so wenig von Gebrauch machen? Kannst
du dir das erklären? Weil das gibt es ja ganz, ganz oft, da seid ihr ja eigentlich die Ausnahme,
eher leider noch.

00:09:37
Robin Heintze: Auch wir kriegen zum Teil das Feedback, also wir machen tertialsweise. wir
waren früher quartalsweise, jetzt sind wir auf Tertiär umgestiegen, Mitarbeiter-Umfragen,
wo wir halt eben auch uns Feedback einholen. Und da war eben auch immer so dieses
Thema. Ja, ich hätte gerne mehr Wertschätzung oder mal häufigeres Danke, wäre sehr nett.
Muss ich mich selber auch an die eigene Nase fassen. Das ist nicht alles perfekt, was wir
machen. Ich kann nur vermuten, warum es andere weniger machen. Bzw ich kann die
Situation schildern wo ich merke er hätte es mehr machen können. Oft Affekt, weil viel über
den Tisch läuft und es irgendwie dann untergeht. Das ist glaube ich so einer der der
wichtigsten Gründe. Und weil man es auch selten vorgelebt bekommt von anderen, weil es
eher ungewohnt ist und dementsprechend dann auch gar nicht so ritualisiert ist. Und woran
wir halt eben so immer wieder arbeiten, ist in jeder Situation, wo wir auch das gesamte
Team vor uns haben, in jeder Situation, wo wir die Möglichkeit haben, so Feedback zu geben,
dass wir das dann auch machen. Wir hatten auch zum Teil die Situation, dass wir gesagt
haben Ist jetzt doof, wenn wir eine einzelne Person vor allen anderen loben, weil alle
anderen machen bestimmt auch tolle Sachen jeden Tag und die werden dann nicht gelobt.
Und das kommunizieren wir dann auch halt mit und sagen Ja, jetzt eben war ja mal hier die
eine Person auf dem Podest, weil wir haben da ein Kunden Feedback gekriegt, das war
überragend. Da wollen wir euch alle mal dran teilhaben lassen, wohlwissend, dass viele von
euch genau das gleiche Feedback auch verdient hätten. So um dem ganzen Kontext zugeben
und auch dann keine Angst davor zu haben, dass andere enttäuscht sind. Oder die Person,
die man jetzt auf das Podest gehoben hat, dass die dann total abhebt. Nee, das sind tolle
Menschen, die bei uns arbeiten, da brauche ich keine Sorgen vor haben oder dass die dann
auf einmal sagen Ich will sofort mehr Gehalt haben, weil ich bin jetzt einmal gelobt worden.
Nein, das das findet so nicht statt. Also die Leute sind geerdet und ich glaube, danken ist
etwas, was man einfach für sich selber ritualisieren muss und einfach gucken, dass man es in
jedem Meeting mit drin hat, dass man es in jeder Situation, wo einem etwas positiv auffällt,
dass man auch einfach Danke dafür sagt. Man muss sich dran gewöhnen.

00:11:37
Julia: Ja, das eine ist die Wertschätzung, das andere ist die Motivation. Und das eine hängt ja
mit dem anderen auch irgendwo ein Stückweit zusammen. Wenn ich Danke sage, dann ist
der Mitarbeiter dann auch gleichzeitig wieder motiviert, weil das glaube ich, hat schon große
Auswirkungen auch darauf, wenn man überhaupt kein Danke kriegt, keine Motivation vom
Chef. Was passiert dann am Ende, wenn man auf Dauer permanent unter Druck steht und
ständig Stress von oben kriegt und unter Stress steht? Gibt es da auch noch was Konkretes,
was ihr quasi macht als Führungskräfte, abgesehen vom Feedback?

00:12:09
Robin Heintze: Also wir fragen die Leute auch ganz konkret wie sie auf so einer Motivations
Skala gerade stehen, weil es gibt ganz viele Faktoren, warum jemand gerade nicht so
Leistung abliefert, so glücklich gerade bei uns ist, sich auch so auf die Arbeit stürzt und rein
stürzt, wie wir uns das vielleicht irgendwie auch wünschen würden. Das liegt ja nicht immer
nur an uns, sondern die Menschen haben ja auch noch ein Leben außerhalb von hier. Das ist
auch gut so, das soll auch so bleiben. Aber auch wenn in dem Leben halt irgendwas passiert,
dann macht das natürlich auch was mit ihnen. Und wenn sie einfach sagen Wow, ich arbeite
unglaublich gerne bei Morefire, aber ich habe gerade den anderen Fokus, weil ich habe zu
Hause totalen Trouble oder wir haben gesundheitliche Probleme in der Familie, keine
Ahnung was. Deswegen fragen wir die Leute auch einfach ganz explizit so auf der Skala Wo
siehst du dich denn jetzt, wo stehst du jetzt gerade da? Um es zu verstehen, nicht zu sagen,
wenn dein Motivations Level zu niedrig ist, dann schubsen wir natürlich mehr nein, sondern
so können wir vielleicht Steine aus dem Weg räumen. Bist du vielleicht im falschen
Aufgabenfeld etc.? Also also das ist erstmal zu verstehen. Wo die Leute gerade sind ist super
hilfreich, weil nur dann können wir eben mit ihnen zusammen was daran machen. Weil
Motivation ist ja ein extrem individuelles Thema, so dich Julia motivieren wahrscheinlich
andere Dinge als mich und dementsprechend müssen wir uns da jeden einzelnen Mensch
anschauen. Und natürlich gibt es dann auch gewisse, sage ich mal, Frameworks, gewisse
Raster, die man anwenden kann. Wichtig ist dann eben auch, dass die Leute eine Aufgabe
haben, das auch was, was wir immer gespiegelt kriegen, wo sie merken, dass sie auf den
Gesamterfolg des Unternehmens, an den Gesamt Zielen des Unternehmens teilhaben
können. So, jetzt hatten wir das Gespräch gehabt mit einem Kollegen noch diese Woche, wo
genau das eben der Faktor war. Er wollte genau wissen Wie kann ich dafür sorgen, dass wir
erfolgreicher sind? Ich will nicht nur meinen Job machen, sondern ich will halt auch schon
sehen, dass das irgendwie so ein Impact auf das Ganze hat. Und das ist halt super gutes
Feedback, weil ich ihm dann erklären konnte, warum sein Job genau so wichtig ist und
warum er eigentlich das macht, was er macht. Also welchen Mehrwert haben wir als
Gesamtorganisation davon? Und das einmal für ihn so zu verbildlichen, damit er sich eben
auch dann auf die entscheidenden Punkte fokussieren kann? Also die Leute müssen wissen,
welchen Einfluss oder was das Ergebnis ihrer Arbeit ist. Was dann daraus resultiert, das hilft
total und dann auch, dass sie kontinuierlich gefordert werden. Also das heißt, dass die Latte
auch so ein kleines bisschen höher gesetzt wird, sodass es Themen gibt, an denen sie, wo sie
sich dran reiben können, wo Sie wissen, okay, das ist außerhalb meiner Komfortzone. Also es
ist nicht nur Routine, aber es ist nicht so weit, dass es total erschlagend ist, weil wenn du auf
einmal siehst, okay, wir setzen jetzt Ziele, die völlig absurd weit weg sind, die brutal sind,
dann ist das völlig demotivierend, wenn man weiß Okay, wir gehen Schritt für Schritt weiter,
wir machen so eine iterativen Weiterentwicklung. Und ja, ich muss mich ein bisschen
strecken, aber es ist erreichbar. Das ist motivierend. Wenn du keine Ziele hast, du das total
easy siehst, alles zu erreichen. Dann machst du Dienst nach Vorschrift und kommst nicht
weiter. Und dann wirst du träge. Und das macht keinen Spaß. Das heißt fordern, auch die
Rahmenbedingungen stellen, dass man sich weiterentwickeln kann, dass man die
Unterstützung bekommt, die man benötigt und immer ein kleines bisschen aus der
Komfortzone wieder raus sich selber schubsen muss. Das sind so Maßnahmen, wo wir
merken, dass das die Leute schon extrem motiviert.

00:15:33
Julia: Klingt nach einem guten und gesunden Konzept, muss ich sagen. Legt sich das dann
aber auch schon in Zahlen quasi aus, dass man sagen kann Ganz konkret sehen wir Unsere
Mitarbeiter sind deutlich weniger krank, zum Beispiel, weil glücklicher, gleich auch gesünder
sozusagen.

00:15:50
Robin Heintze: Also die letzten zwei Jahre haben das Bild ein bisschen verändert, die letzten
paar Monate auch, weil wir einfach wie alle anderen auch mit Corona Ausfällen natürlich zu
tun hatten. Dazu hatten wir das Thema auch psychische Belastungen im Rahmen der
diversen Lock Downs, die wir hatten, wo wir einfach gemerkt haben, dass Leute auch dann
aktiv gesagt haben So, ich komme jetzt gerade ans Limit ran, ich würde gerne ein bisschen
runterfahren, einfach weil so dieses, was uns als Unternehmen, als Agentur ausmacht, ist
halt eben auch eine sehr starke Gemeinschaft. Dieses Bier ab vier freitags nachmittags, dann
bei uns in der Büro Theke. Diese ganzen Sachen sind halt weggefallen und das macht was mit
Leuten. Und da haben wir auch gemerkt, dass dann Leute, die dann auch noch Familie
irgendwie zu Hause betreuen, Homeschooling und nebenbei noch arbeiten. Und da sind
Leute an die Grenze gekommen. Das heißt, die letzten zwei Jahre würde ich sagen, ich habe
es nicht komplett im Kopf, aber war der Krankenstand höher als sonst. Also so dieses ich
melde mich mal zwei Tage krank wegen Schnupfen oder so was. Das war bei uns nie groß der
Fall. Also klar, immer Ausfallzeiten wegen größeren Verletzungen oder Krankheiten. Ja, aber
sonst haben wir einen extrem niedrigen Krankenstand und keine extrem niedrige Fluktuation
dafür, dass wir eine Agentur sind. Das heißt, die Leute bleiben.

00:16:59
Julia: Das spricht definitiv für euch. Ja, absolut. Gerade bei den Agenturen.

00:17:04
Robin Heintze: Gut Was natürlich auch dazukommt Wir sind ein relativ junges Team. Das
kann man natürlich, wenn man das dann mit anderen Branchen vergleicht. Wenn der
Altersschnitt bei 40 plus ist, ist das was anderes als wie bei uns. Wenn wir irgendwo bei Ich
kann es gar nicht genau sagen wahrscheinlich um die Ende 20 im Durchschnitt sind, ist das
natürlich was anderes. Aber grundsätzlich längere Ausfallzeiten oder so was ist bei uns eher
Mangelware.

00:17:26
Julia: Okay, Burn out. Und so weiter und so fort. Was ja auch jetzt irgendwie mal öfter ist in
Agenturen, weil der Stress und Druck so hoch ist. Bei euch eher weniger der Fall.

00:17:35
Robin Heintze: Tatsächlich im Rahmen der Lock Downs, dass Leute psychisch einfach gesagt
haben Ich kann mich nicht mehr auf Arbeit konzentrieren. So was kam dann auch vor, war
aber weniger der Arbeitslast geschuldet. Wir haben zwar auch immer wieder Projekt -
Phasen, wo es stressig wird, wo es zur Sache geht, wo auch mal eine Stunde mehr gearbeitet
wird als eigentlich geplant. Klar, auch das gibt es bei uns, das gibt es, glaube ich, in jedem
Unternehmen. Aber es ist nicht Teil des Systems, sondern wir verplanen nur 80 % der zur
Verfügung stehenden Arbeitszeit von den Mitarbeitenden auf Projekte. 20 % sind Puffer,
Puffer für Weiterbildung, Puffer für Da läuft gerade ein Projekt nicht so wie geplant und wir
brauchen mehr Zeit. Puffer für Austausch mit Kollegen, Puffer, um einfach mal auch an
eigenen Projekten weiterzuarbeiten und dadurch diese 80 % erreichen, damit wir profitabel
arbeiten können. Und wir sagen, wir brauchen diese anderen 20 % einfach, dass die Leute
fachlich fit bleiben. Wir sind in einem Umfeld unterwegs, wo die weitere
Entwicklungsgeschwindigkeit so rasend schnell ist, dass die Leute sich weiterentwickeln
müssen, weiterbilden müssen, damit wir gut bleiben. Also das heißt, wir müssen da
permanent quasi rennen, was unseren Wissensstand angeht, um auf der Stelle zu bleiben
alleine. Und ja, deswegen ist so diese, diese Mentalität, wir verplanen nicht die volle Zeit
unserer Leute und quetschen die Lebenszeit, die sie uns zur Verfügung stellen, aus, um
wirklich jeden Cent da rauszuholen. Führt auch dazu, dass wir wenig Überlastungen haben.
Trotzdem gibt es immer wieder Spitzen, wo Leute auch sagen Jetzt bin ich auch erst mal für
diese Woche.

00:19:07
Julia: Okay, drehen wir es mal um und schauen mal auf die Führungskräfte. Wie schwer ist es
denn für Führungskräfte, mit dem ganzen Druck auch umzugehen? Und eigentlich muss die
gesunde Führung ja von ganz, ganz oben kommen, damit es nach unten auch weitergegeben
werden kann. Wie geht man da als Führungskraft mit um?

00:19:25
Robin Heintze: Die meisten unserer Führungskräfte haben sich bei uns entwickelt. Das heißt,
sie sind nicht als Führungskraft gestartet, sondern sie waren erst auf der operativen Ebene,
haben bei uns im Bereich Onlinemarketing Kunden betreut und haben sich dann sukzessive
weiterentwickelt. Und dann haben wir festgestellt okay, sie sind jetzt an einem Punkt, wo wir
sagen, könnte auch eine tolle Führungskraft werden, sodass sie im Prinzip auch beide Seiten
kennen. Dazu haben wir eine sehr gute Basis in der gesamten Führungsmannschaft, also
unsere Führungskräfte. Da sind wir als Geschäftsführer mit drin, aber dann eben auch unsere
fachlichen Leiter. Die Head offs heißen. Die bauen so einen Head of SEO, der sich dann um
diesen Fachbereich bei uns kümmert. Und dann haben wir auch noch Teamleiter, die die
disziplinarische Führung. Ich hasse das Wort, ich habe nur keine bessere Bezeichnung dafür.
Disziplinarische Führung also die sind für die persönliche Weiterentwicklung Ihres Teams
verantwortlich. Und jeder Ansprechpartner oder jeder Mitarbeitende bei uns hat sowohl
eine fachliche als auch eine dieser persönlichen Führungskraft. Und wir verstehen uns in
dieser gesamten Führungs runde auch als Team. Und das heißt, wenn die Führungskräfte zu
viel Druck haben oder merken, das ist uns zu viel, zum Beispiel mein Team ist zu groß
geworden, ich schaffe es nicht mehr, den Leuten gerecht zu werden. Ja, dann schlagen die
bei uns als Geschäftsführung auf und sagen So, wir müssen da was dran ändern. Auch da
wieder die Augenhöhe. Da kommt dann halt auch mal Feedback, was wir ungern hören, aber
was unglaublich wertvoll ist in dem Moment und wo wir dann reagieren müssen. Das heißt,
die Führungskräfte fordern uns als Geschäftsführung dann natürlich auch, damit wir für sie
die besten Rahmenbedingungen stellen können, damit sie ihre Leute optimal führen können.
Und das geht ja in jede Richtung so, also das heißt, wenn unsere Führungskräfte ausbrennen
würden, wenn wir die überfordern würden, dann würden wir eine, eine ganz, ganz wichtige
Säule, auf der unser Unternehmen steht, irgendwie absägen. Wäre jetzt nicht so super
clever, aber.

00:21:19
Julia: Ja nicht wirklich, nein. Das heißt, die Führungskräfte gehen dann auch mit einem
positiven Beispiel voran? Es gibts ja ganz oft Der Chef arbeitet rund um die uhr, macht keinen
Urlaub, raucht im Zweifel wie ein Schlot, macht keinen Sport und ernährt sich ungesund. So
ungefähr. Und da beißt sich wahrscheinlich die Katze in den Schwanz. Ihr lebt das schon auch
von oben vor?

00:21:40
Robin Heintze: Ja, also in meinem Kalender kann jeder sehen, was ich mache. Und da steht
halt mittwochs ab 12:30 steht Kinder im Kalender bis 16:00. So, und dann weiß jeder okay,
der, der Robin hat auch ein Leben außerhalb von hier - ganz offensichtlich. Und es weiß jeder.
Wir haben einmal im Monat Freitags Meeting virtuell, das ist um 16:00 und ich muss mich
um 16 45 spätestens ausklinken, weil ich um 17:00 zum Fußball muss, weil ich halt auch
Fußballtrainer bin, von der Mannschaft, von meinem Sohn, und das kriegen die Leute halt
auch live mit und das wird vorgelebt und Führungskräfte haben auch Urlaub und ich bin da
zum Beispiel von einer Teamleiterin mal darauf hingewiesen worden. Robin Ich weiß, du
arbeitest am Wochenende, aber kannst du vielleicht die Emails, die du schickst, am
Wochenende einfach auf den Montag timen, dass die nicht am Sonntag bei den Leuten
ankommen, damit sie nicht darauf antworten? Ja klar. Ne, macht total Sinn. Ich teile mir
meine Zeit halt so frei ein und muss dann mit den Leuten schimpfen, dass die aufhören, auf
meine Emails am Wochenende zu antworten. Das ist ganz klares Vorleben und das macht
jeder bei uns so in der Führungsmannschaft.

00:22:44
Julia: Gibt es denn da auch Tipps zum Thema Weiterbildung? Also fordert ihr das auch? Bzw
fördert ihr das also bei den Führungskräften, dass ihr sagt okay, Weiterbildung auch zu dem
Thema Wie führe ich Mitarbeiter, wie mache ich das?

00:22:55
Robin Heintze: Ja, definitiv. Also die haben Coaching Angebote, die kümmern sich da auch
selber drum und sagen was sie gerne hätten. Wir haben keine festen Weiterbildungs
budgets, aber wenn die Führungskräfte sagen ich würde ja gerne einen Workshop dazu
buchen oder wir würden gerne mal jemanden einladen für einen Workshop zu Themen,
dann machen die das auch einfach ohne das, dass wir da irgendwie groß drüber diskutieren.
Wir haben auch noch eine externe Coachin, eine super Dame, die uns da als
Führungsmannschaft auch an die Hand nimmt und auch so ein bisschen Sparringspartner
dann auch ist, uns hinterfragt und so ein bisschen Challenge uns als Team fordert und wo
auch dann in unterschiedlichen Gruppen dann auch an Themen gearbeitet wird. Und das
funktioniert extrem gut. Plus Was wir eben auch machen ist, dass wir den Leuten viel Zeit
einräumen, dass zum Beispiel die Teamleader untereinander sich viel austauschen können,
weil das so ein bisschen auch Richtung Selbsthilfegruppe geht. Die haben alle
unterschiedliche Backgrounds, die kommen aus verschiedensten Bereichen und bringen
dadurch unterschiedliche Erfahrungen mit und können sich dadurch gegenseitig auch
wahnsinnig gut coachen und auch einfach die Zeit dafür einräumen. Ist super wertvoll und
wir merken das daraus aus diesen Runden dann auch wieder hilfreiches Feedback in andere
Richtungen kommt, in Richtung der fachlichen Leiter, in Richtung der Geschäftsführung.

00:24:12
Julia: Für wie wichtig hältst du denn solche Weiterbildung, solche Coachings? Weil es gibt ja
Branchen, zum Beispiel die Pflegebranche. Da werden Mitarbeiter plötzlich Führungskräfte
haben keine Anleitung jemals bekommen und stehen plötzlich da und sagen Oh mein Gott,
was soll ich tun? Glaubst du, dass es ganz wichtig ist, solche Dinge zu machen? Was wäre
dein Tipp, dass man da gut durchkommt?

00:24:32
Robin Heintze: Ja, haben wir früher auch schon mal so gemacht. Einfach die fachlich fittesten
Leute, die sind dann zur Führungskraft geworden und hatten dann auf einmal Aufgaben, auf
die sie nicht vorbereitet waren. So, das waren tolle Leute, die haben sich da auch entwickelt,
die sind da dran gewachsen. Jetzt haben wir inzwischen auch gemerkt, das können wir
deutlich besser machen und bereiten die Leute darauf vor. Wir haben mal in der
Vergangenheit auch zum Beispiel, wo es darum ging, Leute, die überlegen, ob sie demnächst
Führungskraft werden wollen, weil ist ja auch nicht für jeden was. haben wir ein Bootcamp
gemacht und haben halt eben denen mal Trainings an die Hand gegeben, haben gesagt So,
das erwartet dich dann so, das wäre dann deine Aufgabe als Team oder als Head of, also als
fachlicher Leiter. Das Spannende war, die haben dann gesagt Nee, will ich doch nicht, ich will
eigentlich nur noch fachlich arbeiten, ich will keine Leute führen. Was bedeutet es eigentlich,
Führungskraft zu sein? Es muss nicht der logische nächste Karriereschritt sein. Wenn du
fachlich top bist, muss nicht der logische nächste Karriereschritt sein, dass du Führungskraft
wirst. Und diese Denkprozesse mussten wir auch erst mal unterbrechen. Und jetzt machen
wir es dann halt so, dass wenn Leute diesen Schritt gehen, wie sie darauf vorbereiten, sie
kriegen Sparringspartner an die Hand. Das ist dann zum Beispiel bei den fachlichen Leitern
bin ich das dann für einen Teil der Leute so, dass sie immer jemanden haben, den sie fragen
können. Wir haben ganz, ganz viele Prozesse, ganz viele Systematiken aufgebaut, an denen,
die sich festhalten können, dann auch, um ihnen einfach auch Strukturen und Sicherheit an
die Hand zu geben und dann sie langsam in dieses Thema reinfühlen und nicht sagen
Herzlichen Wunsch, hier ist dein Team. 20 Leute die warten auf dich und ich melde mich in
zwei Monaten wieder und guck mal, ob du noch lebst. Nee, das funktioniert nicht, sondern
wir sorgen schon dafür, dass sie auch an die Hand genommen werden und sehr strukturiert
da rein geführt werden.

00:26:16
Julia: Viele haben, glaube ich auch ein bisschen Angst, dass es gleich super viel Arbeit oder
super viel mehr Arbeit ist, jetzt eine gesunde Mitarbeiterführung zu haben, weil sie sich
mehr kümmern müssen. Glaubst du wirklich, das ist so? Ist es so viel aufwändiger? Oder
sagst du, wenn man das einmal irgendwie verinnerlicht hat, dann ist das ganz normal und ist
nicht mehr Arbeit als ohne.

00:26:36
Robin Heintze: Da wir jetzt noch keine total ungesunde Mitarbeiterführung praktiziert haben,
kann ich jetzt nicht den den AB Vergleich machen und sagen das war so! Ich wage aber mal
die These und ich glaube, da lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, dass ich sage,
eine ungesunde Mitarbeiterführung macht unterm Strich ein Vielfaches an Arbeit, an an so
vielen Stellen. Du hast viel mehr Ausfälle. Weil die Leute einfach überlastet sind. Du hast eine
höhere Fluktuation, das heißt, du musst mehr Energie in Recruiting stecken. Ich betrachte
jetzt nicht nur die einzelne Führungskraft, sondern wirklich die Gesamtorganisation, die ja
davon profitieren sollte. Das heißt, im Bereich HR fällt wahrscheinlich deutlich mehr Arbeit
an, weil Stellen nachbesetzt werden müssen, Krankheitsfälle oder eben auch weniger
Motivation bei den Leuten. Das heißt, um den gleichen Output zu erreichen, musst du mehr
Input geben oder mehr zeitliche Ressourcen reinstecken. Du hast mehr Konflikt Gespräche,
du hast mehr Stress. Also das Wohlbefinden der Mitarbeiter in den Fokus zu stellen, sollte zu
weniger Arbeit führen. Ganz wichtig noch Es geht nicht darum, dass man die Leute glücklich
macht. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Leute glücklich zu machen. Können wir gar nicht.
Sondern wir stellen Rahmenbedingungen, dass sie sich toll entwickeln können, dass sie sich
wohlfühlen und einen guten Job machen. Weil deswegen sind sie da. Es ist nicht unsere
Aufgabe, den Leuten nur alles schön machen, sondern sie sollen einen guten Job bei uns
machen können. Und Voraussetzung dafür ist, dass sie sich wohlfühlen. Also so herum muss
man das betrachten. Wir machen kein Feel Good Management aus Prinzip, weil wir
irgendwie da einen altruistischen Antrieb drin hätten, sondern das ist tatsächlich auch
betriebswirtschaftlich sinnvoll für uns.

00:28:11
Julia: Sehr, sehr spannend. Abschließend die Frage Wenn du drei Punkte nennen müsstest
für eine gesunde Mitarbeiterführung, was wären das für drei Punkte? Was ist besonders
wichtig?

00:28:24
Robin Heintze: Individueller Fokus auf jede einzelne Person. Das heißt, ich muss die Person
kennen, sonst kann ich sie nicht gut führen. Das ist die Voraussetzung, weil ich mich dann
nur individuell auf diese Person einstellen kann. Zweiter Punkt ist Wertschätzung, also diese
Wertschätzung in den Fokus zu stellen. Das ist ein Mensch, mit dem ich es zu tun habe, der
das Wertvollste, was er hat, nämlich seine Lebenszeit, dem Unternehmen zur Verfügung
stellt. Und meine Aufgabe als Unternehmer, als Führungskraft ist es, mit dieser Ressource so
gut wie möglich umzugehen. Das Wertvollste, was der Mensch hat, gibt er dir. Den meisten
ist es gar nicht bewusst, dass es wirklich so ist. Aber mach das Beste daraus und geh
entsprechend achtsam und wertschätzend mit dieser Person um. Weil dann kannst du auch
den größtmöglichen Outcome aus unternehmerischer Sicht rausholen. Und beides in
Kombination sorgt dafür, dass Unternehmen gut geht. Und der dritte Punkt ist. Das Thema ja
auch wirklich Druck reduzieren, sich auf den Outcome konzentrieren und nicht immer mit
mehr Druck versuchen und noch das mehr auszupressen. Oder anders gesagt Gras wächst
nicht schneller, wenn man dran zieht. Also da einfach dem ganzen Zeit geben und den Leuten
halt eben auch die Möglichkeit geben sich zu entwickeln, damit sie aufs nächste Level
kommen. Und halt eben auch, was ich vorhin erzählt hatte, dieses Motivations Thema, dass
man sie reizt, dass man sie am Gesamterfolg teilhaben lässt und ihnen anspruchsvolle
Aufgaben gibt, an denen sie nicht kaputt gehen und auch die Zeit geben, sich eben darum zu
kümmern und nicht die Leute einfach nur die ganze Zeit vor sich her jagt. Das war jetzt ein
bisschen ein konkreter Punkt. Ich hoffe, er hilft trotzdem.

00:30:14
Julia: Ich glaube schon. Definitiv. Robin. Vielen, vielen Dank, dass du heute unser Gast warst.
Es hat Spaß gemacht. Es war sehr spannend. Wir nehmen die ganzen Eindrücke und Infos
jetzt mal mit und hoffen, dass ihr da draußen auch vieles aus diesem Podcast für euch ziehen
könnt, wenn ihr noch mehr zum Thema gesund führen wissen wollt, ob als Führungskraft
oder als Mitarbeiter. Wir haben alle näheren Infos in den Shownotes verlinkt. Wir freuen
uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder mit dabei seid. Und da haben wir auch wieder ein
ganz spannendes Thema für euch. Kleiner Teaser schon mal vorab Es wird sich alles um die
Kraft des positiven Denkens drehen. Abonniert einfach unseren Kanal unbedingt bei eurer
Podcast App und dann verpasst ihr auch nichts. Bis dahin bleibt gesund.

00:30:55
Robin Heintze: Tschüss.

00:30:56
Julia: Auf Wiedersehen.

Im Gespräch mit unserem Vorstand Ralf Hirmke

Er ist das neue Gesicht an der Spitze der BKK ZF & Partner. In seinem Beruf hat er seine absolute Berufung gefunden, er lässt sich nicht so schnell auf die Palme bringen und trinkt seinen Kaffee am liebsten schwarz. Wir haben mit unserem neuen Vorstand Ralf Hirmke über seine Person, seine Ziele und Visionen gesprochen. 

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Transkript

00:00:01
Julia Kaffka: Schön, dass ihr wieder dabei seid. Ich bin Julia Kaffka und ich bin eure Gastgeberin in eurem Gesundheits-Podcast. Hier geht es jeden Monat um ein spannendes Thema rund um die Gesundheit. Heute beschäftigen wir uns aber mal mit einem ganz anderen Thema. Er ist das neue Gesicht an der Spitze der BKK ZF & Partner. In seinem Beruf hat er seine absolute Berufung gefunden, er lässt sich nicht so schnell auf die Palme bringen und trinkt seinen Kaffee am liebsten schwarz. Ein herzliches Willkommen an unseren neuen Vorstand Ralf Hirmke. Ralf, schön, dass du dir heute die Zeit nimmst, dich unseren Hörern vorzustellen.

00:00:37
Ralf Hirmke:  Hallo Julia, ich freu mich heute hier zu sein!

00:00:39
Julia Kaffka: Hallo Ralf, ich kann mir vorstellen die ersten Wochen bei der BKK ZF & Partner waren schon turbulent. Viele neue Gesichter, Namen, ein neues Umfeld - das ist sicherlich alles sehr aufregend. Aber alle Mitarbeiter hast du sicher noch nicht persönlich treffen können - so ist das hier ja wirklich eine tolle Möglichkeit hier mal ein bisschen zu zeigen, wer du eigentlich bist. Erzähl uns doch mal ein bisschen etwas über deinen Werdegang und bisherigen Weg bis hier zur BKK.

00:00:49
Ralf Hirmke: Das mache ich sehr gern. Ich bin gelernter Sozialversicherungsfachangestellter. Nach meiner Ausbildung war ich im Leistungsbereich tätig und habe ein Studium der Gesundheitsökonomie mit Schwerpunkt Krankenhaus angeschlossen. Als Diplom Betriebswirt war ich nach dem Studium im Betrieblichen Gesundheitsmanagement der Wieland-Werke AG in Ulm tätig. Ab 2012 wechselte ich dann als stellvertretender Vorstand zur BKK MTU in Friedrichshafen. Verantwortlich war ich dort für die Bereiche, Finanzen, Haushaltsplanung, Versicherung und Beiträge, strategische Weiterentwicklung und das große Thema, welches uns alle stärker denn je umtreibt – die Digitalisierung.

00:01:19
Julia Kaffka: Das klingt nach vielen spannenden Stationen. Und jetzt bist du neu bei der BKK ZF & Partner. Wie sind deine ersten Eindrücke und welche Ziele möchtest du als Vorstand hier künftig verfolgen?

00:01:28
Ralf Hirmke: Zunächst einmal möchte ich die Arbeit meines Vorgängers der letzten Jahrzehnte fortführen. Ganz besonders wichtig ist mir auch, die Nähe zu unseren Trägerunternehmen zu stärken und zu intensivieren. Außerdem möchte ich die BKK als regionalen Versicherungsdienstleister mit hoher Qualität am Markt der gesetzlichen Krankenkassen weiterhin platzieren und positionieren.

00:01:56
Julia Kaffka: Und welche Themen willst du als erstes in deiner Position als Vorstandsfunktion angehen? Was brennt dir besonders auf der Seele?

00:02:19
Ralf Hirmke: Da gibt es sicherlich einige Dinge, die ich angehen möchte. Besonders am Herzen liegen mir die Verschlankung von Prozessen und die Digitalisierung.  Es ist mir wichtig, die Prozesse nicht nur nach außen, also im Umgang mit unseren Versicherten zu vereinfachen, sondern auch hier hausintern in der Verwaltung selbst.

00:03:15
Julia Kaffka: Spannend. Und welche Prozesse gibt es intern bei einer Krankenkasse, die aus deiner Sicht effizienter gestaltet werden könnten?

00:03:17
Ralf Hirmke: Dazu zählen zum Beispiel digitale Unterschriften, die digitale Personalakte oder auch eine bessere interne digitale Kommunikation unter den Kollegen und Kolleginnen. 

00:04:15
Julia Kaffka: Okay, das klingt nach digitaler Vernetzung. Jetzt haben wir schon einiges über deine Visionen, Themen und Ziele gehört, die du anstrebst. Bei einem Führungswechsel gibt es aber natürlich auch intern immer ein bisschen Unruhe und das Thema an der Kaffeemaschine ist ganz sicher auch, was sich durch den neuen Chef verändern wird. ;) Erzähl uns doch mal, was du dir für die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Kolleginnen in der BKK ZF & Partner wünscht.

00:04:23
Ralf Hirmke: Da hast du Recht Julia. Zunächst einmal freue ich mich in der nächsten Zeit die Kollegen und Kolleginnen vor Ort kennenzulernen (– gerne auch auf einen Espresso bei der Kaffeemaschine). Durch unsere dezentrale Aufstellung werde ich in den nächsten Monaten auch unsere Kollegen in den Geschäftsstellen besuchen - quasi eine kleine Deutschland-Reise. Ansonsten wünsche ich mir einen offenen und ehrlichen Austausch untereinander und auf allen Ebenen. Eine funktionierende Feedback-Kultur ist mir sehr wichtig, auch in Bezug auf meine Person. Feedback ist mir generell sehr wichtig und wesentlicher Bestandteil von meinem Verständnis von guter und gesunder Führung.

00:04:52
Julia Kaffka: Du sprichst das Thema Führung schon direkt an. Wie wichtig ist aus deiner Sicht dann auch eine starke Arbeitgebermarke um die qualifizierten Fachkräfte von Morgen für die BKK ZF & Partner zu gewinnen?

00:05:04
Ralf Hirmke: Das ist aus meiner Sicht extrem wichtig! Bereits heute beobachten wir, dass wir nicht mehr für jede Stelle einen passenden Bewerber oder eine passende Bewerberin finden. Dies wird auch zentraler Bestandteil meiner Aufgabe sein.

00:05:28
Julia Kaffka: Und an welche Maßnahmen denkst du, wenn ich dich jetzt frage wie du die BKK künftig als attraktiven Arbeitgeber in der Kassenlandschaft positionieren möchtest?

00:05:42
Ralf Hirmke: Liebe Julia, dabei ist es mir besonders wichtig zu betonen, dass die BKK ZF & Partner bereits heute ein attraktiver Arbeitgeber ist. Ich denke wir stehen hier vielmehr vor der Herausforderung, wie viele andere Unternehmen aus allen Branchen auch, Personal zu finden. Der Fachkräfte-Mangel betrifft auch uns im Gesundheitswesen und wir müssen alles daransetzen, um in Zukunft genügend Personal zu haben. Ich denke es sind nicht einzelne Maßnahmen, die uns als Arbeitgeber attraktiv machen – vielmehr muss das Gesamtpaket stimmen. Mir ist auch noch wichtig zu sagen, dass es nicht nur um das Recruiting von neuem Personal geht, sondern es auch wichtig ist die Fluktuation bei unseren bestehenden Mitarbeitern so gering wie möglich zu halten. Hier hab ich schon einige Ideen - Lasst Euch einfach überraschen.

00:06:22
Julia Kaffka: Man sagt ja auch „was von innen strahlt, strahlt auch nach außen“ - das passt da ja ganz gut. Welchen Zusammenhang siehst du für euch als Krankenkasse zwischen Mitarbeitermotivation und Kundenzufriedenheit?

00:06:22
Ralf Hirmke: Für mich steht beides in unmittelbarem Verhältnis. Nur wenn ich mich als Mitarbeiter wohlfühle, mich mit meiner BKK als Arbeitgeber identifiziere, kann ich dieses Gefühl auch an unsere Kunden weitervermitteln. Das ist gerade in schwierigen Gesprächen besonders wichtig um die täglichen Situationen im Umgang mit unseren Kunden zu meistern.

00:06:31
Julia Kaffka: Ich sehe schon, du hast einiges vor - aber jetzt hab ich auch noch was mit dir vor! Lass uns eine kurze Runde „10 Fragen 10 Antworten“ spielen, damit dich unsere Hörerinnen und Hörer auch mal von einer anderen Seite kennenlernen.

00:07:00
Ralf Hirmke:  Na dann los geht´s! Ich bin gespannt.

00:07:51
Julia Kaffka: Bist du lieber dafür oder dagegen?

00:07:58
Ralf Hirmke: Dafür.

00:08:05
Julia Kaffka: Hältst du dich für einen guten Freund?

00:08:06
Ralf Hirmke: Das musst du meine Freunde fragen, aber ich würde sagen – definitiv!

00:08:07
Julia Kaffka: Was ist für dich das größte Unglück?

00:08:22
Ralf Hirmke: Auf mich bezogen sind das Krankheiten in der Familie. Und wenn ich das auf unsere Gesellschaft beziehe, dann auf jeden Fall der Umgang mit unserer Umwelt!

00:09:41
Julia Kaffka: Wofür bist du dankbar?

00:09:55
Ralf Hirmke: Ich glaube, dass ich nicht nur einen „Job“ ausüben darf, sondern dass ich in meiner Arbeit wirklich meine Berufung gefunden haben!

00:09:56

Julia Kaffka: Der wichtigste Tag im Leben?

00:12:34
Ralf Hirmke: Die Geburt der eigenen Kinder miterleben zu dürfen

00:12:49
Julia Kaffka: Das schönste Reiseland?

00:12:54
Ralf Hirmke: Ich bin ein absoluter Griechenland-Fan.

00:13:56
Julia Kaffka: Kaffee – Schwarz oder mit Milch?

00:13:59
Ralf Hirmke: Schwarz

00:14:07
Julia Kaffka: Fahrrad oder Auto?

00:14:10
Ralf Hirmke: Beides!

00:15:33
Julia Kaffka: Berge oder Meer?

00:15:36
Ralf Hirmke: Im Winter die Berge, im Sommer das Meer!

00:17:05
Julia Kaffka: Vielen Dank Ralf!  Ich möchte jetzt zu einem Thema übergehen, dass bestimmt auch ganz viele unserer Zuhörer beschäftigt - unsere Gesundheitspolitik in Deutschland. Mich würde interessieren, was du in Angriff nehmen würdest, wenn du Morgen die Chance hättest und Gesundheitsminister zu werden?

00:17:16
Ralf Hirmke:  Oh welch interessante Vorstellung! Das ist tatsächlich eine schwierige Frage.  Sicherlich ist das eine Frage, die sich nicht in ein paar Sätzen beantworten lässt. Sonst hätten Herr Spahn und Herr Lauterbach das wohl schon längst getan. ich bin der Meinung, dass es schnellstmöglich gelingen muss, Ineffizienzen in allen Bereichen des Gesundheitswesens zu reduzieren, mehrfache Leistungsabrechnungen zu minimieren und damit das vorhandene Budget von fast 300 Milliarden Euro jährlich besser zu nutzen. Hierzu brauchen wir dringend mehr Datentransparenz, eine funktionierende Telematik und aufgeklärte Bundesbürger!

00:18:10
Julia Kaffka: Du hast ihn schon angesprochen, Karl Lauterbach, unseren derzeitigen Gesundheitsminister. Ich möchte ihn gern zitieren. Denn erst vor kurzen sagte er: „Wer gesetzlich krankenversichert ist, muss ab nächstem Jahr höhere Beiträge zahlen.“ Zur Begründung verwies er auf das Rekorddefizit der Krankenversicherung von 17 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag soll dabei um 0,3 Prozentpunkte steigen und dies bringe dann bis zu 5 Milliarden Euro ein. Was sagst du dazu?

00:18:25
Ralf Hirmke:  Aktuell sind die bekannten Punkte noch in einem Stadium, dass es selbst Experten schwierig macht, abzuschätzen ob diese so dann auch durch das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren laufen werden. Allerdings ist jetzt schon festzustellen, dass dieser Entwurf weder nachhaltig noch ausgewogen ist.

00:19:36
Julia Kaffka: Hm. Ich es bleibt also abzuwarten, welche Entscheidungen in Berlin in den nächsten Monaten getroffen werden. Ein anderes brisantes Thema im Moment sind die Folgen des Ukraine-Konflikts. Nicht nur in Deutschland - weltweit spüren wir die Auswirkungen. Wie bewertest du diese momentane Situation und welche Folgen könnten für gesetzliche Krankenkasse entstehen?

Ralf Hirmke: Der Krieg mitten in Europa ist eine Katastrophe – und wir sollten alles unternehmen, diesen so schnell wie möglich zu beenden. Leider sieht es danach aktuell nicht aus. Kurz- und mittelfristig sind die Folgen für die gesetzlichen Krankenkassen vergleichbar mit denen, die alle anderen Unternehmen und privaten Haushalte zu tragen haben: Gestiegene Kosten bei maximal gleichbleibenden Einnahmen. Wenn wir das allerdings längerfristig betrachten, dann könnten sich deutlich gravierendere Folgen einstellen. Wenn nämlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu deutlich weniger Beschäftigung führen, würde dies auf lange Sicht auch erhebliche Mindereinnahmen für unseren Gesundheitsfond bedeuten. Wir hätten dann nämlich weniger Beitragszahler die in den Fond einbezahlen. Das wiederum könnte die angespannte Finanzsituation, die ich dir vorhin erklärt hab, nochmals zusätzlich schwer belasten.

Julia Kaffka: Da bleibt uns nur zu hoffen, dass der Krieg bald ein Ende hat - auch wenn es aktuell nicht danach aussieht… Aber lass uns nochmal zu schöneren Themen kommen -  wir möchten den Podcast ja nutzen, um dich kennenzulernen. Also lass uns doch noch ein bisschen persönlicher werden. Dazu hat man im Arbeitsalltag ja kaum Gelegenheiten. :) Verrate uns - Welche Eigenschaften zeichnen dich aus?

00:19:36
Ralf Hirmke: Das möchte ich mit drei Eigenschaften beantworten: Verlässlich, Anspruchsvoll und Zielstrebig.

00:19:59
Julia Kaffka: Und was bringt dich auf die Palme?

00:20:39
Ralf Hirmke: Wir haben ihn vorhin schon angesprochen. Ganz klar unser Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. ☺ Ich muss aber schon sagen, generell braucht es relativ viel bis man mich auf die Palme bringt. Grundsätzlich versuche ich erstmal aus jeder Situation das Beste zu machen, was mir oftmals auch gelingt. Handeln ist mir lieber als zu lamentieren!

00:20:41
Julia Kaffka: Verrätst du unseren Hörern noch ein paar persönliche Dinge über dich?

00:20:44
Ralf Hirmke: Na klar! Ich bin 43 Jahre, Schwabe und glücklich verheiratet. Ich Papa von zwei Kindern in einem spannenden Alter, wobei das bei Kindern ja eigentlich immer spannend ist. Meine große Tochter ist 10 und mein Junior 6 Jahre alt. Wir wohnen in Blitzreute nähe Ravensburg.

00:20:46
Julia Kaffka:  Da ist zu Hause bestimmt einiges los. Wie verbringst du am liebsten deine Freizeit? 

00:21:15
Ralf Hirmke: Ich kümmere mich gern um unseren Garten. Seit einigen Jahren gehe ich so oft wie möglich zum Laufen. Mittlerweile bin ich da richtig ambitioniert, besser zu werden! Mein Mountainbike, das ich nicht nur durch Muskelkraft betreibe, freut sich auch auf den ein oder anderen Berg. Und generell bin ich ein absoluter Genussmensch. Ich koche und grille sehr gern und backe meine eigene Pizza. Ich treffe mich gern mit unseren Freunden und lass es mir gut gehen. Und wer mehr erfahren möchte, denn lade ich gern auf einen Espresso in mein Büro ein! Es gibt fast gar keine Frage die ich nicht beantworte.

00:21:37
Julia Kaffka:  Oh das klingt gut! Ich glaub da schau ich auch mal bei dir vorbei, falls ich mal am schönen Bodensee zu Besuch bin.

00:23:10
Julia Kaffka: Ralf zum Schluss habe ich noch eine abschließende Frage an dich: bestimmt kennst du diese Art Frage noch aus der Zeit, in der du auf dem Bewerberstuhl gesessen bist -  Wo siehst du die BKK ZF & Partner in 5 Jahren.

00:23:12
Ralf Hirmke: Ich möchte mit der BKK ZF & Partner auch in 5 Jahren eigenständig, hochwertige Versicherungsdienstleistungen anbieten können. Wichtig ist mir hierbei der starke regionale Bezug an den jeweiligen Standorten. Außerdem möchte ich an allen Standorten unserer Trägerunternehmen DER Partner in Bezug auf Gesundheits- und Präventionsfragen sein.

00:23:12
Julia Kaffka: Klingt als hättest du jede Menge mit der BKK ZF & Partner vor. Ich bin mir sicher, dass unsere Zuhörerinnen und Zuhörer heute einen tollen Einblick bekommen haben und wir dürfen alle gespannt sein, was du bei der BKK in den nächsten Jahren bewegst. Ich möchte mich jedenfalls ganz herzlich bei dir für deine Zeit bedanken und das du heute mein Gast hier im BKK Gesundheitspodcast warst! Ich wünsche dir viel Erfolg und gutes Gelingen.

00:23:13
Ralf Hirmke: Vielen Dank auch an dich Julia!

00:23:13
Julia Kaffka: Und an alle unsere Hörerinnen und Hörer da draußen, wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal auch wieder mit dabei seid. Da wird es um ein Thema gehen, mit dem wir alle jeden Tag zu tun haben. Es wird um das Thema „Schlaf“ gehen. Letzte spontane Frage Ralf - wie schläfst du und wie viel schläfst du? :)

Ob das genug ist und wie wir unseren Schlaf alle verbessern können, hört ihr in der nächsten Folge. Abonniert unseren Kanal also unbedingt in eurer Podcast App, dann verpasst ihr auch garantiert nichts. Bis dahin bleibt gesund.

 

Multitasking und Digital Detox - was wirklich dran ist?

Viele von uns kennen es: Zettel auf dem Schreibtisch und noch mehr im Kopf. Unsere Aufmerksamkeit wird immer geringer und das Gedächtnis gefühlt immer weniger aufnahmefähig. Dabei bearbeiten wir doch schon alles gleichzeitig, um nichts zu vergessen. Doch macht das überhaupt Sinn, was Multitasking mit uns und unserem Gehirn macht? Ob Digital detox die Lösung ist und wie wir unsere Aufmerksamkeit verbessern und lenken können? Darüber möchten wir heute mit Professor Dr. Volker Busch sprechen. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie sowie Oberarzt an der Uni Regensburg. Außerdem ist der Autor des Buchs Kopffrei.

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Transkript

Julia Kaffka: Viele von uns kennen es: Zettel auf dem Schreibtisch und noch mehr im Kopf. Unsere Aufmerksamkeit wird immer geringer und das Gedächtnis gefühlt immer weniger aufnahmefähig. Dabei bearbeiten wir doch schon alles gleichzeitig, um nichts zu vergessen. Doch macht das überhaupt Sinn, was Multitasking mit uns und unserem Gehirn macht? Ob Digital detox die Lösung ist und wie wir unsere Aufmerksamkeit verbessern und lenken können? Darüber möchten wir heute mit Professor Dr Volker Busch sprechen. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie sowie Oberarzt an der Uni Regensburg. Außerdem ist der Autor des Buchs Kopffrei. Herzlich willkommen, Volker! #00:00:40-8#

Volker Busch: Ja, hallo! #00:00:41-9#

Julia Kaffka: Hallo, grüß dich! Schön, dass du da bist. Mein Name ist Julia Kafka, und wir starten direkt rein ins Thema, würde ich sagen. In deinem Buch Kopf frei beschreibst du, warum wir unsere Aufmerksamkeit schützen und pflegen sollten. Lass uns doch mal darüber sprechen, wie wir die Aufmerksamkeit zurückerobern können in unserer modernen digitalen Welt, die unser Gehirn ja mit Reizen häufig total verstopft. Wodurch kann Aufmerksamkeit denn beeinflusst werden? #00:01:06-8#

Volker Busch: Ja also erst mal vielen dank für die Einladung. Es ist ein sehr, sehr schönes, wichtiges Thema. Ich freue mich sehr, dass wir darüber sprechen, weil ich halte das tatsächlich für unheimlich wichtig, denn Aufmerksamkeit ist eine unglaublich wichtige Ressource für unser Gehirn, weil es uns gelingt, sehr präzise zu denken und sehr sorgfältig zu arbeiten, wenn wir aufmerksam sind, und deswegen plädiere ich in der Tat dafür, darauf zu achten, dass man sie gar nicht sich erst spielen lässt, dass man sie also bewahrt und dass man sie sich nicht klauen lässt, denn es ist sehr, sehr schwer, sie wieder zurückzuerobern, wenn sie einmal weg ist. Was ich bei meinen Studenten, solange ich sehr meine Vorlesung abwechslungsreich und spannend gestalte und die sind bei mir, kann ich sie halten, aber wenn ich einmal die Aufmerksamkeit gegen Instagram oder Facebook verliere, und die gucken dann ihre Handys, dann ist es super schwer, die wieder zurückzukriegen. Also die Frage ist nicht, wie kann man sie zurück erkämpfen, sondern vor allen Dingen, wie kann man sie halten, damit sie gar nicht erst weggeht? #00:02:03-7#

Julia Kaffka: Mhm, ich verstehe, das geht quasi um diese Aufmerksamkeitdiebe quasi also was, was sind denn diese typischen Aufmerksamkeitsdiebe? #00:02:12-6#

Julia Kaffka: Um uns das mal bewusst zu machen. #00:02:14-8#

Volker Busch: Also, wir müssen uns vorstellen, dass wir grundsätzlich dann Aufmerksamkeit schnell verlieren, wenn da draußen spannende Informationen sind, die unsere Sinnesorgane wahrnehmen, also Geräusche, Lichter, Nachrichten, und darauf reagieren wir mit sofortiger Zuwendung. Das ist so in uns programmiert, so waren wir immer schon. Das hat auch möglicherweise bei unseren Vorfahren in der Savanne ein Vorteil, denn es bedeutet ja vielleicht etwas, was das Überleben sichert, und das ist heute immer noch drin in uns, so dass wir auf neue Reize Informationen uns sofort zuwenden. Und eine mögliche, um das zu

vermeiden, wäre beispielsweise, sich weniger verfügbar machen. Wer also beispielsweise eine Stunde konzentriert am Schreibtisch arbeiten möchte, Hintergrundgeräusche ausmachen, vielleicht das Handy weglegen, also gar nicht erst dafür sorgen, dass die Sinnesorgane so viele konkurrierende Reize aufnehmen können, denn das ist sau schwer, natürlich dem Stand zu halten, wenn man die einmal wahrnimmt, wenn die aber gar nicht da sind, dann ist es leichter. Ich vergleiche immer so bisschen wie bei jemandem, der eine die Macht, der legt sich ja auch nicht in, nie auf den Tisch und guckt sich das die ganze halt an, weil die Gefahr. #00:03:26-8#

Julia Kaffka: Hm! #00:03:27-1#

Volker Busch: Ja, weil die Gefahr natürlich dann riesengroß ist, wenn man das sieht, und dann greift man zu. Wenn man es aber nicht sieht, weniger verfügbar macht, also gar kein Snickers in der Küche liegt, dann ist es leichter, so nach dem Motto aus dem Auge, aus dem Sinn, und so ist es mit Informationen, die uns ablenken, am Schreibtisch ganz genauso. #00:03:44-7#

Julia Kaffka: Mhm, da ist beim Handy wahrscheinlich schon, also nur lautlos machen ich genug. Der optische Reiz, der reicht ja schon aus, also ich merke das bei mir selbst ganz oft, oder die Vibration. #00:03:54-2#

Volker Busch: Das Kontakte, dass die Handys heute sich multisensorisch zu Wort melden, also alle unsere Sinne bedienen, das ist ja das Clevere, das heißt, um ihn zu entgehen, hilft dann oft nur der Flugmodus. #00:04:05-5#

Julia Kaffka: Wie kann ich denn versuchen, das am besten zu umgehen mit der ganzen Informationsflut und der Reizüberflutung, so dass ich meine Aufmerksamkeit quasi wirklich da lasse? Also abgesehen davon, dass ich jetzt das Handy weglege vielleicht und Stummschalte? Gibt's denn da noch irgendwelche anderen Tricks im Alltag, die ich einbauen kann, dass meine Aufmerksamkeit mehr bleibt, da, wo sie hingehört? #00:04:25-1#

Volker Busch: Ja, ganz viele, also. Eine Möglichkeit wäre, dass, wenn man weiß, man wird jetzt in der nächsten Stunde mal zur Ruhe kommen müssen oder wollen, um was wichtiges zu erledigen, dann kann es sinnvoll sein, dass man vorher sich den Reizen etwas aussetzt und alles erledigt, was da so in der Umgebung etwas von einem will. Also, man geht vorher auf Toilette, man geht vorher in den Kühlschrank, holt sich was zu trinken, man beantwortet vorher alle Sms, man ruft vielleicht noch jemanden an, man erledigt die WhatsApp Nachrichten, wenn sie einem wichtig, ich erscheinen, und so weiter. Man nimmt sozusagen etwas Druck aus der Situation, und Studien zeigen, dass es uns danach, wenn das sozusagen alles abgearbeitet oder erledigt ist, leichter fällt, uns zu konzentrieren. Die Ablenkbarkeit ist dann eine geringere. #00:05:09-1#

Julia Kaffka: Okay, und der ganzen Reizüberflutung, die wir da so haben, gibt es ja immer wieder auch dieses große Stichwort Multitasking. Damit wir möglichst viel schaffen, teilen wir unsere Aufmerksamkeit gerne auf das berühmte Multitasking. Gibt's das denn überhaupt ganz wichtige? Fragen? Weil da gibt's ja viele kontroverse Diskussionen. #00:05:27-3#

Volker Busch: Ja, und es wird vor allen Dingen sehr häufig verwendet, der Begriff also wir. Wir haben uns den so Bissel aus der Computerindustrie abgeschaut, weil wir bei modernen

Rechnern, zumindest denen mit mehreren Prozessoren im Kern, heute tatsächlich sehen, dass die wirklich gleichzeitig Dinge abarbeiten können, und es wäre einfach schön, wir wären auch so und in der Tat so ein kleines bisschen Multitasking geht. Also, während wir uns hier unterhalten, könnten wir jetzt beide wahrscheinlich irgendwie keine Ahnung, irgendwelche Kritzeleien auf dem Blatt Papier machen, oder wir könnten in der Nase popeln oder sonst irgendetwas. Also sprich, wir können Dinge tun, während wir uns hier angeregt unterhalten, die total banal sind und die überhaupt keine Geisteskraft erfordern. Deswegen kann man ja auch in Leading und die Spülmaschine dabei ausräumen oder so. Aber was wir eben nicht können, ist, dass wir uns auf zwei geistige Dinge konzentrieren. Also, wir könnten unser schönes Gespräch nicht führen, während einer von uns E-Mails in Outlook auf dem anderen Monitor bearbeitet, und wir können auch keine Videokonferenz folgen und dabei gleichzeitig irgendwie spielen. Es ist eigentlich absurd. Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast, dass Microsoft jetzt in seinem Videokonferenz tool teams Spiele anbietet, also meiner und unserer und so weiter, damit die Leute sich, wenn sie vor Videokonferenzen sitzen und gelangweilt fühlen, irgendwie was zu tun haben, und und das, das zeigt eigentlich, dass Leute überhaupt nicht verstanden haben, was Multitasking bedeutet. Wir müssen uns stattdessen die Frage stellen, welche Videokonferenzen sind überhaupt nötig und vielleicht davon weniger machen, statt zu überlegen, wie wir langweilige Videokonferenzen durch Spiele unterfüttern, damit sie halbwegs attraktiv sind. Aber albern, albern! Forderung! #00:07:12-5#

Julia Kaffka: Völlig albern! #00:07:13-5#

Volker Busch: Also, Multitasking geht dann nicht, um das zum Abschluss zu bringen, wenn wir zwei geistige Dinge gleichzeitig tun, die beide eine hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordern, denn dann können wir das nicht gleichzeitig beleuchten mit geistigem Licht, um es mal sozusagen, sondern wir haben nur einen Scheinwerfer, und dann muss dieser Scheinwerfer hin und her schwenken, und während er das eine beleuchtet, bleibt das andere im Dunkeln. Also, während wir unser Gespräch führen, können wir nicht E-Mails beantworten, wechseln wir zu den E-Mails, ist unser Gespräch nicht so sauber, und dadurch, dass immer eins von den beiden Dingen im Dunkeln ist, sind wir eben geistig schlechter. Das ist ja der Grund, warum so viele Verkehrsunfälle passieren. Der Hauptgrund dafür sind, ist Unachtsamkeit im Straßenverkehr, weil man abgelenkt war durch irgendeinen Quatsch. #00:07:58-0#

Julia Kaffka: Mhm, irgendwo gerade in der Luft rum geschaut, gerade mal ständig geguckt, solche Sachen, ja, genau Okay, Okay, da gibt es ja aber noch so diese Spannende, ich nenne es mal Mythos, dass es ja auch Geschlechter spezifisch ist, stimmt auch schon mal gehört. Ja, mit den Wettern und den Frauen. Also, Frauen sollen ja besser Multitasking können als Männer. Ja, ich hab mal gehört, dass das irgendwie evolutionstechnisch so sein soll, weil man ja ein Kind auf dem Arm hat und gleichzeitig irgendwie die Suppe kochen muss. #00:08:30-5#

Volker Busch: Ich habe solche Begründungen, muss man natürlich immer aufpassen, weil, ehrlich gesagt, man zieht schnell in die andere Taler heran, es war aber niemand dabei, und insofern kann man das immer ganz schwer sagen. Vor allen Dingen, weil das, was du gerade sehr schön skizziert hast und in der Tat ja auch so kolportiert wird, sich wissenschaftlich gar nicht hat legen lassen. Ist aber interessant, dass, wenn man es gibt,

große Umfrage unter Menschen verschiedener Nationen. 500 Probanden wurden gefragt, und in der Tat waren es etwas über 80 Prozent, die davon überzeugt waren, dass Frauen es besser könnten. Also, dieses Gerücht hält sich international, das stimmt. Aber wenn man das neu physiologisch im Labor untersucht, sehen wir, dass Frauen genauso wenig gleichzeitig Dinge abarbeiten können wie Männer. Eine Illusion! Es stimmt aber auch, und das, was ich jetzt sage, lässt uns Männer total schlecht aussehen, dass Frauen im Alltag oft mehr Aufgaben zu bewältigen haben, weil sie neben ihrer beruflichen Karriere doch noch ein bisschen mehr in der Familie übernehmen. Es ist meistens eben so, und sie wollen mehreren Dingen gerecht werden, das auch schön so ist. Das heißt sie, sie müssen mehr umschalten und hin und her springen und wohingegen wir, Männer und so stur auf eine Sache konzentriert, Kopf durch die Wand, völlig egal, was links und rechts ist. Und Frauen sind diesbezüglicher viel feinfühliger und und wollen allem gerecht werden, und das führt dazu, dass sie im Alltag mehr springen müssen, aber neuere physiologisch besser können, tun sie es nicht. Das ist der große Unterschied. #00:10:04-3#

Julia Kaffka: Haben wir es vielleicht gelernt? #00:10:06-0#

Volker Busch: So ein bisschen ja, also es zu versuchen. Im Alltag hat man sich dran gewöhnt, aber es passieren die gleichen Fehler, und man braucht auch länger. Es gibt Studien, die zeigen, dass eben bei Frauen und Männern letztendlich die Performance um bis zu 30 Prozent sind. Und wenn wir versuchen, geistig Dinge gleichzeitig zu machen, also wie gesagt, nicht reden und nasebohren, sondern eben irgendwie in sms schreiben und was schreiben oder sich mit jemandem unterhalten und Autofahren, dann sinkt unsere Performanz 30 Prozent bei Männern wie bei Frauen. #00:10:39-1#

Julia Kaffka: Krass, das sind mal interessante Zahlen. Ja, das. #00:10:42-0#

Volker Busch: Ja, vielleicht, um einen Verkehrsunfall zu bauen. Das ist ja. Also es ist ja im Alltag am Schreibtisch. Ist das vielleicht nur mal so die klassische E Mail ohne Anhang? Das wäre so ein Klassiker oder Zahlendreher in der Exceltabelle. Das ist ja nicht weiter wild. Aber wenn halt Verkehrsunfälle passieren, dann ist das halt schon irgendwie übel. Es gibt ja, es gibt eine interessante Studie, die habe ich in meinem Buch Kopf frei. Was du eben erwähnt hast, habe ich darüber geschrieben, und das ist, bleibt da schon so ein bisschen der Klos im Hals stecken, amerikanischer Arbeit, die gezeigt hat, dass allein in den Usa jedes Jahr 50 Kinder einen, manchmal sogar tödlichen Hitzschlag erleiden, weil sie im Pkw sitzen, im Sommer mal von ihren Eltern vergessen werden. Die schließen am Supermarkt irgendwie das Auto ab, weil sie mit dem Handy zugegen sind und gehen einkaufen. Dann merken sie, wo ist ja, mein Kind kommt zurück, das Kind ist ohnmächtig. Also, das sind alles Fehler. Die passieren ja nicht, weil jemand du ist oder eine schlechte Berufsausbildung hat, sondern alle einfach nur deswegen, weil man geistig überall ein bisschen war, aber nirgends richtig. #00:11:40-0#

Julia Kaffka: Ja, Wahnsinn, ja, das ist schockierend! Ja, also kann man denn unter dem Strich sagen, Multitasking gibt's im großen Stil eigentlich nicht. Also, wenn man wirklich effizient arbeiten will, gibt es eigentlich so nicht. Also, es geht gar nicht. #00:11:55-4#

Volker Busch: Genau das hast du gut ausgedrückt, das ist so. Im streng genommen gibt es das gar nicht, weil diese, wenn man, wie ich eben schon sagte, zwei geistig anspruchsvolle Dinge gleichzeitig tun möchte, muss man den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit umstellen.

Eins ist hell beleuchtet, was anderes dunkel. Das heißt, man schaltet in Wahrheit um, man verteilt die Aufmerksamkeit neu, und deswegen geht man auch in der neuen Literatur dazu über, gar nicht mehr von Multitasking zu sprechen, sondern von task switching. Das würde dem Aspekt viel eher entsprechen. Es ist ein Umschalten, und das kostet Kraft, das kostet Performance und letztendlich am Ende des Tages. Häufig ist es auch das, was wir so stressig fanden, wenn wir nach Hause kamen, und wir haben so auf 1000 Baustellen überall ein bisschen was gemacht, sind hin und her gesprungen. Wir konnten nirgends mal in Ruhe, in tiefe versinken. Das schlaucht auch subjektiv ganz schön. #00:12:48-3#

Julia Kaffka: Absolut ja, da ist es angenehmer. Ich meine, wenn man acht, neun Stunden arbeitet, hat man auch was getan, auch wenn man sich fokussiert auf eine Sache und und ja, sich einfach damit beschäftigen kann, und nicht die ganze Zeit rausgerissen, und hier und da und ja, absolut! #00:13:02-8#

Volker Busch: Und es gibt, es gibt verschiedene verschiedene Branchen. Ein Journalist, der vielleicht oder Journalist, in die zwei Stunden mal in Ruhe im Internet recherchiert, natürlich, wie du schon sagst, das ist auch Arbeit, und das ist auch anstrengend, und man braucht dann auch eine Pause. Aber es ist eine erfüllende Arbeit, weil man sich in der Sache vertieft hat. Anderes Beispiel: Informatiker, der einen Algorithmus programmiert, auch der arbeitet und leistet was und und braucht danach ne Entspannung, Mittagspause, was auch immer. Aber auch er kann in tiefe im Fokus in der Arbeit versinken und und fühlt sich danach glücklich. Aber es macht niemanden glücklich, ständig hin und her zu springen und wie wir im Feuerlöscher überall mal hin zu sprühen, wo es gerade aufflammt. Das heißt also, neben der schlechteren Leistung erfüllt uns das weniger und zeigt sich in Form von höheren Stresslevel am Abend, wenn man das entsprechend untersucht. #00:13:55-2#

Julia Kaffka: Okay, ja, unser Hirn braucht ja auch zwischendrin mal eine Pause von der ganzen Überlastung, quasi die ganzen sozialen Medien, das Handy, die ständige Erreichbarkeit. Da gibt's ja auch noch neben dem Multitasking großen Begriff, den man immer wieder hört hört. Dieses Digital Detox kennt wahrscheinlich jeder inzwischen. Den Begriff wird als die Lösung verkauft, suggeriert gleichzeitig natürlich, dass uns Medien digitale Medien irgendwie ein Stück weit vergiften. Ist das denn so? Also brauchen wir denn wirklich ein Digital Detox, um irgendwie wieder klarzukommen? #00:14:28-3#

Volker Busch: Ja, also, ich bin echt immer wieder erstaunt, wie oft ich, wenn ich so irgendwie für eine Radiosendung oder für Zeitschriftenartikel angefragt werde, wie oft ich auf diesen Begriff angesprochen werde. Es erstaunlich also wirklich irre beliebt, und ich lasse ihnen auch gelten, weil manchmal braucht man einfach Begriffe, die irgendwie attraktiv klingen, und es ist in Ordnung. Aber wenn man ihn zu wörtlich nimmt, dann verbirgt sich dahinter eigentlich ein Quatsch, muss man sagen, denn erstens vergiften uns digitale Medien ja nicht. Insofern ist also eine Entgiftung in sich schon blödsinnig zu glauben, dass, wenn man sein Handy irgendwie weglegt, paar Stunden oder eine Woche, dass man dann End giftet ist und der Stoffwechsel sauber ist, und danach kann man wieder von vorne beginnen. Das ist leider Quatsch und ein noch wesentlicherer Grund, warum ich dieses Konzept von digital nicht für so günstig halte, zumindest ich in der Weise, wie es meist propagiert wird, weil man eben doch meist angehalten wird, mal so drei, vier Wochen am Stück drauf zu verzichten, also am besten irgendwie in den wild Kämpf fahren in der Natur und dann mal einen Monat lang offline sein und so weiter. Und gleichzeitig wird dann aber gesagt, okay, danach kannst du die anderen elf Monate alles wieder so machen wie vorher, und das ist in sich natürlich ein Blöd sind, weil, weil wir ja eigentlich lernen sollten, mit den digitalen Medien so umzugehen, dass wir sie zwar jeden Tag nutzen dürfen, sie bringen uns ja auch ganz viel Freude und Arbeitserleichterungen. Es gibt ja auch ganz viele Vorteile dadurch aber, dass wir eben jeden Tag auch Momente haben, wo wir zur Ruhe kommen, zu uns selbst finden und unser Gehirn mal durchlüften, sozusagen, und das am Stück zu machen, ist genauso Quatsch, sage ich immer wie derjenige, der sagt, ich will in Zukunft mehr Sport treiben. Ich mache den Sport aber drei Wochen am Stück und mache die anderen 49 Wochen des Jahres nichts. So würde würde jeder Fitnesstrainer sagen. Aber das kannst du total schenken, das ist Unsinn! Du musst am besten jeden Tag einmal kurz ins Schwitzen kommen und damit du danach wieder sechs Stunden auf deinem Hintern sitzen kannst. So und so ist es hier auch. Wir dürfen jeden Tag digitale Medien nutzen und brauchen wir ja auch auf der Arbeit und soll ja auch sein. Aber es wäre sinnvoll, wenn man jeden Tag eine Pause hat, wo man offline ist, die digitale Nabelschnur mal durchtrennt, die er so ständig versorgt, und wo man Dinge mal durchdenkt, zur Ruhe kommt, Lösungen findet für Probleme, über die man gerade nachdenkt, und so weiter. Also lieber jeden Tag ein bisschen als einmal am Stück drei Wochen, und deswegen ist der Begriff digital Druck eigentlich Blödsinn. #00:16:59-0#

Julia Kaffka: Vielleicht wäre es eher digital diatoder sowas, eine ein, eine digitale Diät. Es ist ja wahrscheinlich wie beim Abnehmen mit dem Jojo Effekt. #00:17:08-1#

Volker Busch: Eine digital Reduction Power. #00:17:09-8#

Julia Kaffka: Wie du schon gesagt hast - irgendwie so was? Ja genau, aber es ist wahrscheinlich zu kompliziert dann vom Wort. #00:17:13-6#

Volker Busch: Genau deswegen, deswegen, ich sage das jetzt so, also deswegen lasse ich den Begriff auch gelten, und ich finde, in Ordnung soll ja auch nicht passieren als der Papst. Nur wenn wir den zu wörtlich nehmen, das immer die Gefahr, wenn Leute sich damit nicht auskennen, dass die Begriffe dann auch für bare Münze nehmen, verbirgt sich dahinter eigentlich ein nicht ganz sinnvoller Ratschlag. Die Intention ist positiv zu lernen, auch mal Zeiten zu haben, ohne das auszukommen. Aber wie gesagt, am Stück längere Zeit und den Rest des Jahres alles so wie bisher, das ist Blödsinn! #00:17:40-9#

Julia Kaffka: Aus psychologischer Sicht würdest du aber sagen, ist eine Pause fürs Gehirn, was das ganze angeht, schon auch wichtig, also dass man wirklich mal sagt: Okay, jetzt keine Ahnung, auch im Urlaub oder grundsätzlich, was passiert denn eigentlich mit unserem Gehirn, wenn das, die Ganzheit, so dauer reizüberflutet ist? Wenn man das wirklich lange macht, wird das dann auch krank? Möglicherweise? #00:18:04-1#

Volker Busch: Ja, absolut, also, wir fangen mal mit dem ersten an. Der Sinn einer Pause ist nicht nur die Entspannung. Das denken aber die meisten Leute so, dass, wenn man den Rücken schont oder die Muskeln mal locker lässt, wenn man irgendwie hart gearbeitet hat, denkt man auch, eine geistige Pause dient zur Entspannung, und danach ist man wieder fit. Das, es ist auch ein wesentlicher Teil der Pause, aber es ist nicht der einzige Grund. Ein heutzutage ebenfalls ein wesentlicher Grund einer geistigen Pause ist, dass wir die ganzen Informationen, die wir vorher aufgenommen haben, die wir gelesen haben, die wir gepostet haben oder die wir in Konferenzen ausgetauscht haben, dass unsere Gesundheit verarbeiten kann und damit etwas macht, also es ordnet, in Schubladen verpackt mit unserem Welten, Wissen, verbindet, daraus neue Ideen, macht verknüpft. Also, man spricht von assoziativen Denken, und dieses Assoziative, verbindende, verknüpfende denken, das macht es eben nur in Ruhe, und das hört. Das Gehirn wird sofort auf damit, wenn wir stattdessen in der Pause ein Katzenvideo gucken oder was, das ich irgendwas machen, telefonieren oder so, na dann dann, dann ist es die Pause. Zwar immer noch ein bisschen vielleicht entspannend, weil man irgendwie ein lustiges Video guckt und hat nichts mit der Arbeit zu tun und so, insofern alles in Ordnung. Aber man braucht sich dann diesen dieses magischen Moment, dass das Gehirn in sich etwas mit diesen Informationen macht, und das macht es eben nur offline. Nur dann also, wenn man wirklich geistig nichts tut, vor sich hin döst und den gedanken freien Lauf lässt, und das kommt auch mal unschöne Gedanken hoch. Wenn ich mal alles schön, was dann kommt, das kommt auch mal eine Träne, man ärgert sich mal, aber das Gehirn putzt, es macht sauber, es räumt auf, verbindet, und oft entstehen neue Perspektiven, Einsichten, Ideen. Nur in solchen Momenten, das kennt jeder von uns, der in die Berge wandern, geht Offline kein an. Was was für ein magischer Moment, was einem da für Ideen kommt, für Einsichten! Man fängt an, Menschen zu verzeihen oder zu vergeben, man kommt auf neue Einfälle. Das alles passiert ja in der Regel nicht bei Telefonkonferenzen oder im Kino, sondern wenn wir offline sind, und deswegen also, um das abzuschließen. Der Sinn einer paar Pause ist nicht nur die geistige Entspannung, sondern es ist auch dieses, dieses konstruktive Assoziative denken, was da stattfindet, und deswegen sind Pausen so wichtig. Das ist so, sind so die beiden Gründe, warum sie heutzutage unbedingt stattfinden. #00:20:38-3#

Julia Kaffka: Mhm, ja, das ist interessant. Ich glaube, viele haben das auch so ein Stück weit verlernt, auch dieses zulassen können, wie du vorhin gesagt hast, das dann auch mal negative Gedanken vielleicht hochkommt, dass man wirklich mal da auch nicht sich ablenkt. Das ist ja auch eine gewisse Ablenkung mit den Katzenvideos, nennen wir das noch mal als Beispiel. #00:20:55-1#

Volker Busch: Betäubung, die? Jemand, der, der Sorgen und Ängste hat und dann in die Kneipe geht und sich mit einem Schnaps runter spielt, das ist in dem kurzfristigen Moment dann natürlich besser. Aber die, das, was ein da getriggert hat, bleibt weiterhin da und hat weiterhin Reiz Charakter. Vielleicht träumt er schlecht, oder am nächsten Tag meldet er sich also kurzfristig. Betäubung helfen immer nur in dem Moment. Besser wäre es, es zuzulassen, und das es mit Tränen verbunden ist oder mit Ideen. Es hat immer etwas Konstruktives. Man bewältigt etwas, wenn das Gehirn assoziativ etwas durchdenkt. Deswegen muss man immer mehr die Chance dazu geben. #00:21:29-8#

Julia Kaffka: Was kosten uns denn quasi digitale Medien, so sagen wir mal, in Hinblick auf unsere Lebensqualität und sein Lebensstil und vielleicht auch unsere Intelligenz? Hat es da Einfluss darauf? Wie hoch ist der Preis? #00:21:44-5#

Volker Busch: Also, ich bin, ich bin überzeugt davon, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Wir haben ja jetzt bisher nur über die, die Fallstricke und riesigen gesprochen, aber sie schenken uns natürlich viel, viel mehr, als wir uns nehmen. Da bin ich überzeugt davon, denn wir haben einen einen sehr leichten Zugang zur Information. Das ist natürlich fantastisch, wenn wir irgendwas organisieren müssen. Ich wüsste gar nicht, wie ich meine Zugfahrten durch Deutschland irgendwie hinkriegen würde, wenn ich keine App hätte, die mir dabei hilft. Ja, es erleichtert uns Arbeitsabläufe, es ermöglicht uns, mit vielen lieben Menschen rund um die Uhr zu kommunizieren, wenn wir wollen, die wir vielleicht sonst gar nicht erreichen, wenn man ein fantastisches Unterhaltungsangebot und und und also, die Vorteile sind immens, und das ist ja auch der Grund, warum sie sich so verbreiten, und über die dürfen wir uns auch freuen, und und das ist alles in Ordnung. Aber man darf eben trotzdem die Risiken nicht übersehen, finde ich, und die darf man und muss man sprechen, ohne irgendwie mit erhobenem Zeigefinger, ohne Hysterie, ohne Drama, sondern einfach nur, was ich versuche, auch in dem Buch oder wenn ich so Vorträge halte, einfach nur die Leute einzuladen, mal mit sich zu experimentieren, weißt du, einfach mal auch auszuprobieren. Was macht denn das mit mir, wenn ich erstmal eine Stunde bewusst darauf verzichte und, wie du es eben schon so schön gesagt hast, das auch aushalte und und merke, hey, hier oben im Gehirn, da passiert noch ganz, ganz viel, da komme ich auf eine Idee, da komme ich auf den Einfall, da, da passiert etwas, wenn ich diese Name Schnur, wie ich eben sagte, mal durch Trenne, und viele Menschen ist diese Erfahrung gar nicht mehr zugänglich, weil sie, wie du es auch schon erwähnt hast, jeden Freiraum sofort zuhauen mit Konsum, und das ist einfach schade, und ich, ich will einfach, das war mir auch und die Buch so wichtig, auf ne ganz humorvolle und lustige Weise einfach einladen, das Mal auszuprobieren, zu experimentieren, ganz ergebnisoffen, und meistens erlebe ich dann, dass auch bei Seminaren oder Vorträgen, so wenn man mit Leuten spricht, dass die Leute danach sagen, das war cool, hätte ich so nie gedacht, mach ich noch mal, und das finde ich natürlich dann toll. #00:23:47-4#

Julia Kaffka: Hm ja, das ist super, also das ist, ich, finde es wahnsinnig wichtig, dass man sich da auch diesen Raum immer wieder nimmt und da in die Richtung schauen kann. Was ist denn, wenn digital detox jetzt nicht der ideale Lösungsweg jetzt ist? Sagen wissen wir, so? Gibt es denn Alternativen noch, wo man sagen könnte, das ist jetzt ein Weg, wo ich mich da wieder ein bisschen Track quasi bringen kann, ganz bewusst. #00:24:11-0#

Volker Busch: Ja, gibt es ganz viel, also ich bin ja großer Befürworter von handyfreie Zonen im Haus zum Beispiel, dass es einen Ort gibt, an dem man grundsätzlich, wenn man dort ist, Offline bleibt. Also das kann irgendwie eine gemütliche Ecke im Garten sein oder eine Hängematte auf der Terrasse oder oder von mir aus das Schlafzimmer. Das wäre ja schon mal ein guter Anfang, vielleicht sogar vielleicht sogar die Wohnzimmercouch, auf der wäre in der Regel so viele Bildchen neben uns haben wie an kaum einem anderen Ort, gibt einen Studie, das also mittlerweile über 70 Prozent der Deutschen auf der Wohnzimmercouch sitzen, wenn der Fernseher läuft, und dabei einen zweiten oder dritten Bildschirm gleichzeitig verwenden. Also die mit der Wohnung Coach anzufangen, wäre ein harter Tobak am Anfang. Vielleicht ist die Gartenlaube dann erstmal leichter, aber jedenfalls, wenn wir solche handyfreien Ton bewahren, dann passiert was, und die immer wieder aufsuchen. Wohlgemerkt, dann gewöhnt sich unser Gehirn daran, es lernt, dass an diesem Ort kein Konsum stattfindet. Es ist eine Art Konditionierung, und es ist ganz interessant, wenn man sich anschaut, was dann passiert, dann dann passt jedes mal, wenn man dann diesen Ort aufsucht, wird man plötzlich ganz schnell geistig frei, weil man, weil man es vorher auch schon war, dass das Gehirn nutzt diesen Gewöhnungseffekt, diese Konditionierung, um sehr schnell in eine sichere Zone mit sich selbst zu kommen. Es gelingt aber schreibtisch wahrscheinlich nicht, weil der Schreibtisch im Gehirn belegt ist mit Arbeit und Hektik und Zeitdruck, und es gelingt vielleicht auch noch nicht am Anfang auf der Wohnzimmercouch, weil es eben geankert ist im Gehirn mit irgendwie 1000 Bildschirme. Deswegen sind andere handyfreie und vielleicht am Anfang sinnvoll. Aber das würde ich empfehlen, mal auszuprobieren. Ich habe so eine Handy freie Zone, auch die ist bei uns auf dem Dach, und wenn ich da hoch gehe, dann bin ich dort immer alleine mit mir, ich lese auch schon mal was und so. Aber in der Regel gehe ich zum Denken, zum Runterkommen raus, und das ist mittlerweile ist es bei mir schon so. Wenn ich die Treppe hoch gehe, komme ich schon zur Ruhe. Es ist unglaublich, weil ich, weil ich, weil mein Gehirn sozusagen antizipiert, jetzt kommt, gleich bist du gleich an dem Ort, wo du von der Welt entkoppelt bist. Also das finde ich einen schönen Begriff, die, die die Amerikaner sagen, perfekt dazu. Also ein Ort, wo man entkoppelt ist von der Welt, seine eigene Parallelwelt. Das ist was wundervolles, was ganz feines, und wer sich das bewahrt, der hat, glaube ich, so sicher eine Sicherheitszone, was sehr wertvolles! #00:26:53-2#

Julia Kaffka: Das klingt nach richtig, richtig guten Ideen finden. #00:26:55-9# Volker Busch: Und und logistisch machbar, das ist ja! #00:26:58-2#

Julia Kaffka: Ja, ja, absolut, wenn man sich da sowas einfach absteckt und sagt, okay, hier ist jetzt! #00:27:03-5#

Volker Busch: Ein ein, ein Lieben tun! Ich wollte nicht unterbrechen, das fällt mir gerade ein, sprudelt es aus mir raus, weil meine lieben Freunde der arischen Wald lebt, und der hat eine bestimmte Richtung, in die er immer spazieren geht. Also wenn er bewusst mal was durchdenken will, und er muss wirklich zur Ruhe kommen, weil 1000 Leute ihn genervt haben, und sein Kopf ist voll, dann geht er immer auf diese Lichtung. Das finde ich Große. Er guckt man so ins Tal, umringt von von Bäumen, und ist aber so eine Lichtung. Da ist sonst keiner. Der ist ein bisschen versteckt, so wie das Schlumpf Dorf. Da kennt keiner, und wenn der sich da hinsetzt, kommt automatisch zur Ruhe, weil der das so trainiert hat. Das finde ich großartig! #00:27:40-8#

Julia Kaffka: Stark, ja, das ist super, ist natürlich auf dem Land auch noch mal. Ein Bisschen Natur, gibt einem ja auch schon wahnsinnig, also allein schon hier im Park zu gehen, in München um die Ecke, da ist man einfach so schon. Irgendwie geht mir zumindest so rausgerissen, und Natur, das ist schon spannend! #00:27:59-4#

Volker Busch: Also eine Einkaufszone wird, wird es schwieriger, weil. #00:28:01-4#

Julia Kaffka: Ein bisschen selbst mit Oropax, glaube ich. Da bräuchten wir noch irgendwie die Scheuklappen, dann vielleicht, aber ansonsten. #00:28:09-4#

Volker Busch: Eine Leseecke in dem Raum, ein Bibliotheksregal hat einen Schaukelstuhl, das ist schon wieder realistisch, also, man kann das einrichten, wenn das wichtig ist. #00:28:18-9#

Julia Kaffka: Ja, also sagen wir mal so, dem Kopf ab und zu häufiger mal vielleicht ne Pause gönnen und das Handy im Alltag mal weglegen, das sind schon Sachen, die können gut helfen oder sich auch einen Ort suchen, nach dem man abschalten kann. Also, ich gehe auf jeden Fall aus diesem Gespräch jetzt super motiviert raus. Aus dieser Podcastfolge muss ich ganz ehrlich sagen, ich will sofort starten, was zu verändern. Ich glaube, ich muss ich persönlich über meine Pausen nachdenken, weil ich sitz. Wische mich jetzt so bei dem Gespräch dachte ich mir, wie oft sitze ich jetzt da und beantwortet dann private E-Mails oder irgendwelche anderen Sachen, ohne dass ich mal ein bisschen einfach runterkomme und meinem Geist freien Lauf lasse? Also ja, vielen, vielen Dank für dieses super interessante Gespräch und den kleinen Einblick auch in unser Gehirn. #00:29:02-1#

Volker Busch: Ja, freut mich, vielen lieben, das war mir eine große Freude, war ein sehr schönes Gespräch. Vielen dank für die Einladung. #00:29:07-5#

Julia Kaffka: Vielen Dank, freut mich sehr, und weitere Informationen zum Thema und den Link zum Buch Kopf frei von dr Volker Busch findet ihr bei uns in den Shownotes. Danke an euch, dass ihr wieder mit dabei wart bis zur nächsten Folge eures Gesundheitspodcast der Bkk Zf und Partner, und bis dahin bleibt. #00:29:25-3#

Musical - eine andere Form der Bewegung

Diese Podcast-Episode lädt Sie ein, in die Welt der Musicals einzutauchen. Wir haben unseren jungen Versicherten Fabio Kopf interviewt. Er ist angehender Musical-Darsteller und hat uns von seiner großen Leidenschaft berichtet. Auf die Bühne, fertig, los!

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Transkript

Wir stellen Ihnen heute unseren jungen Versicherten, Fabio Kopf, angehender Musicaldarsteller, vor. Beim Musical gibt es die Besonderheit, dass sich die Bewegung des Körpers mit der Stimme vereint.

Stell dich kurz vor!
Fabio Kopf
Geboren: Immenstaad
Wohnort: derzeit wegen des Studiums Berlin (Zweitwohnsitz)
Studium: Musical/Show an der Universität der Künste Berlin
Berufswunsch: Musicaldarsteller/, „freier Künstler“
Hobby: Jugendarbeit im CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen), sehr viel Musik (Geige/Klavier/Gesang) unter anderem Jazzimprovisation.
Generell habe ich ja mein Hobby als Berufswunsch gewählt. Dementsprechend singe tanze und spiele ich ja außerhalb der Uni auch noch leidenschaftlich gerne Spikeball.

Mit welchen 3 Worten würdest du dich beschreiben?
„Spontan, kreativ, kokolores."

Bist du auf etwas besonders stolz an dir?
„Ich bin stolz auf meine Herkunft. Auf meine Heimat, wo ich aufwachsen konnte. Über die Werte, die ich dort vermittelt bekommen habe. Das hat mir immer Halt gegeben."

Wie bist du zum Musical gekommen? Gab oder gibt es ein spezielles Vorbild für dich?
„Ich wollte als Jugendlicher eigentlich nur Breakdance machen. Da die Tanzschulen im Bodenseekreis aber überschaubar sind, bin ich in der MusicalSchule Bodensee gelandet, und wurde dort von der derzeitigen Leitung Jeannette Munière gesichtet. Die Begeisterung für Musical habe ich von meiner Mutter schon in jungen Jahren erfahren, und somit war mein Schicksal dann mit dem beginnenden Tanz- und Gesangunterricht besiegelt“.

Wo siehst du dich in 5 Jahren?
„Ich sehe mich immer noch in Berlin. Mein Studium ist dann vorbei, und hoffentlich lässt Corona bis dahin wieder mehr zu, sodass ich in verschieden Engagements Erfahrungen sammeln kann."

Gibt es noch andere Sportarten, mit denen du dich neben dem Musical fit hältst?
„Spikeball (ein Spiel für 4, bei dem man einen Ball in zwei Teams durch ein kleines Trampolin hin und her spielt)."

Für welche kommenden Herausforderungen können wir dir die Daumen drücken?
„Also jetzt im kommenden zweiten Jahr meines Studiums werden wir ein größeres Projekt machen. Bei dem wir als Jahrgang zusammen eine Show auf unserer Uni Bühne samt Choreographen und Regisseur auf die Beine stellen. Ansonsten kann man mir sehr gerne die Daumen drücken für alle kleinen Möglichkeiten die sich ergeben könnten. Für kleinere Jobs als Statist oder Darsteller."

Wie sehen bei dir die letzten Minuten hinter der Bühne aus, bevor sich der Vorhang öffnet? Hast du ein festes Ritual oder ähnliches?
„Meine letzten Minuten vor dem Aufgang auf die Bühne sind von sehr viel Unruhe ummantelt von Ruhe geprägt. Der Körper fährt in den absoluten Leistungsmodus, und ich versuche bewusst ruhig zu atmen, die Augen zu schließen, ein kurzes Gebet zu sprechen, auszublenden, dass man immer vor einem Auftritt seinen Text vergisst und aufs Klo muss, und dann kurz vor dem Aufgang auf die Bühne meinen letzten Schluck sehr starken Ingwertee trinke."

Schlaf

Heute haben wir uns ein Thema herausgepickt, das wirklich jeden von uns betrifft und zwar das Thema Schlaf. Wir werden erfahren, warum es nicht so schlimm ist, nachts auch mal aufzuwachen und wir wollen darüber sprechen, dass wir alle besser schlafen können. Denn eine YouGov Umfrage hat ergeben, dass 40 % der Deutschen schlecht oder sogar sehr schlecht schlafen. Höchste Zeit, um das zu ändern. Deshalb haben wir für diese Episode Christoph von der Malsburg eingeladen. Er ist Schlaf Experte und hilft sogar Profisportler beim Einschlafen.

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Transkript

00:00:00
Julia Kaffka: Hallo zusammen, schön, dass ihr auch heute wieder mit dabei seid. Ich bin Julia Kafka und ich führe euch jeden Monat durch euren Gesundheits Podcast. Heute haben wir uns ein Thema herausgepickt, das wirklich jeden von uns betrifft und zwar das Thema Schlaf. Wir werden erfahren, warum es nicht so schlimm ist, nachts auch mal aufzuwachen und wir wollen darüber sprechen, dass wir alle besser schlafen können. Denn eine YouGov Umfrage hat ergeben, dass 40 % der Deutschen schlecht oder sogar sehr schlecht schlafen. Höchste Zeit, um das zu ändern. Deshalb haben wir heute Christoph von der Malsburg eingeladen. Er ist Schlaf Experte und hilft sogar Profisportler beim Einschlafen. Herzlich willkommen Christoph, schön, dass du heute da bist und dir Zeit nimmst. Unter deinen aktuellen Umständen wissen wir das noch mehr zu schätzen, denn es könnte auch sein, dass du jeden Moment weg musst.

00:00:46
Christoph Malsburg: Ja, ja, ja, weiß ich nicht. Vielleicht. Aber erst mal Dankeschön für die Einladung. Schön, dass ich hier sein kann und über dieses wunderbare Thema sprechen. Ja, in der Tat. Ich habe mein Telefon neben mir liegen, weil ich jeden Moment Vater werden kann. Von daher kann sein, dass ich raus muss. Aber noch ist alles ruhig.

00:01:02
Julia Kaffka: Sehr schön. Okay, unter den Umständen habe ich auch noch nie einen Podcast aufgezeichnet. Aber das ist ja auf jeden Fall die beste Entschuldigung.

00:01:09
Christoph Malsburg: Wenn du keine einzige Frau.

00:01:10
Julia Kaffka: Die einzige ja stimmt, dann wollen wir keine Zeit verlieren und die Zeit, die du uns schenkst, nutzen und uns mit dem spannenden Thema Schlaf beschäftigen. Erst mal habe ich mir die Frage gestellt Wie kommt man dann eigentlich dazu, sich beruflich mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen?

00:01:27
Christoph Malsburg: Man kommt dazu, indem man ja, wenn man auf der Suche ist nach Themen, die einen beschäftigen und mit dem man sich gerne auseinandersetzen möchte, auch beruflich. Und das ist oft natürlich eine Mischung aus Was, was bewegt einen, was, was interessiert. Ein Was ist auch auch eine große Aufgabe, weil dieses Thema ja noch längst nicht da ist, wo es hingehört. Und dass das natürlich auch so ein Auftrag ist, den ich mir dann selber auch setze. Also von daher ist es so eine Mischung aus verschiedenen Themen. Ich habe selber auch eine eigene persönliche Psychotherapie gemacht. Die endete dann in einer therapeutischen Ausbildung, psychotherapeutischen Ausbildung, die ich durchlaufen bin. Ich bin aber prinzipiell eigentlich kommt aus Management, das heißt, ich habe in dem Startup nicht engagiert und investiert, das Technologien entwickelt, über Ton, Frequenz, Stimulation erzeugt und wo ich auch noch heute noch drin bin, und da bin ich eingestiegen und dann habe ich, bin ich in das Coaching gerutscht, in Speaker Tätigkeit übernommen, habe Profi Sportlerinnen kennengelernt, mit denen ich dann gearbeitet habe und so bin ich immer mehr und mehr mehr mehr reingerutscht. Und ja, habe mich so ein bisschen auch verliebt in das Thema, weil es eine Mischung ist aus ja riesengroßes Thema, wichtiges Thema, ein sehr beeinflusste Thema, ein sehr menschliches Thema, ein sehr emotionales Thema.

00:02:45
Julia Kaffka: Das wirklich auch jeden betrifft. Ja, ja, tatsächlich. Genau. Wie muss ich mir das denn vorstellen? Was macht denn ein Coach eigentlich genau?

00:02:53
Christoph Malsburg: Er coacht Menschen zum Thema Schlaf, also wie viele Dinge auch. Es ist ja immer so, bei allen anderen Themen ja auch. Du guckst, was da ist zu einem bestimmten Thema, machst eine Art von Ausgangssituation, Analyse und wie du den Menschen dann helfen kannst, auf dem Weg dahin irgendwann besser zu schlafen. Das ist wie beim Sport und bei der Ernährung auch das ist kein Ich mach jetzt das und dann läuft, sondern jeder muss einen Weg finden und jeder hat seine Themen, jeder hat seine Problemchen und ich helfe den Menschen im Prinzip auf dem Weg dahin immer eins zu eins. Aber auch im Großen. Wenn ich Vorträge halte, versuche ich natürlich auch, Menschen zu beeinflussen, auf den Weg zu bringen. Das ist für mich auch ein Coaching, weil ich Impulse setze, weil ich versuche, Akzente reinzubringen. Dass die Leute nicht nur darauf kommen, dass sie ein Sixpack haben oder jetzt alle wirklich vegan essen. Also nichts gegen Sixpacks und vegan essen natürlich. Es ist nämlich auch vegan. Aber es ist ja nicht alles.

00:03:44
Julia Kaffka: Absolut. Fangen wir mal an der Basis an für viele. Man muss ja auch erst mal verstehen, wie funktioniert denn Schlaf eigentlich? Denn da spielen ja auch eine ganze Menge Botenstoffe zum Beispiel auch eine Rolle beim Thema Schlaf. Wie funktioniert das?

00:03:58
Christoph Malsburg: Ja, Botenstoffe. Ja, ich lass die mal ein bisschen außen vor, weil da gehen wir schon sehr tief rein. Das ist ja, es gibt Botenstoffe, Botenstoffe gibt es den ganzen Tag, die gibt es verschiedene Themen, die gibt es auch in der Nacht. Also natürlich gibt es dezidierte Stoffe, die das unterstützen. Prinzipiell muss man erst mal verstehen, dass Schlafen Zustand ist, der bedeutet, dass wir von der Natur ganz bewusst in einen Zustand versetzt werden, der so aufgesetzt ist, dass der Körper das tun kann, was er nämlich tun möchte, nämlich das Regenerieren. Unsere Regeneration findet im Prinzip hauptsächlich oder fast nur in der Nacht statt. Wir können tagsüber nicht regenerieren. Wenn ich jetzt mit dir rede, kann ich nicht regenerieren. Wenn ich irgendwas tue, wenn ich nicht regulieren, auch wenn ich am Schreibtisch sitze und arbeite, kann ich nicht regenerieren. Das heißt, wir reden erst mal von einem Zustand. Dieser Zustand ist von außen her sehr passiv, wie wir alle wissen. Er ist aber ein sehr aktiver Zustand. Das heißt, es passieren unheimlich viele Dinge, die wir mitbekommen, weil. Der die Natur uns, wie gesagt, in den Zustand der Ruhe und des Schlafes, also des Weg Seins, des im Tunnel Seins, des Passiv Seins bringt, damit Abläufe ablaufen, die halt ganz bewusst nur dann funktionieren, wenn wir in im Zustand sind. Das heißt es passieren Abläufe, die in uns drin ablaufen, wie Hormon Ausschüttung in Wachstumshormone, Regeneration von Haut, von Muskeln, von Knochen. Gehirn wird wird im Prinzip gereinigt, Informationen werden verarbeitet. Das passiert unheimlich viele Prozesse in uns drin, die sehr sehr aktiv sind, die aber dadurch das wir im Schlafzustand sind nicht sichtbar sind, aber ganz bewusst natürlich nur dann ablaufen, wenn der Körper in einem Ruhezustand ist. Das heißt, es ist ein äußerlich passiver Zustand, der aber sehr aktiv ist und der ganz, ganz bestimmte Aufgaben hat, die dazu führen, dass das, was wir am Tag davor erlebt haben, in der Nacht so verarbeiten, dass wir am nächsten Tag von neuem starten und die Energie haben, auch genauso intensiv den Tag wieder zu erleben.

00:05:59
Julia Kaffka: Das bringt die Wichtigkeit dieses Themas eigentlich schon ziemlich auf den Punkt, denn Schlaf ziehe ich jetzt mal aus. Dieser Antwort ist für die Gesundheit extrem wichtig, oder?

00:06:08
Christoph Malsburg: Ja, so ist es. Klar muss man sich ernähren und klar sollten wir uns bewegen. Ich finde den Schlaf nicht nur weil ich mich mit dem Thema beschäftige, eigentlich am wichtigsten von den dreien. Zumindest im Moment. Aber weil der Schlaf auch nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommt und weil der Schlaf sehr zeitgemäß ist. Weil du kannst Schlaf nicht mit Druck machen, du kannst essen, kannst du planen, du kannst dir gewisse Dinge hinlegen. Dann ist mit ein bisschen Disziplin, du kannst schlafen gehen. Du kannst aktiv das gestalten, dass du Dinge tust, die dann wiederum im Sinne der Ernährung und der Bewegung für dich dann sozusagen positiv wirken. Im Schlaf ist es so Je mehr Druck du drauf bringst, umso schlimmer wird es, umso mehr du versuchst, es richtig zu tun und zu schlechter wird es. Das heißt, dieses Umgehen mit Schlaf ist zeitgemäß, weil wir uns nicht nur ne Pille schlucken können oder nicht sagen können okay, super, ich mache das jetzt ganz diszipliniert, jetzt das Fitnessstudio und ich esse vegan, sondern es geht ums Loslassen. Wir müssen gehen lassen, wir müssen abgeben, wir müssen Verantwortung abgeben. Wir müssen mit uns selbst uns beschäftigen. Wir müssen nach innen gehen. Das sind Themen, die sehr zeitgemäß sind. Deswegen finde ich den Schlaf sehr, sehr wichtig. Und zweitens Du kannst noch so viel trainieren, du kannst noch so viel essen, wenn du nicht schläfst. Bringt beides nichts. Du kannst. Du kannst dich anders ernähren. Du kannst dich ein bisschen weniger. Nein, du kannst mehr oder weniger Bewegung machen. Egal. Das kriegst du irgendwie hin. Aber ohne Schlaf. Auch mit zu wenig Schlafenszeit wird es nichts.

00:07:39
Julia Kaffka: Okay. Ja, da sind wir eigentlich schon. Quasi an der Wurzel. Wie bringe ich mich denn dazu, loszulassen? Ich kenne das selbst. Ich habe öfter auch mal Frühschicht beim Radio und ich gehe normalerweise um elf ins Bett zwischen elf und zwölf. Und dann muss ich plötzlich um neun im Bett liegen und schlafen. Und dann passiert nämlich genau das, dieses Gedankenkarussell. Man liegt da und denkt So, jetzt musst du schlafen, du hörst die Glocke um 21:15, dann die um 21:30 und das geht so bis um zehn und dann stresst man sich noch mehr wie wie komme ich denn da hin, dass ich wirklich in diese Ruhe auch reinkomme?

00:08:14
Christoph Malsburg: Also wenn ich mit dem Thema Schlaf arbeite, rede ich meistens nicht über die Nacht, sondern vielleicht über den Tag. Also eigentlich beschäftige ich mich nicht mit der Nacht in dem Sinne, weil die Nacht ist. Der Schlaf ist im Prinzip etwas, das ist schön, aber du musst nichts tun. Nein, eigentlich der Schlaf total einfach. Ich muss ihn in Ruhe lassen.

00:08:33
Julia Kaffka: Ja.

00:08:34
Christoph Malsburg: Der Schlaf im Prinzip braucht dich nicht. Der braucht deine Gedanken nicht. Der braucht nichts von dir. Der will nur, dass wir in Ruhe lässt wird, der kann, dass Schlaf ist sehr intelligent. Also das ist der Prozess des Schlafs. Das heißt, alles, was wir tun können, um Schlaf zu verbessern, können wir eigentlich in einem bewussten Zustand steuern, so dass du abends nicht runter kommst, um zu schlafen. Es ist kein Schlafprobleme. Sondern es ist ein Problem, dass du nicht runter kommst. Also. Hm. Na so, das heißt, du bringst deinen Tag nicht so zu Ende, dass du ihn so verarbeitet, dass du abends in Ruhe entspannt. Sonntag losgelöst, alles verarbeitet hast, in Ruhe spät ist und schlafen kannst du kannst nicht loslassen du bist engagiert sein sorgen, dass themen du bist beschäftigt und das hält dich davon ab, einen zu schlafen, wenn du dann schläfst. Schläfst du erst mal? Es gibt natürlich gestörte Schlaf und es gibt auch verschiedene Kraft. Und es gibt auch nachts verschiedene Schlafstörungen. Okay, aber bis du die Augen zu machst und schläfst. Ist es dein Problem, dass du es nicht schaffst, dein Tag so zu organisieren, dass du abends in Ruhe ins Bett gehst? Das würde ich erst mal nicht zurückspielen.

00:09:47
Julia Kaffka: Oder kurz sagen. Das heißt im Umkehrschluss quasi. Mein Tag muss besser laufen. Ich muss meinen Tag irgendwie besser managen. Dass ich nachts auch besser schlafen kann. Genau.

00:09:59
Christoph Malsburg: Oder?

00:09:59
Julia Kaffka: Ja. Okay.

00:10:00
Christoph Malsburg: Das kannst du nicht. Es gibt ja so Leute, die dann sagen. Also ich habe das öfter mal, dass Leute zu mir kommen. Und wenn ich dann im Bett liegen, dann kommen so Gedanken. Dann wird der Tag entkoppelt. Dann sage ich Wir sind jetzt auf den Gedanken gekommen, so kommt das. Von überall kommen diese Gedanken. Mensch, was sind das denn von überall so Gedanken? Das klingt ganz mysteriös. So, das sind die, wenn die Leute das erste Mal im Bett liegen und zur Ruhe kommen wollen. Geht es los und kommen die Emotionen hoch und die Gedanken, Emotionen und Gedanken. Zulassen solltest du den ganzen Tag. Also sollten wir alle sowieso nachmittags abends anfangen. Das heißt, wir verdrängen den Tag und verdrängen Emotionen und verdrängen Gefühle. Kommen die abends oder in der Nacht im Traum so? Das ist aber vom Schlaf entkoppelt. Das heißt, wir leben nicht so den Tag, dass wir abends zufrieden und irgendwie entlastet ins Bett gehen.

00:10:53
Julia Kaffka: Okay, das heißt, ich muss den Tag irgendwie ändern und muss wahrscheinlich auch irgendwie so ein Puffer irgendwie dazwischen zubringen zwischen diesem ganzen Stress, weil ich meine, den Alltag können wir nicht weniger stressig machen, an manchen Stellen wahrscheinlich. Wir sind in unserem Job und müssen da auch funktionieren.

00:11:08
Christoph Malsburg: Absolut, absolut. Ich würde niemand vorwerfen, irgendwie stelle ich mich so an oder kriegt es schon hin oder so natürlich. Das ist eine Riesenaufgabe, gerade wenn man Kinder hat zum Beispiel. Die sind nun mal um 6:30, keine Ahnung, wann immer am Sonntag morgens da und wollen Spaß haben und man liest oder das ist dann so, aber nicht. Nichtsdestotrotz, es ist, es ist unsere ureigenste Aufgabe. Du hast nur dich. Du kannst dich nur um dich kümmern. Niemand wird dir sagen Julia, nimm dir doch Zeit. Erst mal vor dem Zubettgehen. Schatz, brauchst du noch was, damit du runterkommen kannst? Sondern Nein, du musst dich darum kümmern. Das heißt, was brauchst du? Fort. Ins Bett gehst. Was dazu führt, dass du. Zufrieden und beruhigt in Belgien kannst. Die Frage stelle ich dir im Coaching.

00:11:52
Julia Kaffka: Okay. Gibt es denn da auch irgendwelche Dinge, die so bei jedem funktionieren? Oder wo du sagen würdest, das ist jetzt mal so ein Ansatzpunkt für Leute, die da irgendwie Probleme mit haben? Also es gibt ja ganz oft liest man mit Tee oder vielleicht Meditation oder was auch immer, da gibt es ja scheinbar viel um diese, ich sag mal Schlaf Hygiene irgendwie zu pushen.

00:12:18
Christoph Malsburg: Also ich bin kein Fan. Also ich werde dir nicht sagen, was bei allen funktioniert, aber ich kann bei dem einen sagen, wenn ich jetzt sage, zum Beispiel draußen, also ich werfe jetzt hier meine Runde, macht alle Meditation, gibt es eine Meditation. Das funktioniert bei mir nicht über Tee trinken, ich trinke abends mein Rotwein. Also es geht nicht darum, dass du von mir ein Tipp bekommst. Es geht darum, dass ich dich dazu bringe, dass du verstehst, warum du den Schlaf brauchst und Wasserläufe tun muss, damit du gut schlafen kannst. So kann ich dir gewisse Dinge in die Hand geben. Also ich würde dir jetzt zum Beispiel wenn ich mit dir arbeiten würde, müsste ich mehr verstehen. Und könnt ihr dann sagen wir es mal damit so, aber prinzipiell was. Mal ganz gut funktioniert. Für Menschen, die es nicht schaffen, abends so runterzukommen, ist mal zu sagen Wenn ich. Ungefähr um elf ins Bett gehe. Dann stelle ich mir mein Wecker und mein Handy Wecker auf 09:30. Abends erklingt er um 09:30 wieder. Dann weiß ich, in anderthalb Stunden will ich daliegen und schlafen. Also einschlafen, nicht im Bett liegen und so, sondern da nicht schlafen. Und was mache ich bis dahin? Ganz ehrlich? Was mache ich dann? Was dazu führt, dass ich dann ruhig im Bett liegen kann. Wenn jeder ganz ehrlich zu sich ist. Dann wird es einiges verändern. Oft schon. Einfach mal nicht Fernsehen gucken, weil jeder weiß, wenn ich Fernsehen gucke. Natürlich schlafe ich ein beim Fernseher. Entweder bin ich zu spät, weil ich muss im Bett liegen. Eigentlich jetzt. Es gibt ja auch immer das Argument, ich schlafe beim Fernseher so gut ein. Natürlich schläfst du sowieso ein, schläfst um die uhrzeit, also ganz egal. Im Fernsehen guckst du dann nicht, du schläfst allein. Und wenn die schläfst, nur ein, ob der Fernseher läuft oder nicht. Das hat im Fernseher nichts zu tun. Also, wir müssen es schaffen, ehrlich zu uns zu sein. Was brauchen wir, um abends. Zu uns zu finden. Wir finden nicht zu uns. Leute stehen auf. Der Wecker klingelt. Und schlafe im Hörspiel ein. Die haben keine einzige Sekunde Ruhe. Die Menschen halten die Ruhe nicht aus. Weil die so viel beschäftigt, dass sie verdrängen. Fernsehen gucken ist Verdrängen. Fernsehgucken ist Drogen.

00:14:23
Julia Kaffka: Berieseln.

00:14:24
Christoph Malsburg: So sagt man nicht mehr Fernsehgucken. Man übrigens, das hat man jetzt alles über Amazon. Ich gucke kein Fernsehen. Netflix. Oh, okay. Sie flitzen. Okay, dann.

00:14:34
Julia Kaffka: Ganz was.

00:14:34
Christoph Malsburg: Anderes, das ich. Super rein, damit Sie Netflix gucken. So ruhig. Vier Stunden Film, dann ist ja alles okay. Also, das ist so wir finden immer Ausreden. Das meine ich im mit dem Teetrinken, mit der Meditation. Wir finden immer Ausreden. Ja, das ist für mich Fasten. Ich glaube nicht an Meditation. Dann kriege ich diese Argumente. Wichtig ist. Was mache ich die letzten anderthalb Stunden, bevor ich zu Bett ging? Was brauche ich heute Morgen?

00:14:57
Julia Kaffka: Das kann man so mal als Richtlinie sehen, dass man sagt Also anderthalb Stunden sind ganz gut vorher, ja, dass man runterkommt. Aber ich kann aus meinem.

00:15:06
Christoph Malsburg: Weg genau stricken und bügeln. Ich schreibe manchmal noch Emails, weil ich weiß, wenn ich die mit ins Bett nehme, dann schreibe ich noch zwei Emails. Weil ich weiß, wie die raus sind, fühle ich mich gut. To Do Listen, etwas to do Liste schreiben, eine warme Dusche nehmen, mit einem Partner quatschen, noch ein Freund anrufen, um irgendwas zu erzählen, damit es raus ist. Spazieren gehen und aus dem Fenster gucken. Es ist 1000 Sachen. Also es gibt so viele Sachen außerhalb Fernsehen gucken und Elend Smartphone runterladen, weil das ablenkt.

00:15:38
Julia Kaffka: Vielleicht kann man es, wenn man keine allgemeinen Tipps geben kann, weil es einfach nicht bei jedem gleich funktioniert. Kann man wahrscheinlich aber im Umkehrschluss sagen, was die Leute tatsächlich abhält, davon zur Ruhe zu kommen. Das sind so Sachen wie Fernseher, das ist wahrscheinlich auch noch im Bett liegen Ewigkeiten und am Handy herum daddeln. Vermutlich Instagram. Und wie es nicht heißt. Genau. Alles ist ziemlich aufregend. Da hilft wahrscheinlich auch nicht, dass ich bei mir um 22:00 der Bildschirm etwas abdunkeln. Und das.

00:16:05
Christoph Malsburg: Das ist es natürlich dann auch, aber es wird nicht die Lösung sein. Es gibt da Leute. Das sind genau diese Themen. Ja, super, jetzt mache ich einen Bildschirm und da macht dann so ein Blaulicht Filter rein und dann schlafe ich besser. Das ist natürlich blöd. Also eh klar hilft das. Es gibt viele Bausteine. Man kann auch gewisse Dinge weglassen, kleinere Sachen. Man kann es essen, zu einem anderen Zeitpunkt legen etc. Das hat alles so seinen Einfluss, dass jeder musste so sein Setting zusammensuchen. Was ist für mich gut? Jeder hat sein Setting. Ja, ich kenne. Es gibt so viele Geschichten rund um den Schlaf, wie Leute hier ihren Schlaf leben und ihren perfekten Weg gefunden haben. Das würde ich niemandem aufdrücken wollen. Das wäre Schwachsinn.

00:16:47
Julia Kaffka: Okay. Gibt es denn aber grundsätzlich eine Zahl, die man nennen kann, die jedem gut tut an Schlaf? Da gibt es ja auch immer wieder diverse Studien und so sind es acht Stunden sind sechs Stunden, sind sieben. Andere erzählen dann Ich brauche nur vier oder fünf und bin topfit. Gibt es da irgendwas, das man sagen kann? Okay, jetzt hier. Der Experte sagt mir Bitte versuche acht Stunden zu schlafen. Wahrscheinlich nicht, oder?

00:17:13
Christoph Malsburg: Ist auch Ich bin kein Experte, um Wissenschaft zu zitieren oder im Prinzip die Sachen zu wiederholen, was die Wissenschaft sagt. Also die Wissenschaft gibt dir eine Zahl. Und bringt gar nichts. Es gibt Durchschnittswerte Wie viel schlafen Menschen im Schnitt so? Aber dann gibt es den Faktor, wie gesagt, dass es Leute gibt es. Ich komme mit vier aus. Das machst du vielleicht zehn Jahre. Und dann fällst du um oder nicht?

00:17:41
Julia Kaffka: Ist es nicht gesund, oder?

00:17:42
Christoph Malsburg: Es gibt Menschen. Es gibt sehr wenige Menschen, die kommen mit vier Stunden aus. Ja.

00:17:47
Julia Kaffka: Ich.

00:17:48
Christoph Malsburg: Ich kann doch auch wenn ich jetzt sage, wir sollten ungefähr im Schnitt und es sagt man, wenn du jetzt unbedingt geteilt werden möchtest, zwischen siebeneinhalb, acht Stunden schlafen. So, das würde ich aber niemandem empfehlen, der genauso gut mit fünf Stunden auskommt. Also es wäre Blödsinn, weil dann so unsere Schlafrhythmus, unsere chronologischen Themen sind genetisch veranlagt. Es gab 2017 einen Nobelpreis dazu, der herausgefunden hat, wo unsere Chronobiologie verankert ist. Das sind ungefähr 20 bis 22 Gene. Fünf davon kann man mittlerweile detektieren und kann rausfinden, wo der chronologische Rhythmus ist. Der ist genetisch festgelegt. Den kannst du nichts tun, der ist, wie er ist. Wenn da jemand kommt, vier Stunden aus. Das sind so Sprüche in dem Sinne Also ich will niemandem was, aber das ist so, das redet man sich ein. Nein, es ist faktisch festgelegt, wie dein chronologischer Rhythmus ist. Entweder akzeptierst ihn, lebst danach, dann bist du in deinem Flow, wenn es einen möchtest, oder du ignorierst ihn und. Na, irgendwann fliegt sie um die Ohren.

00:18:49
Julia Kaffka: Wie finde ich denn raus, was mein. Ich kriege das Wort nicht zusammen. Chrono biologischer Rhythmus. Habe ich das richtig verstanden?

00:18:55
Christoph Malsburg: Chronobiologie ist das, was ich bin.

00:18:57
Julia Kaffka: Raus.

00:18:58
Christoph Malsburg: Das ist das was? Was unsere und unsere innere uhr, unseren Takt vorgibt. Das kriegst du raus. Und verschiedene Methoden. Entweder wenn in Urlaub fährst, gehst du mal nicht nach Wecker ins Bett, sondern du gehst nach. Ich bin jetzt müde. Geh jetzt ins Bett und ich steh auf, wenn ich aufwache. So, du sagst nicht bis Sonntag 8:00. Ich will weiter pennen und versucht zwei Stunden noch weiter zu Schnaps. Geht aber nicht. Weil es einfach nicht in dem Rhythmus ist. Und wenn du dann das nach einer Zeit irgendwie merkst. Dann wiederholt sich. Dann merkst du mit der Zeit auch Ich bin immer um 10:00 müde. Dann sagt man ungefähr, man hat dann 20 Minuten Zeit, um dann auch zu schlafen, weil dann kommst du wieder in einen Rhythmus, der dich wieder wacher macht. Das sind diese Zyklen, da kann man vielleicht noch mal gleich drauf kommen. Jedenfalls mach das mal und du wachst morgens einfach ohne Wecker dann immer zur gleichen Zeit auf. Das ist dein Rhythmus und der ist in dir. Den brauchst du nicht zu steuern, mein Wecker, sondern der steuert dich, wenn du ihn gehen lässt. So, da gibt es Fragebögen, also kann man auch mal googlen oder mich mal anschreiben. Es gibt Fragebögen oder es gibt jetzt einen Test. Habe ich auch bei mir auf der Seite verlinkt. Das ist ein Gentest, den kann man machen von der Charite, auch ausgegliedert in Berlin, dessen Firma, die das macht. Dann kriegst du einen Bonus und so ein Bogen. Und da steht dann drin, ist ein hartes Prinzip. Und da wird dann festgestellt, was genau dein chronologischer Zeitpunkt ist, wann du was tun solltest.

00:20:20
Julia Kaffka: Okay, spannend. Es kommt aber wahrscheinlich aber dann auch darauf an, wann ich ins Bett gehe. Oder wenn ich nachts um zwei im Bett gehe und normalerweise irgendwie um 7:30 aufwache. Dann werde ich wahrscheinlich später dann auch aufwachen. Also da geht es ja wahrscheinlich darum, dass mein Körper sich dann die Stunden nimmt, die er braucht, oder?

00:20:38
Christoph Malsburg: Also mein Körper oder unser Körper nimmt sich die Stunden, die er braucht, weil er in seinem System verankert, welchen Schutz Schlaf verbraucht und zu welchem Zeitpunkt er die bekommt. Also es gibt Leute, die gehen um zwei ins Bett und stehen um zehn auf. Die können sich vielleicht noch leisten, aber zumindest das ihr Rhythmus so also unser Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir diese Gleichförmigkeit so schön lieben und dass wir sie brauchen, um Produktivität zu erzeugen. Anscheinend, dass wir glauben, dass wenn Kinder morgens um acht da sind, sind sie fleißig. Wenn wir alle morgens um acht am Bürotisch sitzen, sind wir fleißig. Dann ist der Chef glücklich und der Chef kommt um 5:08, damit auch alle mitkriegt, dass alle schön brav da sind. Ich sage das bewusst so zynisch, weil es halt totaler Blödsinn ist. Ich hab so viele Leute. Welche Frage war ein bisschen schon um 8:00 berührt? Woran es bei uns so warum, weiß ich war schon immer so? Was, wenn du nicht um acht kommst? Wir gucken alle doof. Ja, das ist totaler Schwachsinn. Genauso wie mit den Kindern. Das ist totaler Schwachsinn. Das Zwick immer glauben, dass wir nur fleißig sind, wenn gut sind wir. Wenn wir pro Einheit Arbeit Maximum Ergebnisse erzeugen. Wann? Das ist völlig egal. So, das heißt, wir haben alle unterschiedliche Rhythmen und die müssen wir hier akzeptieren und nicht uns in unseren Schema pressen. Das ist unser großes Problem.

00:21:52
Julia Kaffka: Es ist ein gesellschaftliches Problem, aber grundsätzlich total. Also viel Schlaf, schlechtes Image. Man ist unproduktiv, wenn man länger schläft. Und schlafen kannst du, wenn du tot bist. So ungefähr. Diese Sprüche kennt man ja.

00:22:04
Christoph Malsburg: Es ist wissenschaftlich so eindeutig, dass man zum Beispiel im Mittagsschlaf, das heißt so Produktivität fördernd ist. Und darum geht es ja. Wenn der Müller aus der Buchhaltung in seinem Glas Büro, in dem er sitzt, mit dem Kopf auf dem Tisch, eine halbe Stunde schläft, ist er eigentlich wissenschaftlich gesehen ganz weit vorne. Gesellschaftlich der Looser.

00:22:27
Julia Kaffka: Ja.

00:22:28
Christoph Malsburg: Das ist totaler.

00:22:29
Julia Kaffka: Schwachsinn. Teilweise schon ein bisschen. Wenn man so in die USA teilweise guckt. Da gibt es ja dann auch schon langsam so paar Konzepte und Unternehmen, die dann so Räume für die Mitarbeiter, aber da ist noch super viel Luft nach oben, habe ich auch den Eindruck, weil es ist, man muss funktionieren und es ist egal, ob man gerade in seiner Hochphase ist oder nicht. Es gibt ja Leute, die sind morgens wahnsinnig produktiv und dann gibt es welche, die abends völlig eskalieren und super Arbeit abliefern. Genau. Wenn sie dann gelassen werden, ja, quasi.

00:22:57
Christoph Malsburg: Beim Essen und beim Sport ist es etwas anderes, wenn einer sagt Ich geh jetzt mit der Sport, was muss Sport? Du bist ja auch nicht ein Loser.

00:23:05
Julia Kaffka: Oder im Gegenteil, oder.

00:23:06
Christoph Malsburg: Ich esse jetzt mal nix oder so oder so, dann ist mir das okay. Echt so krass und so beim Schlafzimmer. Du schläfst. P So, also das ist dann auch in den Workshops immer so Gekicher, wenn der Student sagt Ach ja, höre die die Studenten, die dann wie Praktikum machen, so, ich komme werden spät, dann ist es Silvia, die Studenten und die kommen auch noch dazu, die irgendwann sind ja auch auf Spur, so die Jungs. Die Jungen haben so gekichert. Aber im Prinzip muss man die Untertöne immer heraushören. Was das ist, warum wir so denken, sind und darum geht es beim Schlaf halt oft, also wirklich nicht den Leuten zu sagen Mach jetzt das und mach das und mach das und schläfst. Sondern zu sagen Ey, denk mal nach, guck mal auf dich, guck mal auf uns. Was heißt denn runterkommen? Was heißt Schlaf? Was heißt dich auszuklinken? Was heißt Schlaf auch auf Zeit zu denken? Also ein Sixpack bringt dir nix, wenn du 15 Jahre nicht gut schläfst, weil dann kriegst du nämlich Sachen wie Und dann geht es nämlich los, Herz, Kreislauf. Da kriegst du einmal diabetischen Probleme. Man weiß, dass Diabetes Typ zwei hauptsächlich durch Schlafprobleme erzeugt wird. Alles was mit Demenz und der ganzen Zeit weiß man auch, dass ich das mit Schlaf problem. Also viele Effekte, die hinten raus problematisch werden, sind aufgrund von schlechtem Schlaf entstanden. Nur es wird dem Schlaf nicht mehr zugeordnet. Und das ist das Problem. Wir glauben er hat schon in den Griff. Mein Schlaf ist wieder gut, ne? Schließt du nicht.

00:24:34
Julia Kaffka: Man muss aktiv auch was dafür tun. Also, es wird uns wahrscheinlich nicht zufallen. Klar, man auf der einen Seite die Biologie und wenn wir uns dagegenstellen, ist es wahrscheinlich eher schwierig. Genau aus welchen Gründen auch immer. Du hast vorhin auch schon angesprochen, dass wir in Phasen schlafen. Meinst du da diese REM Phasen, von denen man ja immer wieder mal hört?

00:24:54
Christoph Malsburg: Ich mein Phasen Schlafphasen. Okay, die schlafen sich in verschiedene Phasen, auch die Phase. Also es gibt die Tiefschlafphase, es gibt die REM Phase, es gibt leicht zwischen Phasen, also das sind anderthalb Stunden Zyklen, die haben wir auch tagsüber, wir haben, wir bewegen uns auch in Anzahl Stunden Zyklen. Tagsüber und in der Nacht ist es halt sehr ausgeprägt, weil wir nachts in den Phasen schlafen, von Tiefschlaf in REM Phasen leicht Schlaf wieder runter, rauf und runter und in diesen Phasen passieren einfach unterschiedliche Dinge und in der Tiefschlafphase bist du viel. Also da ist der Körper normaler Zustand, weil Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Wir lernen anders und dekoratives Lernen funktioniert, zum Beispiel Tiefschlaf. Die Regeneration ist intensiviert, die körperliche Regeneration ist intensiviert eher im Tiefschlaf. Wenn Phase ist eher der unruhigen Schlaf, Träume, Gedanken etc., die uns auch mal aus dem Schlaf rauswerfen, was mal sein kann. Man kriegt mehr mit, man isst, wird schnell auch mal geweckt. Also im Tiefschlaf ist sehr oft so, da kannst du mit dem Staubsauger vorbeiziehen, man wacht nicht auf. Ja, das ist ganz bewusst okay. Man muss auch ganz bewusst am Anfang des Schlafs und die ersten vier, fünf Stunden des Schlafes mehr Tiefschlaf, weil hintenraus wirst du immer mehr geweckt. Das heißt, wir haben am Ende des Schlafes die letzten Stunden nicht mehr so viel Tiefschlaf, weil wir schon langsam in einen schleichenden Wachzustand kommen. Das ist alles festgelegt, dargelegt und hat alles seine Aufgabe. Und weil du am Anfang davon gesprochen hast, werden auch in verschiedene Phasen unterschiedlich Hormone ausgeschüttet, die dann zu bestimmten Effekten führen. Also die ganz Hormon Steuerung ist jetzt auch dann ein Bereich des Schlafes.

00:26:36
Julia Kaffka: Das heißt die Tiefschlafphase, wenn ich das richtig verstehe, ist schon wichtig. Also man sollte schon auch eine ganze Weile in dieser Tiefschlafphase verbringen, weil man da am meisten regeneriert.

00:26:46
Christoph Malsburg: Ja, die Tiefschlafphase ist sehr wichtig.

00:26:48
Julia Kaffka: Es gibt haben ja nicht alle so eine. Also mal wieder machen, checken das mit der uhr und sehen dann Oh, Tiefschlaf war jetzt irgendwie nur heute Nacht, keine Ahnung. Eine Stunde.

00:26:56
Christoph Malsburg: Ja, das sollten wir gleich auch noch mal drauf kommen. Auf diese Ohren. Aber ne, der Tiefschlaf ist schon wichtig. Die Leute sagen, das ist der wichtigste Schlaf und die wichtigste Zeit des Schlafs. Ja, es kommt immer drauf an, auch was, was, wie man konstituiert ist und was gerade passiert. Und manche Leute haben intensiveren Tiefschlaf auch als andere und so, das muss man immer so ein bisschen einschränken. Aber ja, der ist schon sehr, sehr wichtig. Das stimmt.

00:27:18
Julia Kaffka: Okay, du hast die uhren gerade angesprochen. Ich höre da raus. Das klang, als wärst du nicht so der große Fan von solchen uhren.

00:27:25
Christoph Malsburg: Doch, ich.

00:27:25
Julia Kaffka: Bin. Also, ich habe keine Ahnung.

00:27:27
Christoph Malsburg: Okay.

00:27:29
Julia Kaffka: Ich wollte es immer mal ausprobieren, aber habe es noch nicht gemacht.

00:27:32
Christoph Malsburg: Ich bin ein Fan von Technologie, wenn man sie richtig anwendet als Technologie. Gut, ich finde es auch im Schlaf gut und eigentlich, wie gesagt, habe ich auch in Unternehmen investiert, dass das Technologie, also Technologie nutzt, um Schlaf zu fördern. Von daher. Nur, es ist immer die Frage, kann die Technologie wirklich nachweislich was also können diese uhren, diese Tracker überhaupt messen? Das Spektrum des Schlafs gibt nicht fünf, sechs verschiedene Aspekte, die man messen muss. Das können diese uhren oft gar nicht. Also Sauerstoffsättigung zum Beispiel wie zum Paar Meter die Temperatur, Puls, Sauerstoffsättigung etc. Das sind so verschiedene Dinge und es können nicht alle uhren so, das heißt, die uhren können das gar nicht den Schlaf richtig bewerten. Und dann ist die Frage Was mache ich dann? Dass die Leute zu mir sagen Also ich hab noch 10 % Tiefschlaf, ich werde so 15 kommen, es mache ich. Zuletzt habe ich es dann fast schon gesagt. Ich muss auch grinsen. Es ist so Ja, was heißt denn das jetzt? Das heißt, woher wissen Sie, ob die Chemie stimmt?

00:28:30
Julia Kaffka: Anfangen? Ja.

00:28:31
Christoph Malsburg: Die kann nicht für den Anfang ein, zwei Gegenfragen und des Themas vom Tisch.

00:28:35
Julia Kaffka: Also das macht man sich wahrscheinlich nur noch mehr verrückt.

00:28:38
Christoph Malsburg: Genau nach dem. Verrückt. Dieses steuern von. Das ist akkurat steuern bevor. Ich habe meinen 50 % Tiefschlaf 25 rem aber ich bin perfekt in Timing so irgendetwas passiert. Zack bin ich raus. Ich bin nur noch auf 12 % und das ist die Hölle. Das Wichtigste ist, dass wir Gefühl von zu schlafen.

00:28:57
Julia Kaffka: Und das braucht Raum und am besten vor dem Schlafen.

00:29:00
Christoph Malsburg: Genau Aufmerksamkeit und Gefühl dafür. Auch dieses Weg auf den Wecker gucken in der Nacht, wenn ich nachts aufwache. Ich weiß nicht, ob ich noch weiterschlafen will oder ob ich nur auf Toilette muss und ich auf Toilette und schlaf weiter, weil ich merke, ich bin noch so weg. Ich bin doch gar nicht wach. Wenn ich morgens aufwache, merke ich schon okay, ich penne jetzt auch nicht mehr weiter, weil ich bin jetzt irgendwie wach geworden und so, egal. Wenn der Wecker klingelt, ist jetzt morgen und ich habe die uhr, dann sind es meistens nur noch fünf zehn Minuten. Bis zum Wecker gehen kann ich auch aufstehen? Darum geht's nicht um Perfektionismus.

00:29:35
Julia Kaffka: Okay, das klappt bei dir persönlich. Du müsstest ja einen perfekten Schlaf haben. Hoffentlich.

00:29:41
Christoph Malsburg: Nein, habe ich nicht.

00:29:42
Julia Kaffka: Meistens.

00:29:42
Christoph Malsburg: Ich bin ja auch nur ein Mensch.

00:29:43
Julia Kaffka: Also Gott sei.

00:29:46
Christoph Malsburg: Dank ist ja die Regel. Es gibt ja auch so die Ärzte, die immer sagen Ja, sie brauchen offen gesehen ins Zimmer quarzen erst mal zwei. Aber das gibt es ja auch oft. Also ich rauche nicht und das ist ich, habe ich auch meine Themen und meine, meine, meine Sachen. Und ich bin auch nicht perfekt in dem allen, aber ich, ich kann es einschätzen und ich mache mir keinen Stress.

00:30:08
Julia Kaffka: Na dann. Ich vermute mal, dass es menschlich, dass wir alle auch Phasen haben, wo man einfach mal nicht so wahnsinnig gut schläft und wo man es vielleicht nicht so super gut im Griff hat. Aber was ist denn, wenn ich mit all dem nicht zurande komme? Also wenn ich das jetzt alles, wenn ich meinen Weg finde und versuche runterzukommen und habe immer noch Schlafprobleme, was, was ist dann die Option? Gehe ich dann zum Arzt, brauche ich Schlaftabletten oder wie geht man.

00:30:33
Christoph Malsburg: Also am.

00:30:34
Julia Kaffka: Besten mit oder.

00:30:34
Christoph Malsburg: Intensiv Schlafprobleme hat sollte sowieso mal, also erst mal checken. Also erst mal vom Arzt Check up machen lassen und sagen okay, ich möchte gerne mal die paar Meter, die mein Schlaf beeinflussenden Hormone und blutender Kreislauf und sowas alles mal checken lassen, um zu sagen Ah, okay, da ist ein Thema. Also es gibt auch oft Schlafprobleme, Schlaf, Themen, die sind einfach, einfach rein biologischer Natur. Das heißt, Prozesse in der Nacht sind gestört. Also wenn ich, wenn ich Probleme habe, gewisse Prozesse durchlaufen zu lassen. In der Nacht wird mein Schlaf natürlich gestört, weil der Schlafrhythmus gestört wird, logischerweise. Also das würde ich auf alle Fälle dann mal machen. Ich würde mal meinen. Mein. Mein ganzes schlaf umfeld. Mein bett. Nein. Wie schlafe ich? Was habe ich im Schlafzimmer? Wie verhalte ich mich vor dem Schlaf? Wie gesagt, wie halte ich mich nach dem Schlaf morgens? Was tue ich nachts, wenn ich aufwache? Das mal angucken, Matratze checken, mal im Körper Scanning machen. Habe ich überhaupt die richtige? Das richtige? Schlaf System? Matratze, Decke, Kopfkissen, Matratze. Dieses System? Passt das für mich überhaupt? So, wenn das alles mal überprüft ist, kann man dann immer noch sagen okay, ich mach mal so einen mobilen Schlaflabor Test für zu Hause, die es mittlerweile gibt. Kann man dazu sagen, Neurologen gehen so auf Monologe, ist ein Yogi, ist ja Schlafforscher und Sonnenblume ist dann der jenige der entschlafen Mediziner ist. Das heißt der ist nicht Psychologe, sondern der arbeitet mit Schlaf und Körper und so und guckt sich dann an das Gesamtsystem im Sinne des Schlafs.

00:32:07
Julia Kaffka: Okay, aber ich ich muss nicht in Panik verfallen, wenn ich jetzt mal ein bisschen durch meine Historie gehe und denk ich wach nachts ab und zu dann schon mal irgendwie auf und so und bin mal kurz wach, da erinnere ich mich dran. Ich habe gelesen, dass es auch normal oder? Also da brauche ich mir jetzt noch keine Gedanken machen, dass ich jetzt Schlafstörungen habe, wenn ich nachts ab und zu mal aufwache, wenn ich mich umdrehe.

00:32:27
Christoph Malsburg: Also wenn es gibt Phasen in der Nacht. Die sind, wenn wir das erkennt, dass sich diese Fotos, wenn man mal so ein Gehirn fotografiert mit Wärme messern als mit rote Flecken und so es gibt so Aktivität im Moment von unserem Gehirn, die sind in der Nacht quasi wach. Also gemessen sind wir quasi wach. Das ist nicht natürlich eine Tiefschlafphase und in der Phase, das heißt, wir haben eine sehr hohe Aktivität auch im Gehirn, die auch mal dazu führen kann, dass wir wach werden. Das heißt, wir haben auch viel zwischen Phasen, also zwischen gleich Schlafphasen und Wach Phase ist kein großer Unterschied oft. Das heißt, es kann immer mal Themen geben, entweder körperlicher oder irgendwas drückt oder irgendwas bewegt ein oder man freut sich auf irgendwas am nächsten Tag. Aber es weckt einen einfach. Das passiert, das ist menschlich. Das ist nicht schlimm, das ist völlig normal. Außerdem, wenn wir wach werden, sind wir meistens schon wach gemessen. Also es macht mir. Mach nur die Augen auf und unser Zustand ist genauso der wie vor einer Minute. Wir machen dem momentan ja auch so! Die Frage ist, was passiert dann? Ja, das ist die Frage. Nicht, dass du aufwachst, sondern was dann passiert, wenn du sagst Oh, ich bin wach. Okay. Sie aufs Klo. Okay. Könnt ihr weiterschlafen oder was? Oh, Scheiße. Besser spucken. Ich kann nicht. Nein. Oh Gott. Ich habe noch zwei Stunden. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich bin.

00:33:51
Julia Kaffka: Wach. Habe ich alles zu tun?

00:33:53
Christoph Malsburg: Oh Gott. Ich bin wach. Ich kann nicht schlafen. Ich habe Schlaf. Oh Gott. Jetzt geht das wieder los. Und so! Die Frau am Anfang gesagt Der Schlaf braucht das alles nicht, der will nur in Ruhe gelassen werden. Das heißt, wenn du dann nicht schlafen kannst. Hier gibt es auch viele Möglichkeiten. Hans Meditieren, kannst Atemübungen machen, du kannst progressive Muskelentspannung machen. Du kannst, wenn du gar nicht schlafen kannst, mal aufstehen. Ich kenne eine Frau, die haben wir dazu gebracht, dass sie immer die ist immer um 3:00, oft um 4:00 aufgewacht. Da haben wir sie dazu gebracht, dass sie gesagt hat Okay, ich kann sowieso nicht schlafen und stickig. Und die ganze Strecke kommt nur tagsüber nicht dazu, weil sie viel zu tun hat. Dann strickt sie zwischen vier und fünf und schläft nochmal zwei Stunden. Ach was und fühlt sich wunderbar und sagt Es ist schön, es ist ruhig, keiner nervt das und stricken endlich wieder und fühle mich ausgeschlafen. Außerdem ist es nachts ruhig. Es ist eigentlich keine schlechte Zeit. Mal, wenn man es mal so nimmt und ruhig ist, ist es auch schön und man kann mal raus. Es ist eine ganz schöne Zeit. So, wir machen nur nix draus.

00:35:01
Julia Kaffka: Eine Frage zum Ende habe ich noch. Es wird ja immer wieder viel drüber diskutiert Kann ich Schlaf nachholen oder kann ich auch vor schlafen? Also gerade wenn man in Schichten arbeitet und nachts noch nicht so lange schlafen kann. Mittags hinlegen. Ich persönlich brauche es, weil ich denke, sonst packe ich es gar nicht, weil ich es eben nicht schaffe, um 9:00 abends einzuschlafen und lege mich dann mittags ein, zwei Stunden hin. Gut oder eher schlecht?

00:35:27
Christoph Malsburg: Man sollte es trennen. Also prinzipiell kann man Schlaf nicht nachholen. Man kann auch nicht vorschlagen, man kann keinen Schlaf speichern, so wichtig ist, dass man seinen Rhythmus hat, indem man schläft. Aber Rhythmus ist sehr, sehr wichtig beim Schlaf. Das Wochenende ist ein Jetlag. Das Wochenende ist. Wenn ich feiere, bin ich im Jetlag, weil ich nicht in meinem Rhythmus bin. Und da mache ich zwei Nächte, dann bin ich zwei Nächte im Jetlag. So, dann bin ich beim Tatort ein und am Montag morgen ist scheiße. So Na ja, der Montag ist aber nicht das Problem. Wenn ich nicht gern zur Arbeit gehe, habe ich ein anderes Problem. Wenn ich morgens jeden Montagmorgen müde bin, ist das Wochenende das Problem. Nicht der Montag.

00:36:10
Julia Kaffka: Nicht der Montag, Montag.

00:36:11
Christoph Malsburg: Nicht das Problem, sondern das Wochenende, weil ich mich halt aus dem Rhythmus haue. Kann ich aber nicht, wenn ich mich dann das Beste ist, was ich dann tun kann, es wieder an meinen Rhythmus zu kommen. Also möglichst Donnerstag abends wieder im normalen Rythmus ins Bett zu gehen und zu akzeptieren, dass der Montag nicht so toll wird. So man kann.

00:36:30
Julia Kaffka: Bleibt ja auch nicht aus. Man kann ja nicht das ganze Wochenende dann, da ist ja mal eine Feier oder.

00:36:35
Christoph Malsburg: Erst mal was ich feiere gehört.

00:36:36
Julia Kaffka: Auch dazu.

00:36:37
Christoph Malsburg: Natürlich nur ich mach mir halt keinen Stress, dass ich sonntags halt. Ja, dann ist der Unterhalt unabhängig vom Kater. Eventuell ist der halt mal nicht so toll wie er sonst ist. Also man ist nicht so fit und so, aber dann muss man sich jetzt sagen okay, gestern schön gefeiert, dann muss ich heute noch mal da mit auf See joggen und erwarten, dass ich Bestzeit laufe. So, das ist dann einfach so, wie es ist. Das wissen wir ja auch so, daher ist es im Schlaf genauso und so Schlaf kann man wissenschaftlich statistisch gesehen ungefähr drei Stunden für eine Stunde nachholen am nächsten Tag. So okay war ich auch. Da tue ich mich immer schwer das auszusprechen, weil er viele Leute sofort natürlich auch ohje, super. Also es ist wie so ein Freifahrtschein. Das möchte ich noch nicht zugeben. Und auch tagsüber brauchen wir nicht zwingend den Schlaf. Wir sind gemacht um 25 Kilometer zu gehen am Tag, anatomisch gesehen und vom Körper. Das machen wir halt nicht mehr. Das heißt eigentlich, wenn.

00:37:31
Julia Kaffka: Wir 25 Kilometer.

00:37:32
Christoph Malsburg: Ja, wir sind so körperlich, so aufgebaut, dass wir am Tag 24 Kilometer gehen können. Evolutionär gesehen ist es ja auch so Früher ist man halt so, macht nur halt keiner mehr. Wir haben aber den Körper noch dafür teilweise so, das heißt, wir brauchen es tagsüber nicht. Aber wenn es mal so sein sollte, dass man in der Nacht nicht gut geschlafen hat oder der Abend wird noch nochmal intensiv oder so, dann kann man Schlaf auch. Da kann man sagen okay, ich mach ein Power NAP tagsüber, das ist sehr hilfreich und das kann ich auch nur jedem empfehlen. Nicht länger als 25 Minuten bitte und möglichst vor drei A, dann ist es super.

00:38:09
Julia Kaffka: Ich habe ja nie gehört. Möglichst vor drei.

00:38:11
Christoph Malsburg: Ja, weil es sonst eventuell wieder einen Einfluss auf deinen Abend Schlaf hat.

00:38:15
Julia Kaffka: Ah okay.

00:38:16
Christoph Malsburg: Deswegen. Also bei manchen geht es dann auch noch. Aber wenn ihr mal einen Schnitt haben wollt, würde es nach drei nicht unbedingt nach.

00:38:23
Julia Kaffka: Hey, okay.

00:38:25
Christoph Malsburg: Super, super spannendes Thema. Ich glaube wir könnten noch Stunden weiter drüber reden. Jetzt habe ich zum Schluss noch eine Frage, um das vielleicht noch mal kurz und knapp für die Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Punkt zu bringen Kannst du irgendwie für dich die drei wichtigsten Tipps oder Faktoren noch mal zusammenfassen, was wichtig ist für einen guten Schlaf? Was sollte man beachten und für sich rausfinden?

00:38:48
Julia Kaffka: Die eigene Chronobiologie, das heißt den eigenen Rhythmus? Eule oder Lerche? Wann gehe ich ins Bett? Wann ist meine Zeit, die zu kennen? Man schafft es nicht jeden Abend, sich danach auszurichten, aber man sollte es auf alle Fälle kennen und versuchen, sich danach auszurichten. Dann Rhythmus ist sehr wichtig. Also nicht mehr immer um zehn mal um zwölf ist man eins mal wieder neun, sondern wirklich versuchen stetig in dem Rhythmus zu bleiben. Das hilft unheimlich viel für Schlafqualität. Und das dritte sind Rituale. Also für mich Holt euch Rituale, die euch dabei helfen, gewisse Anker zu setzen, ob es abends, nachts oder morgens ist. Rituale, die euch helfen, an denen wir festhalten können, die ihr nutzen könnt. Man kann sagen okay, was tut mir abends gut, was brauche ich heute? Also ich mache es so, dass ich abends mal WLAN ausschalte für mich ausschalten vom WLAN. Also den Stromkreis mache ich dann aus, sozusagen ist für mich das von ihr okay, ich mach jetzt aus, ich bin jetzt raus hier und ich leg den Schalter um. Da ist für mich auch nichts mehr. Da geht auch nichts mehr oder nicht raus. Und das ist für mich so ein Wir Macht was ihr wollt, ich bin weg. Das sind eure Probleme. Es ist nicht mein Problem. Ich kann es nicht mehr ändern. Ins hier raus. Das ist für mich so ein Ritual. So und es nimmt der Körper auch wahr, der Körper und der nimmt so was mit. Das ist so das dann wie so einer wieso Gefühl und wie so was man rein gibt und der Körper richtet sich danach aus und das kann auch wiederum alles sein. Ja, das sind so die drei für mich drei einflussreichsten Tipps und vielleicht noch mal zu gucken, ob es im Schlafzimmer alles passt.

00:40:26
Christoph Malsburg: Super! Das waren auf jeden Fall gute Tipps und eine sehr, sehr spannende Zeit hier im Podcast, finde ich. Ich sage auf jeden Fall vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und all dein Wissen hier mit uns geteilt hast. Zum Thema Schlaf Ich vermute mal, dein Schlaf wird sich jetzt in den nächsten Monaten auch ein bisschen ändern. Vermutlich mit Baby. Dann aber schön, dass du auf jeden Fall hier warst. Ein Podcast und nicht weg musstest.

00:40:49
Julia Kaffka: Sehr gerne. Ja, es ist auch noch nichts reingekommen.

00:40:51
Christoph Malsburg: Parallel sehr gut. Perfekt. Dann hat jetzt alles gut in den Zeitplan gepasst. Quasi. Ich habe auf jeden Fall einiges gelernt und werde das heute Abend gleich mal versuchen. Anzuwenden. Und ich hoffe auch, dass alle Zuhörerinnen und Zuhörer heute gut zugehört haben und ab heute richtig gut schlafen. Oder auf jeden Fall ein bisschen besser schlafen nach dem Podcast. Und dass wir euer Leben wieder ein bisschen gesünder machen konnten. Auch unser nächstes Thema wird euch bestimmt gut tun. Es geht um den inneren Schweinehund. Wir kennen ihn alle. Wir haben ihn alle. Und für einige von uns ist er auch ein ganz schön großes Thema. Und so wollen wir versuchen, den inneren Schweinehund einzufangen oder ihn zumindest vielleicht ein bisschen zu bändigen. Abonniert also unbedingt unseren Kanal in eurer Podcast App, dann verpasst ja auch garantiert nichts und bis dahin bleibt gesund.

Progessive Muskelentspannung

Herzlich Willkommen zu einer kurzen Einheit der progressiven Muskelentspannung. Schön, dass Sie sich Zeit für sich und Ihre innere Balance nehmen. Stress und Angst verursachen häufig eine Anspannung der Muskulatur. Andersrum kann die Lockerung der Muskulatur die allgemeine innere Ruhe und Entspannung fördern. Mit diesem Podcast lernen Sie Schritt für Schritt Ihren Körper und Geist zu entspannen.

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Transkript

Herzlich Willkommen zu unserer kurzen Einheit der progressiven Muskelentspannung. Schön, dass du dir Zeit für dich selbst und somit Zeit für deine innere Balance nimmst.

Stress und Angst verursachen häufig eine Anspannung der Muskulatur. Andersrum kann die Lockerung der Muskulatur die allgemeine innere Ruhe und Entspannung fördern. Mit der folgenden Übung kannst du dir Schritt für Schritt zu einem entspannten Körper und einem entspannten Geist verhelfen.

Komme in eine sitzende Position, die sich für dich angenehm anfühlt. Die Arme sind locker neben dem Körper oder auf den Oberschenkeln abgelegt. Wenn du im Liegen besser entspannst, kannst du die Übung natürlich auch in dieser Position durchführen. Die Beine sind ausgestreckt oder stehen locker auf dem Boden. Die Zehenspitzen kannst du leicht nach außen fallen lassen.

Schaue dich noch einmal im Raum um und nehme die Umgebung, in der du dich befindest für einen Augenblick wahr... Dann schließe deine Augen und lass Geräusche in den Hintergrund treten. Deine Gedanken kommen und gehen, du lässt sie ziehen . Nehme nun einige tiefe Atemzüge und komme in der Entspannung an.. Atme durch die Nase ein. Atme durch den Mund aus. Versuche jeden Atemzug ganz bewusst mitzuverfolgen und wahrzunehmen. Diese gleichmäßige und ruhige Atmung versuchst du über die ganze Übung hinweg aufrecht zu erhalten. Die Luft nicht anhalten, sondern kontinuierlich weiteratmen.

In den kommenden Minuten spannst du einzelne Muskel gezielt an und nimmst bewusst den Wechsel von Spannung und Entspannung im Körper wahr. Dabei geht es nicht darum wie fest du deine Muskeln anspannst ist. Es reicht, wenn du den Unterschied leicht spüren kannst. Auch eine ruhige Atmung über die Übung hinweg ist sehr wichtig. Verspürst du Beschwerden bei einem bestimmten Körperteil oder einer Muskelpartie, lass diese einfach weg. Nach jeder Anspannung gebe ich dir kurz Zeit um in den betreffenden Körperteil nachzuspüren.

Du wanderst mit deiner Aufmerksamkeit zu deiner linken Hand, die ganz entspannt da liegt. Dann ballst du deine Hand zu einer Faust… Lasse langsam wieder locker… Spüre den Unterschied. Die Abwesenheit von Spannung. Atmung…

Linker Arm

Hand li

Arm re

OS Li

OS Re

Gesicht: Stirn in Falten legen, Augen nach oben ziehen

Bringe deine Aufmerksamkeit nochmal auf die Atmung. Lasse die Übung nochmal Revue passieren. Wie geht es dir jetzt? Wie fühlst du dich im Vergleich zu vorher? Hat sich deine innere Wahrnehmung verändert? Dann kannst du deine Gedanken nochmal frei schweifen lassen. Stelle dich darauf ein die Übung zu beenden. Füße und Arme langsam bewegen. Augen öffnen… Das Gefühl der Lockerheit und Entspannung kannst du jederzeit in deinem Alltag wieder nachempfinden.

Humor bei Demenz

Wir alle haben schon einmal von den Clowns gehört, die in Krankenhäuser gehen und Kinderaugen zum Strahlen bringen. Doch das ist nur ein Teil dieser wundervollen Arbeit. Reinhard Horstkotte, Clown, Mitgründer und künstlerischer Leiter von ROTE NASEN e.V. nimmt uns mit in die Welt des Humors und erzählt von seinen Begegnungen mit demenzkranken Menschen in Pflegeheimen, aber auch vom Umgang mit der Krankheit in seiner eigenen Familie.

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Transkript

Julia Kaffka [00:00:10]:
Auch von mir ein herzliches Willkommen zum Gesundheitspodcast der BKK ZF & Partner. Mein Name ist Julia Kafka und wir haben heute einen ganz besonderen Gast. Reinhard Horskotte. Hallo Reinhard.

Reinhard Horstkotte [00:00:22]:
Hallo.

Julia Kaffka [00:00:23]:
Reinhard, du bist Mitgründer des Vereins Rote Nasen und künstlerischer Leiter. Neben deiner Akrobatik- und Clown-Ausbildung bist du zertifizierter Klinik-Clown und unterstützt die BKK ZF & Partner dabei Humor in Pflegeeinrichtungen zu bringen. Reinhard, was kann man sich denn darunter vorstellen? Hüpfst du da auf einem Bein nur rum, Erzählst du Witze? Wie muss man sich das vorstellen?

Reinhard Horstkotte [00:00:49]:
Ich hüpfe auch manchmal auf einem Bein rum und das passiert schon. Witze erzähle ich eigentlich fast gar keine. Also ich glaube auch nicht, dass ein Clown erzählt keine Witze. Ein Clown ist eigentlich der Witz. Also Kabarettisten sagen lustige Sachen und Clowns sind lustig. Das ist der Unterschied zwischen diesen beiden Figuren. Das heißt, manchmal wurde ich dann mal so, wenn ich als Clown von Kindern gefragt habe, erzähl mal einen Witz. Und dann wusste ich keinen.

Reinhard Horstkotte [00:01:19]:
Und dann haben sie gelacht, weil ich keinen wusste und das war dann lustig. Aber ich habe aber keinen Witz gehabt.

Julia Kaffka [00:01:25]:
Es ist auch sehr lustig, wenn ein Clown keinen Witz hat.

Reinhard Horstkotte [00:01:28]:
Ich habe keinen Witz, also ich weiß jetzt nicht was. Also ich kenne schon so ein paar... Ja klar kenne ich Witze, aber das ist nicht so... Ich bin jetzt nicht so... Ah, der Clown, der muss ja ein Witzprofi sein, der muss ja nur... Und obwohl ich als kleiner Junge, da habe ich jetzt entdeckt, das große Buch der Witze, da stehen 1000 Witze drin, Die sind alle grottenschlecht. Also das habe ich in den 80er Jahren. Die sind alles so diese Häschenwitze, Hadumören, Mutu Kaufen.

Reinhard Horstkotte [00:01:54]:
Weiß ich nicht, ob du die kennst. Du bist ja... Doch. Ja? Kennst du auch? Ja. Also Altünnes und Schäl und alles so schlechte Witze. Und trotzdem, das habe ich noch zu Hause. Das habe ich mir gekauft. Aber ich habe die nicht auswendig gelernt.

Reinhard Horstkotte [00:02:07]:
Es gibt aber gute Witze durchaus, aber Clowns sind lustig, glaube ich. Die sind einfach lustig und deswegen passen sie auch so gut in diese, also sie passen eigentlich gar nicht in die Welt, aber die Welt braucht sie so sehr, weil es nicht so sehr ums Tun, ums Machen, sondern mehr eine Sein-Qualität geht.

Julia Kaffka [00:02:28]:
Das heißt, wir können es ja jetzt nicht sehen, wir sind ja an einem Podcast, Wie muss ich mir das denn optisch vorstellen? Also wirklich mit der roten Nase und der Perücke?

Reinhard Horstkotte [00:02:36]:
In der Perücke nicht. Also es ist... Die Clownfigur ist ja eine ganz anspruchsvolle Sache für uns. Also es ist eine Suche nach dem Teil von mir, der unschuldig ist, der lebendig ist, der im Moment ist, der unwissend ist, der sich in die Unwissenheit und die Unsicherheit hineinbegibt. Und das erfordert auch eine persönliche Forschung. Das heißt, ich muss auch gucken, wo habe ich denn Unzulänglichkeiten? Also zum Beispiel, ganz, ganz platt, ich habe vor 20 Jahren, habe ich so eine Nummer gehabt mit einem Kollegen zusammen. Da sind wir als Sprinter zusammen, als 100-Meter-Läufer, haben wir einen Slow-Motion-Wettlauf gehabt. Da haben wir auch Preise mitgewonnen.

Reinhard Horstkotte [00:03:27]:
Und wir haben dann zusammen, also so ganz in Slow-Motion sind wir gelaufen, haben dann gegenseitig den anderen geschubst während des Laufes und gefault und so weiter. Und bevor wir diesen Lauf gemacht hatten, hatten wir Anzüge an. Und dann haben wir bei dieser Party uns langsam, so ein bisschen wie so eine Striptease-Parodie, die Anzüge ausgezogen bis auf die Rennhose eben und das Shirt, also was man eben als 100 Meter Läufer anhat. Und als wir dann die Hose runtergelassen haben, hatten wir beide wahnsinnig drahtdünne Beine. Ja? Und dann haben die Leute alle gelacht. Und das zeigt, das ist lustig, was eigentlich wirklich ganz natürlich an mir liegt, was ich aber vielleicht gar nicht so angenehm finde selber. Also die Leute lachen über die dünnen Beine, weil das überraschend ist, weil das komisch ist. Und so ist dann die Suche danach.

Reinhard Horstkotte [00:04:22]:
Und wenn wir jetzt von einem Kostüm sprechen, so fragen wir uns dann, was macht ihn, wenn der besonders klein ist? Trägt er vielleicht eine extra kleine Jacke, die ihn noch kleiner macht, oder trägt er etwas Langes, was ihn viel größer darstellen lässt? Und wir sagen also, die Frage zu beantworten mit Perücke und roter Nase, ja, wir tragen eine rote Nase. Und das ist die kleinste Maske, die es gibt. Das ist eben ganz wichtig. Die rote Nase ist eine Maske und die Maske hat immer etwas Magisches. Also sobald man eine Maske aufsetzt, spielt man einen Teil von sich, der sonst nicht so offenbar ist. Und wenn wir uns kostümieren, das heißt, wenn wir uns eine Perücke aufziehen sollten, was selten vorkommt, dann soll es nicht sein, dass wir uns verkleiden oder dass wir uns verstecken, sondern es soll etwas von unserer Seite offenbaren, noch stärker sein, unterstreichen, wie mit so einem Marker in einem Text. Das soll das machen. Also etwas, was innerlich...

Reinhard Horstkotte [00:05:22]:
Also das wird nämlich... Zu Karneval verkleiden sich die Leute und wollen sich ganz verstecken hinter ihrem Kostüm. Wir Clowns wollen das, was in uns steckt, eine bestimmte Seite hervorholen. Darum geht es beim Klauen.

Julia Kaffka [00:05:37]:
Okay und das ist wahrscheinlich auch dieses Tollpatschige, was man kennt. Genau. Von der Art her.

Reinhard Horstkotte [00:05:43]:
Ja zum Beispiel das Tollpatschige oder auch das ganz zarte oder das neugierige und wie kann ich das sagen, also zum Beispiel, ich habe eine Geschichte, wo wir zusammen in ein Zimmer kamen von einem Herrn, der war sehr dement und saß ganz ruhig immer an seinem Tisch. Und dann sind wir in das Zimmer gekommen und haben gedacht, okay, wir machen eine Steppnummer und waren so ganz aufgeregt und hyperaktiv. Also allein das ist schon tollpatschig, wenn man in so ein Zimmer kommt, wo einer kaum sich bewegt und ganz stoisch am Tisch sitzt und dann hast du so zwei verrückte Leute, die dann mit so einer Steppnummer da reinkommen. Total aufgezogen. Also du lachst jetzt, genau. Weil du hast das Bild vor dir. Und dann haben wir angefangen zu steppen und dann haben wir geguckt und haben gesehen, der hat so kaum reagiert, aber das war normal, weil der reagierte kaum, das wussten wir von den Pflegerinnen und Pflegern, aber irgendwann haben wir dann gesteppt und hatten einen riesen Spaß dran am Steppen und er hat so geguckt und hat nochmal geguckt und dann hat er so seine Lippen bewegt. Und dann sind wir so...

Reinhard Horstkotte [00:06:52]:
Und dann mussten wir irgendwas wieder sagen und das war was ganz Besonderes, weil der hat eigentlich überhaupt nicht mehr gesprochen. Auch nicht mit den Pflegern, auch nicht mit seinen Angehörigen. Hat nichts mehr gesagt und warum auch immer. Vielleicht hat er genug geredet im Leben, ich weiß es nicht. Vielleicht war er auch einfach kognitiv so eingeschränkt. Und wir sind dann aber ganz nah mit dem Ohr an seinen Mund gegangen und wollten wissen, was sagt der? Was sagen Sie da? Und dann hat er so ganz leise, fast schon nuschelnd, hat er gesagt, Schuhplattler, Schuhplattler. Und dann hat er unseren Stepptanz als Schuhplattler assoziiert. Und dann ist er mit uns aufgestanden und hat dann Schuhplattler gemacht mit uns.

Reinhard Horstkotte [00:07:32]:
Auf seine Weise natürlich sehr langsam. Aber das war eine Riesensache, weil es war ein Riesenerfolg für uns, weil er einfach in so eine Bewegung gekommen ist und auch eine Freude gekommen ist, die er sonst nie hatte. Und das, also was ich sagen will, es geht gar nicht so sehr darum, immer bewusst tollpatschig zu sein als Clown. Also immer so, klar, das gehört dazu, man rennt gegen Türen und man fällt vom Stuhl, man verheddert sich irgendwo. Aber nicht so unbedingt immer ständig in der Beziehung zu anderen. Es muss schon in die Geschichte, die ich mit dir habe, mit meinem Gegenüber habe, reinpassen. Und das ist das Besondere, glaube ich, daran, wenn wir in Pflegeheime gehen oder in Kinderstationen gehen, dass wir uns da erst mal verbinden mit dem Kind und dann die ganze Trickkiste rausholen.

Julia Kaffka [00:08:24]:
Ja, die Geschichte, die du gerade erzählt hast, ist schon auch bewegend. Ich glaube, das sind ja Momente, die hängen bleiben, nehme ich an, in diesem Beruf. Also wie fühlt sich das denn an, wenn man merkt, wow, hier habe ich gerade wirklich einen Impact?

Reinhard Horstkotte [00:08:39]:
Toll, also das ist schön. Man ist ja immer sozusagen ein bisschen eine schizophrene Persönlichkeit, wenn man da ist. Also ich hab einmal, bin ich der Reinhardt, der dann natürlich, und dann bin ich der Philou, der Clown. Und natürlich schaut der Reinhardt immer zu und guckt was und checkt ab, was, was ist hier los, was kann ich machen, wie weit kann ich gehen. Und der Reinhardt ist dann vielleicht stolz, dass er irgendwie bei der Person, bei diesem Herrn da erreichen konnte, dass er jetzt anfängt mit uns Schublattler zu tanzen. Aber für den Philou ist das auch okay, wenn der Mann sitzen bleibt. Also das ist auch in Ordnung. Wenn der gar nichts macht und wenn der nur guckt.

Reinhard Horstkotte [00:09:16]:
Und dann hat er Spaß gehabt am Stepptanzen und es wird ihm nicht, es ist nicht, er wertet nicht. Und das ist eben das Besondere an der Clownfigur. Es ist nicht so, dass er so abhängig ist von Erfolg oder Misserfolg oder unserer Sicht, die du und ich haben, was das jetzt bedeutet, von was du sagtest, glaube ich, Impact. Also das interessiert diese Figur gar nicht. Und das ist eben so wichtig heutzutage. Also weil wir sind immer, sogar jetzt sind wir, oder auch ich als künstlerischer Leiter, bin natürlich interessiert daran, dass unsere Arbeit eine Wirkung hat. Aber ich muss gleichzeitig auch immer gucken, dass die Clowns das nicht in ihren Fokus nehmen. Das heißt, dass sie einfach Clowns sind.

Reinhard Horstkotte [00:09:57]:
Also nicht in dem Sinne, dass sie Kunst machen, dass sie Clowns sind. Warum? Weil ich weiß genau, umso mehr sie Clowns sind, umso mehr sie in diesem Zustand sind, der Clown, wie ich den nicht gerade beschrieben habe, desto mehr Impact gibt es auch. Paradoxerweise. Umso weniger sie auf den Impact achten, desto mehr Impact gibt es. Also

Julia Kaffka [00:10:17]:
persönlich nehmen darf man es auch nicht, wahrscheinlich, wenn man einfach jemanden da sitzen hat, der keine richtige Reaktion zeigt.

Reinhard Horstkotte [00:10:24]:
Man darf, man darf alles. Man darf es auch schrecklich persönlich nehmen. Man darf heulen und schreien. Also Aber für den Clown ist es keine Wertung. Schau, wir haben ja mit ganz schlimmen Situationen zu tun. Wir haben mit Sterbenden zu tun. Wir haben mit, jetzt lange, als der Krieg begonnen hat, mit den ganzen Geflüchteten zu tun. Und Es gibt in jedem Menschen einen Punkt, der sich davon zwar berühren lässt, der aber immer in Kontakt steht mit der Freude und mit der Lebendigkeit und mit dem Ja, mit der Liebe, wenn man so will, also mit diesem Gefühl der Zugehörigkeit.

Reinhard Horstkotte [00:11:04]:
Und es kann gleichzeitig ganz schlimme Dinge passieren, wie zum Beispiel der Krieg, wie ein Mensch, der plötzlich eine schlimme Diagnose bekommt, Krebs. Ich bin aber trotzdem immer mit diesem Punkt verbunden. Und diesen Punkt zu kultivieren in eine Kunstfigur ist die Aufgabe von Rote Nasen. Das heißt, dafür machen wir Ausbildung, dafür machen wir Curriculum, dafür schulen wir die Leute. Denn wir wissen, dass das, und jetzt kommen wir zu BKK ZF & Partner, wenn wir wissen, und das hat dann auch die BKK überzeugt, wenn wir wissen, dass das fehlt in unserer Zeit. Also, wenn man sich die Pflegeheime anschaut, wenn man sich die ganze Situation, es ist ja manchmal, wenn man das so hört, kurz vom Kollabieren. Und wir können das nicht ändern. Aber wir können als Rote Nasen, aber wir können ändern, wir können sagen, okay, wie können wir uns in dieser Situation bewegen? Wie können wir sein? Also Wie können wir angesichts zunehmender Krisen in der Welt, wie können wir da sein? Und die Antwort darauf gibt der Clown.

Reinhard Horstkotte [00:12:10]:
Indem er den kleinsten Moment wertschätzt. Indem er die kleinste Blume zu einem sensationalen Ereignis macht. Indem er ganz wenig braucht, glücklich zu sein, lebendig zu sein, sich zu freuen. Und das ist doch eine wichtige Eigenschaft.

Julia Kaffka [00:12:28]:
Absolut, absolut. Jetzt hast du schon erwähnt, dass ihr auch in Einrichtungen unterwegs seid, wo demenzkranke Menschen leben. Welche Erfahrungen hast du denn da im Umgang mit Demenzkranken gemacht?

Reinhard Horstkotte [00:12:43]:
Das ist eine gute Frage. Also die Erfahrung, Die meisten Menschen, die wir im Pflegeheim besuchen, sind dement. Und die meisten Menschen sind nicht mehr wirklich auf dieser Welt. Das heißt, sie reden irgendeinen Unsinn. Ich habe ein Beispiel, ich bin selber auch Angehöriger und bin aber eigentlich auch da immer Clown, kann man sagen, bei meiner Mutter. Meine Mutter ist im Pflegeheim selbst hier in Berlin und die ist seit fünf Jahren wirklich dement. Sie erkennt mich zwar noch, aber sie ist nicht mehr wirklich präsent. Sie weiß nicht, was gestern war, oder sie weiß auch nicht, was vor 2 h passiert ist.

Reinhard Horstkotte [00:13:27]:
Früher war sie noch hohe Richterin in Frankfurt am Main. Sie war Vorsitzende einer großen Strafkammer. Und als sie ins Pflegeheim kam, und sie spielte auch Golf, war sie überzeugt davon, dass das Pflegeheim ein Golfhotel ist. Und ich hatte dann so gedacht, und ich komme gleich, das ist ein bisschen die Antwort jetzt auf deine Frage. Also ich hole ein bisschen auf. Ja, kein Problem. Aus, nicht auf, aus. Also und man denkt dann so, und viele Angehörige, weil auch bei den Leuten, die jetzt zuhören, sind vielleicht viele Menschen, die auch betroffen sind von diesem Thema, meine Angehörigen werden dement.

Reinhard Horstkotte [00:14:09]:
Mein Papa, meine Mama, meine Oma wird dement und und Eine Reaktion ganz oft von jemand, dessen Mutter zum Beispiel dement wird, ist, wenn die Mutter das Pflegeheim für ein Golfhotel hält, das sagt der Mama, Mama, das ist kein Golfhotel, das ist jetzt ein Pflegeheim. Sagt man. Du, Das ist ein Pflegeheim, das musst du verstehen. Warum sagt man das? Weil man möchte gerne, dass die Mama möglichst lang noch hier bleibt, bei mir. Also die möchte gerne, man möchte auch, man hat vielleicht auch Angst, dass sie irgendwann mich nicht mehr erkennt. Und deswegen versucht man, sie möglichst viel mit der Realität, mit meiner Realität zu konfrontieren. Und dann hatte ich in dem Moment, wo sie sagte, das ist ein Golfhotel, die Möglichkeit zu sagen, Mama, das ist kein Golfhotel, das ist ein Pflegeheim. Oder ich hatte die Möglichkeit, wie ein Clown zu reagieren, der sagt, wow, das ist ja cool, ein Golfhotel, lass uns doch jetzt mal eine Runde Golf, lass uns doch mal ein paar Löcher schlagen oder wie man das heißt, ich bin kein Golfspieler.

Reinhard Horstkotte [00:15:09]:
Und sie meine Mutter so, ja, und ich habe mich dann für zweiteres entschieden, habe gesagt, okay, dann gehe ich jetzt mal mit so und sage, okay, das ist ein Golfhotel. Und dann sind wir zusammen, haben wir gesucht und dann waren diese Rollatoren, waren die Wägen, die die Caddies waren und dann sind wir in den Garten gegangen, haben überall die Löcher gesucht und die Leute waren überall, auch Golfspieler, Rezeptionen. Also es war alles Golfhotel und irgendwann, aber irgendwann sagte dann meine Mutter, das ist doch überhaupt kein Golfhotel, sagt sie. Da bin ich so, wie jetzt, sage ich, ist kein Golfhotel. Wieso denn nicht? Es ist doch hier überhaupt keine Golfsachen. Und dann sage ich, ach so, sage ich. Ach so, ah. Was ist denn? Es ist ein Pflegeheim.

Reinhard Horstkotte [00:15:51]:
Und dann kam sie selbst drauf. Das heißt also, wenn ich sie damit konfrontiert hätte, von Anfang an, dann hätte sie sich wahrscheinlich geschämt auch, weil sie gemerkt hätte, dass sie da nicht mehr richtig da ist und etwas in ihr hätte. Aber so war das viel viel schöner und so gehen Clowns eigentlich Also wir haben eine Kollegin von mir hat mal, war im Pflegeheim mit einer anderen Kollegin und da war eine Dame, ganz dement, die ist immer auf und ab gelaufen und hat ihren Mann gesucht. Der Mann war aber schon seit vielen, vielen Jahren gestorben. Und dann hat meine Kollegin die Dame gefragt, die ältere Dame gefragt, ja, Suchst du was? Und dann sagte die Dame, ja, ich suche meinen Mann. Wo ist der denn? Der Herbert. Wo ist der denn? Ach, sagte sie meine Kollegin, soll ich dir suchen helfen? Die wusste schon, dass der Herbert seit zehn Jahren gestorben war. Dann half sie, sie beim Suchen und das war für die, schon allein das war für die Frau großartig, weil da war jemand da, der ihre Realität respektierte.

Reinhard Horstkotte [00:16:53]:
Der merkte, okay, das ist meine Realität. Da bewege ich mich. Und dann suchten sie überall. Und dann hielt meine Kollegin, die Clownin Robert, das Ohr an die Dame, also an das in Höhe des Herzens der Dame und rief enthusiastisch und laut aufgeregt aus, ich habe deinen Mann gefunden und und die Dame rief so leicht, sagte ihr so leicht mürrisch, was sagt er denn? Und dann sagte meine Kollegin, ich soll dich in den Arm nehmen. Und dann nahm sie die Dame in den Arm. Und man merkte dann, dass die Realität plötzlich greifbar und spürbar wurde. Weil die Liebe, die die Dame mit ihrem Ehemann hatte, die war immer noch da. Wer bin ich zu sagen, der Mann ist nicht mehr da? Wer sind wir zu sagen, das ist kein Golfhotel? Das ist genauso ein Golfhotel, wie es ein Pflegeheim ist.

Reinhard Horstkotte [00:17:46]:
Also dann müsste man sagen, das sind Mauern, das sind das. Und natürlich ist es ein Pflegeheim, natürlich ist es kein Golfhotel, aber das ist eben, was der Clown bringt. Der bringt Geschichten, der bringt Geschichten und akzeptiert, dass es noch etwas anderes gibt, wie die Welt, die wir vor uns sehen. Und das akzeptiert er und das lebt er mit den Leuten. Und deswegen ist er für das Pflegeheim so wertvoll, weil die Pflege muss sich so viele andere Sachen kümmern, die so lebensnotwendig sind für die Menschen. Und so haben wir zumindest diese Instanz da, die das feiert und wertschätzt.

Julia Kaffka [00:18:24]:
Ja, da merkt man schon, also man braucht, glaube ich, sehr viel Feingefühl auch als Clown, wenn man da vor Ort ist. Weil man könnte ja jetzt auch ganz hart sagen, ja Mensch, ihr lügt ihr ja an. Ihr sagt ihnen ja gar nicht die Wahrheit. Das ist ja fürchterlich, aber auf der anderen Seite verstehe ich das jetzt so, dass ihr einfach in ihre Welt mit reingeht.

Reinhard Horstkotte [00:18:43]:
Ja, ja.

Julia Kaffka [00:18:44]:
Diese Welt einfach mit annehmt und dann dabei seid

Reinhard Horstkotte [00:18:46]:
und sie nicht losstellt manchmal. Das ist total richtig. Also ich finde das auch eine ziemliche Herausforderung, weil ich habe zum Beispiel lange gebraucht, auch bei meiner Mutter, es war nicht, es ist nicht immer einfach, so wie ich es beschreibe jetzt, wie mit dem Golfhotel. Es ist manchmal natürlich auch schwierig, da einen guten Weg zu finden, wenn man der Mutter sagt, das geht jetzt nicht, weil, weil, weil. Und man erfindet dann etwas, die Situation zu deeskalieren. Und ich glaube, dass man gut daran tut, auch ein bisschen seinen immer wieder zu sagen, es gibt noch eine andere Welt, und der bediene ich mich jetzt. Weil es ist die Welt der Demenz. Ich hab jetzt kein Was könnte ich mal für ein Beispiel nehmen, wenn man so Notlügen findet, damit man...

Reinhard Horstkotte [00:19:35]:
Das machen Eltern ja manchmal auch bei ihren Kindern zum Beispiel. Und man sagt dann, man hat gelogen. Aber ich bin da als Künstler nicht so einverstanden mit, mit diesem Wort Lüge. Weil ähnlich wie bei dem Golfhotel, das hab ich eben schon gesagt, die andere Welt, die wir nicht sehen, die Welt der Fantasie und Imagination, die hat... Wer sagt uns denn, dass die nicht real ist? Wer sagt denn, dass Träume nicht genauso real sind wie das Leben, was wir jetzt sind. Das sagen wir in unserer seit 100 Jahren rational fokussierten Zivilisation. Aber es war ja früher auch schon mal ganz anders. Und ich glaube, der Clown schafft eine Brücke zwischen diesen Welten.

Reinhard Horstkotte [00:20:17]:
Also es ist ja, und ich glaube, das macht den so wertvoll, ganz besonders auch im Pflegeheim. Und ja, man braucht ganz viel Feingefühl und man braucht aber auch eine tiefe Überzeugung und Glaube an die imaginäre Welt.

Julia Kaffka [00:20:32]:
Ja, so lachen ist ja grundsätzlich wichtig. Warum glaubst du persönlich denn, dass lachen wichtig ist und auch im speziellen im Umgang mit Dementkranken? Ja,

Reinhard Horstkotte [00:20:43]:
genau, warum ist das wichtig? Also, Lachen ist ja im Grunde, wenn wir beide lachen zusammen, du und ich, dann ist ja vorher schon was passiert. Also dann hatten wir vorher so ein Gefühl. Also es macht sich so ein Gefühl breit Und das Lachen, mit dem Lachen entlädt sich das dann. Also, es ist ein Gefühl von Lebendigkeit, von Menschsein. Es ist auch immer ein Gefühl von Erkennen. Wir checken irgendwas, wenn wir über uns selbst lachen, dann bekommen wir plötzlich, ist ja auch ein witziger Ausspruch, ich lache über mich selbst, wer lacht denn dann? Also, im Grunde. Wir bekommen plötzlich so einen Abstand zu uns. Vielleicht kann man das so sagen.

Reinhard Horstkotte [00:21:25]:
Man guckt sich selbst zu und plötzlich denkt man, das ist ja so absurd. Ich lache über mich. Und es ist aber gar nicht das Lachen selbst, sondern eigentlich das, was vorher passiert ist. Und das, was vorher passiert ist, ist immens wichtig. Es ist immens wichtig, weil es hat immer mit dem Bejahen der Situation zu tun, mit der ich gerade bin. In dem Moment, wo ich mein Schicksal, erst wenn ich mein Schicksal akzeptiere, egal was mir passiert ist, ob ich auf einer Bananenschale ausgerutscht bin, oder ob ich im Pflegeheim bin und als Pfleger bemerke, dass eine Dame immer wieder oder ein Herr immer wieder die Kapitasse umkippt. Offensichtlich mit Absicht. Und ich hab aber noch das und das und das und muss noch in das und das Zimmer und das und das Zimmer.

Reinhard Horstkotte [00:22:08]:
Wenn es mir nicht gelingt, im Moment das so zu akzeptieren, sondern ich dann dagegen widerstände und das unbedingt anders haben will, sag ich mal, ein Verbissen dann und was ich verstehen kann ganz oft, weil das ist oft ganz schwierig, dann in dem Moment kann ich nicht mehr über mich selbst lachen. In dem Moment ist lachen nicht möglich. Das heißt, Bevor ich irgendwie lache, muss ich erst mal ein liebevolles oder akzeptierendes Gefühl zu dem haben, was mir passiert ist oder was gerade stattfindet. Und ich glaube, das ist das Wichtige. Und ob man dann weint oder lacht, es gibt Bei Dementen, ich war jetzt vorgestern erst bei einem Heim dabei, in einem Pflegeheim, hab zugeschaut bei meinen Kollegen, da war eine Dame, da kamen die Kollegen und die Damen fingen an zu weinen. Und dann erklärten mir die Pfleger, die weint ja, sag ich, warum weint sie so ganz in sich rein. Und danach sagten mir die Pfleger, die weint, weil sie sich freut. Ja, also die weint, weil sie sich freut, sie zu sehen.

Reinhard Horstkotte [00:23:08]:
Die weint vor Rührung und deswegen ist weinen sehr nah beim Lachen. Also nicht immer, aber sehr oft sehr nah beim Lachen. Also und das, das was da passiert ist, macht uns zu Menschen, würde ich sagen. Also das macht uns, was ist dann, wenn wir nicht mehr lachen können zusammen also kinder sind unglaublich also wir waren in diesen flüchtlings zelten als gerade als sie gerade ankamen traumatisiert mit dem wenigen Hab und Gut, was sie mitnehmen konnten in Berlin in den Zelten. Und die Clowns kamen und die Kinder konnten lachen. Also die konnten im Moment lachen und was war denn passiert? Und als die Erwachsenen, die älteren Damen, die Männer waren ja nicht viel dabei, ihre Kinder gesehen haben, konnten auch plötzlich die wieder lachen. Obwohl sie in so einer schrecklichen Situation war.

Julia Kaffka [00:23:56]:
Ja, ich kann mir auch vorstellen, dass das auch Mut einem abverlangt als Clown. Gerade am Anfang, glaube ich, wenn man in so eine Situation kommt, wo die Menschen, ich meine der Betroffene und auch die Angehörigen ja wahrscheinlich auch traurig sind in dem Moment und mit der Situation noch gar nicht umgehen können, da wirklich hinzugehen und witzig zu sein, stelle ich mir schwierig vor. Gerade am Anfang, da muss man seinen Mut schon mal zusammennehmen. Wie reagieren denn die meisten Bewohner oder auch die Angehörigen dann drauf? Also kriegt man da gleich ein gutes Feedback oder hat da auch schon mal einer gesagt, raus hier du Vogel?

Reinhard Horstkotte [00:24:34]:
Ja, auf jeden Fall. Und das ist auch gut so. Also die meisten reagieren sehr, sehr positiv auf uns, weil, also wenn wir jetzt vom Pflegeheim sprechen, Es ist ja erstmal so, dass die meisten sich nach Zuwendung sehnen und nach einem schönen Gefühl, nach einem Lächeln, nach einem Blick, nach einer Ansprache. Und das ist ja, was unsere KünstlerInnen machen. Die kommen in einen Raum und die Leute spüren, wir wollen was Gutes, wir wollen mit ihnen zusammen was Schönes machen. Wir fragen, wir bedienen uns auch von Konventionen, wir loben die schöne Bluse, die die Frau Fischer, die lila Bluse mit den gelben Blüten, die die Frau Fischer und loben, dann freuen die sich schon erst mal. Aber es gibt natürlich auch in der Demenz gerade, gibt es auch einen bestimmten Anteil von Menschen, die sehr aggressiv, sehr oft und sehr viel aggressiv sind. Die wild einen beschimpfen Und das ist eine Emotion, die ist okay.

Reinhard Horstkotte [00:25:33]:
Als Clown kann ich damit leben. Ich kann mich rausschmeißen lassen. Ich kann mich sogar mit Freude rausschmeißen lassen. Weil es einfach auch ein klares Statement ist. Es ist also raus! Es ist auch eine Energie, die man kriegt. Und als ich, als Reinhard, bin so geschult, auch durch die Fortbildung, die ich bekomme, dass ich weiß, dass das nun wirklich, wie du vorhin sagtest, nichts Persönliches ist, sondern dass der Mensch da krank ist und verzweifelt ist und Angst hat und nicht mehr genau wissen will. Und wir hatten mal einmal Eine Bewohnerin, meine Kollegin, die Maria, die ist mal in ein Pflegeheim gekommen. Da war ein...

Reinhard Horstkotte [00:26:21]:
Wir gehen ja immer zu zweit, immer zwei Clowns. Und dann bekommen wir erst mal eine Übergabe, in der wir erfahren, was so los ist auf Station. Und dann gehen wir von Zimmer zu Zimmer oder mal in Gruppenräume. Also es ist nicht wie eine Theatervorstellung. Darf man sich das vorstellen, wo dann alle in einen großen Gruppenraum gekarrt werden, sondern wir fügen uns so in den Alltag ein und bekommen deswegen auch vorher eine Übergabe. Und die Maria bekam dann die Übergabe und dann sprach sie von den Herrn Schubert, der Herr Schubert war, also ist jetzt erfunden, der Name. Der hat alles scheiße, ich sag mal, das hat er wirklich gesagt.

Julia Kaffka [00:26:55]:
Es ist

Reinhard Horstkotte [00:26:55]:
alles scheiße. Und dann ist meine Kollegin dann eben, die Pflegerin hat so ein bisschen gewarnt davor. Also der findet alles scheiße. Und Die waren schon alle auch ganz genervt von dem. Und die wollten eigentlich natürlicherweise auch gar nichts wissen, weil die haben auch irgendwann ihre Grenzen. Irgendwann an Kapazität, an Geduld, sind überlastet. Und dann kriegen sie noch so viel vermeintliche Negativität von Bewohnern, denen sie helfen wollen entgegen. Das ist manchmal, schaffen sie es dann auch nicht mehr und haben dann genug.

Reinhard Horstkotte [00:27:26]:
Das kann man auch verstehen. Und meine Kollegin ist dann eben hingegangen, nachdem sie gewarnt wurde und ist dann in diesen Zimmer gegangen und da war dieser Herr Schubert und sagte, hallo, sollen wir dir ein Lied spielen? Hallo, oder, ist doch scheiße! Und dann sagte er dann Und dann sagte sie, ja stimmt, ist scheiße, sagte sie dann. Und ihre Kollegin sagte, ist scheiße, oder? Und dann sagte ihre Kollegin, ja, ist echt scheiße. Guck mal hier, siehst du das Fenster? Ah, ist scheiße, ne? Guck mal meine Hand, ist scheiße. Ach komm, spiel ein scheiß Lied. Und dann war alles scheiße. Und sie machten, sie zelebrierten die Scheiße total. Und irgendwann konnte der nicht mehr.

Reinhard Horstkotte [00:28:06]:
Der musste lachen. Und dann haben wir wieder dieses Thema. Du kannst erst lachen, wenn du das akzeptierst, deinen Zustand. Und Du kannst es nicht schwer akzeptieren. Der möchte erstmal sehen, dass er so, wie er ist, dass er geliebt wird. Dass er akzeptiert wird. Dass er in diesem fürchterlichen Zustand akzeptiert wird. Und das ist natürlich für die Pflege oft auch eine Zumutung.

Reinhard Horstkotte [00:28:30]:
Man kann nicht alles akzeptieren, das ist schwierig, aber man kann den Moment feiern, das geht. Also das geht. Und man kann auch nicht alles tolerieren, gerade wenn Gewalt passiert, das will ich damit auch nicht sagen. Aber man kann den Moment akzeptieren, also das, was jetzt gerade passiert. Und ich glaube, darum geht es immer. Man hat immer nur diesen einen Moment, das merken wir jetzt gerade, wo uns ständig neue Krisen entgegenkommen.

Julia Kaffka [00:29:01]:
Absolut.

Reinhard Horstkotte [00:29:02]:
Dass wir nur den Moment haben. Also, wir können jetzt schauen, dass wir so gut wie möglich unser Leben leben und das tun, wo wir das Gefühl haben, das ist gut, was ich jetzt gerade mache. Das ist gut, dass wir jetzt hier gerade für diesen Podcast sprechen. Und das ist gut, dass die Leute jetzt gerade zuhören und damit dann irgendwas machen. Oder damit, dass sie das irgendwie inspiriert und vielleicht mal in der U-Bahn oder in der Straßenbahn oder im Einkaufsladen die Kassiererin anlächeln. Oder einfach einen guten Tag sagen, wo die sonst nie guten Tag hat, obwohl sie ganz grimmig guckt und sie einfach so nimmt, wie sie gerade ist. Und dafür ist der Clown ein Sinnbild. Und das ist im Grunde genommen wirklich Arbeit.

Reinhard Horstkotte [00:29:48]:
Aber es ist eine gute Arbeit und eine schöne Arbeit. Und eine Arbeit, die sehr viel mit Spielerischem verbunden ist.

Julia Kaffka [00:29:56]:
Ja, das glaube ich sofort. Gibt es denn aber auch Momente, wo du sagen würdest, Humor ist jetzt nicht angemessen oder kann man eigentlich alles mit Humor lösen?

Reinhard Horstkotte [00:30:07]:
Ja, da müsste man jetzt dann auch schauen, was Humor ist. Ja, also Humor, ich sage immer Humor, was Humus für die Erde ist, Humor für die Seele. Also ich glaube, dass das manchmal nicht so offensichtlich sein kann. Also wenn wir zum Beispiel, wenn jemand im Sterben liegt und da sind ganz viel trauernde Menschen ihn rum und wir werden reingebeten, Dieses Humor im konventionellen Sinn, dass man was Lustiges macht oder dass man lacht, das ist sicherlich nicht immer angemessen. Aber Humor im Sinne von etwas, dass ich immer wieder suche, was es bedeutet, Mensch zu sein. Also was es bedeutet, dass Trauer seinen Platz hat und das, ich finde es schwer zu greifen. Wir haben ja ein ganzes Buch geschrieben über Humor und trotzdem ist es immer wieder schwer Humor zu definieren. Was Humus für die Erde ist, ist Humor für die Seele.

Reinhard Horstkotte [00:31:07]:
Aber natürlich kann man nicht immer lachen, aber man muss das in sich halten die ganze Zeit. Ich sage immer, ich wurde mal gefragt von einer Journalistin, was ist das, was meinen Beruf auszeichnet als Clown. Die hat alle möglichen Berufsgruppen gefragt und sie bat einen Satz. Der Regnant das beschreibt in seiner Tiefe und seiner Vollkommenheit, sag ich mal, jetzt ganz groß. Und ich habe dann wirklich ein paar Tage darüber nachgedacht und habe ihr dann diesen Satz gegeben und das passt eigentlich sehr gut auf ihre Frage oder auf deine Frage. Alles ist wichtig, alles ist wichtig, jeder Moment, alles ist wichtig, Aber nichts ist wirklich ernst. Also wenn ich das sehe, dass jeder Moment wichtig ist, dass auch die schmerzhaften und schwierigen Situationen wichtig sind, aber Ich gleichzeitig so etwas in mir trage, wo ich sage, das ist nicht ernst im Sinne von, es gibt noch ganz viel anderes. Es gibt noch eine große Perspektive.

Reinhard Horstkotte [00:32:11]:
Es gibt noch etwas, was ich jetzt noch gar nicht sehe. Dann lasse ich eine Türe offen für eine andere Wahrnehmung und das bedeutet auch immer Hoffnung. Das bedeutet auch immer Hoffnung für etwas anderes, für etwas Neues. Und natürlich, es gibt so schlimme Schicksale. Ich mache das jetzt seit 20 Jahren und für schwerstkranke Kinder und habe so viel gesehen. Aber da ist immer die Sehnsucht nach Hoffnung. Und auch kein Mensch, dem es schlecht geht, möchte, dass es dir in seiner Gegenwart auch schlecht geht. Er möchte immer, dass du den Humor behältst.

Reinhard Horstkotte [00:32:52]:
Er möchte immer... Stell dir vor, du liegst krank im Bett und dann kommen deine Freundinnen oder Freunde und du merkst denen geht es plötzlich ganz schlecht in deinem Zimmer, weil es dir schlecht geht. Du möchtest doch eigentlich, dass die dich wahrnehmen, deinen Zustand wahrnehmen und auch ein Stück weit vielleicht darauf Rücksicht nehmen und vielleicht ja auch Mitgefühl haben, aber eigentlich möchtest du auch, dass sie sich auch wohlfühlen, dass es ihnen doch gut geht. Und das ist das, alles ist wichtig, du bist wichtig, aber nichts ist wirklich ernst. Also das ist die Bedeutung dessen. Also das heißt nicht, dass man unsensibel ist oder dass man nicht mitfühlend ist. Man ist die ganze Zeit extrem mitfühlen. Aber es heißt, man lässt sich immer eine Türe offen.

Julia Kaffka [00:33:36]:
Wie motiviert man sich denn, wenn man das 20 Jahre macht und mit so viel Leid auch in Kontakt kommt? Was motiviert einen denn da immer weiterzumachen?

Reinhard Horstkotte [00:33:50]:
Jetzt du zum Beispiel, also Menschen mit denen ich sprechen kann, Menschen, die und meine Kollegen, das Miteinander, die Gemeinschaft, dass ich mich mitteilen kann und mich austauschen kann und immer wieder so Geschichten habe, wo ich merke, da ist diese Tore offen gegangen, da hat sich plötzlich so eine andere Wahrnehmung, so ein Perspektivwechsel vollzogen, den es ohne mich nicht gegeben hat. Und das ist natürlich großartig und total sinnvoll. Und ja, klar, die Liebe zur Kunst, die Liebe zum Klauen, die Liebe zu unserem Handwerk, es ist ja, ich rede ja jetzt sehr philosophisch daher die ganze Zeit, Aber es gehört natürlich auch ein wirklich anspruchsvolles Handwerk dazu. Also Clown zu sein ist nicht mal eben so nachgedacht. Es ist sehr körperlich, es hat was mit Musik zu tun, es hat was mit Zauberei zu tun, mit Improvisation. Also Theater-Improvisation ist ein ganz anspruchsvolles Handwerk. Wie macht man das, dass man ein Publikum mitnimmt und dass man Menschen bei der Stange hält, sie zum Lachen bringt? Und wie macht man das in einer Situation, wo ich überhaupt keinen Raum habe dafür, wo da ein Zimmer ist, wo lauter Fotos sind und wo es vielleicht auch noch riecht, sag ich mal, in einem Pflegeheim. Manchmal kommen Gerüche, also wo meine Sinne auch herausgefordert sind.

Reinhard Horstkotte [00:35:12]:
Wie bringe ich da das noch bei? Aber wenn man dann die Erfolge sieht, wenn ich mal mitgehe und die Clowns sehe und merke, wie die Atmosphäre sich ändert, wenn ich sehe, wie unsere, wie die, auch jetzt hier dieses Engagement von der BKK ZF & Partner, das ist motivierend, finde ich. Weil plötzlich etwas, was ich vor 20 Jahren gemacht habe und was nicht denkbar war, wird plötzlich sogar von Krankenkassen unterstützt. Und ja, Menschen interessieren sich. Es scheint eine Sehnsucht auch ein Stück weit die Antwort auf eine Sehnsucht zu sein, die Menschen haben, die nach Sinn suchen, nach mehr Sinnhaftigkeit in ihrem Leben.

Julia Kaffka [00:35:57]:
Ja, absolut. Jetzt habe ich zum Schluss noch Zwei Fragen. Es geht konkrete Tipps. Hast du denn zum Beispiel einen konkreten Tipp, was den Umgang mit demenzkranken Menschen angeht? Man tut sich da ja wahnsinnig schwer, wenn man damit noch nie was zu tun hatte und plötzlich in der Situation ist?

Reinhard Horstkotte [00:36:17]:
Genau, also alles was ich gesagt habe ist schon mal hoffentlich vielleicht so eine so hier das ein oder andere sicher nicht alles, aber vielleicht ist da ein bisschen was dabei, wenn ich gesagt habe akzeptiert, dass das so ist und und versuch den Menschen so zu sehen, meine Mama oder mein Papa, versuche zu verstehen, dass der krank ist. Also dass er, dass das, dass es nicht ein böser Wille ist, wenn er dich vielleicht beschimpft sogar, also wenn das jetzt blöd ist, sondern dass es wie ein Husten, wie eine Krankheit ist. Das muss man verstehen. Ich glaube, wenn man da wirklich sehr drunter leidet, da gibt es inzwischen auch viel Hilfe. Es gibt wirklich auch gute Bücher dazu, Ratgeber für Angehörige, die einem da zur Seite stehen. Und wie schaffe ich das, wenn sie mich nicht gehen lassen will und was kann ich dann machen und und Achtsamkeit, es gibt dann ganz viele Bücher über diese sogenannte Achtsamkeitsbewegung, wo man wirklich erstmal schaut, wie geht es mir eigentlich Und was kann ich mir Gutes tun, damit ich dem anderen was Gutes tun kann? Diese Dinge, da gibt es ganz tolle Bücher, ich weiß, muss man mal, kann man ja mal eingeben. Achtsamkeit, es gibt diesen wunderbaren buddhistischen Lehrer Thich Nhat Hanh, der da sehr viel gemacht hat. Es sind keine buddhistischen, nur nicht nur buddhistische Bücher, sondern wirklich ganz praktische Tipps, wie man Achtsamkeit üben kann, Das sind ganz nützliche Dinge.

Reinhard Horstkotte [00:37:48]:
Und ja, und sich vielleicht an seinen eigenen Clown erinnern auch immer wieder. Was bedeutet das? Wie fühlt sich das an, wenn ich Clown bin? Das heißt nicht, dass jemand Clown werden soll, weil Das ist in der Tat ein richtiges Studium. Aber man hat innerlich doch immer so einen kleinen Clown in sich, der die Dinge ein bisschen leichter nimmt. Der die Dinge des Lebens einfach mit einer anderen Perspektive Der aus einer Banane eine Geige machen kann oder aus einer Wasserflasche ein Baby oder dieses Spielerische, zu spielen mal wieder, das Spielen ernster zu nehmen und nicht einfach die Dinge spielerischer anzugehen und Da irgendwie einen Weg zu finden mit meiner... Was mag denn meine Mutter? Meine Mutter mag zum Beispiel Volleyball immer. Und wenn ich mit dem Ball komme, dann werfe ich ihr den Ball zu. Was mochte denn deine Mutter gerne? Was hat sie geliebt? Gibt es da irgendeinen Ansatz vielleicht? Was sie mochte und was ich mochte? Und dann können wir uns darüber treffen. Und auch den Schmerz anerkennen, der da ist, weil ich meine Mutter eigentlich verloren habe, so wie sie war.

Reinhard Horstkotte [00:38:55]:
Es ist ein Stück weit auch ein... Wenn sie mich dann nicht mehr erkennt, dann war es das. Und dann muss ich auch erst mal anerkennen, dass ich sehr traurig bin. Und da kann man auch nicht helfen, da kann man nur Ja zu sagen. Und wenn ich da Ja zu sage, dann merke ich schon, wie das so ist, wenn man trauert, dass sich dann neue Türen öffnen.

Julia Kaffka [00:39:17]:
Okay, das sind auf jeden Fall gute Tipps. Wenn wir jetzt mal weggehen von der Krankheit, mal in den Alltag gehen, hast du da auch einen Tipp, wie wir vielleicht schwere Situationen, die wir im Alltag bewältigen müssen, vielleicht auch im Job besser und leichter nehmen können mit Humor?

Reinhard Horstkotte [00:39:40]:
Ja, also alles, was ich eben gesagt habe, auch. Ja, also diese Achtsamkeit, das ist gut. Und ich weiß, Wir machen ja auch Humorseminare. Rote Nasen macht ja auch Humorseminare. Für Pflegende und Pfleger. Aber die sind eigentlich für alle gut. Und da gibt es eine schöne Übung. Das nennt man im Neudeutsch Reframing.

Reinhard Horstkotte [00:40:02]:
Und wenn du zum Beispiel meine wegen deine Nachbarn, die sind laut. Und zwar jede Nacht. Und sie lassen, du kannst nicht schlafen. Also die machen einen Lärm oder spielen bis vier Uhr morgens so ein Ballerspiel mit der Playstation und es wummert und wummert und du... Und dann merkst du, das ist echt eine schwierige Situation. Und dann stritzt du mal einen Schritt zur Seite und fragst dich, was könnte gut daran sein?

Julia Kaffka [00:40:26]:
Ja? Mhm.

Reinhard Horstkotte [00:40:28]:
Mhm, genau. Also dann sagst du, okay, fällt mir jetzt nichts ein, was da jetzt gut dran sein soll, dass ich bis 4 Uhr wach sein muss, wo ich doch 7 Uhr morgens aufstehen muss. Und wenn du da aber ein bisschen länger überlegst, dann sagst du, ich sollte vielleicht mal rübergehen. Also Ein Punkt könnte gut daran sein, ich klingel immer bei den Nachbarn und ich gehe mal in Kontakt zu den Nachbarn. Oder es könnte gut daran sein, dass ich, ich habe meiner alten Freundin lange lange keinen Brief mehr geschrieben, dann schreibe ich einen Brief in der Zeit. Es könnte gut daran sein, dass ich plötzlich merke, wie schön es ist, wenn Stille ist und dankbar dafür bin, wenn es ruhig ist. Es könnte gut daran sein, wenn man dann in der Gruppe, wir machen das dann in der Gruppe, und dann kam eine Kollegin und stellte diese Frage, das war wirklich konkret so, Und dann half die Gruppe ihr noch, was könnte gut dran sein. Dann bekommt man plötzlich, das Problem geht dann nicht weg.

Reinhard Horstkotte [00:41:25]:
Also ich kann immer noch nicht schlafen, aber diese ganze Situation verliert dann ein bisschen an Gewicht. Also es bekommt dann noch etwas oder vielleicht verliert es auch noch nicht mal an Gewicht, weil man braucht Schlaf. Aber es kommt noch was anderes dazu.

Julia Kaffka [00:41:39]:
So ein bisschen der Perspektivwechsel.

Reinhard Horstkotte [00:41:41]:
Es ist ein Perspektivwechsel. Ja und das kann man super so machen.

Julia Kaffka [00:41:47]:
Sehr schön. Reinhard, vielen, vielen Dank für die Einblicke in deine Arbeit. Es hat wirklich Spaß gemacht, mit dir zu sprechen, obwohl das so ein hartes Thema ist. Also mit Krankheit und so, aber es hat wirklich, es war ein sehr, sehr schönes Gespräch.

Reinhard Horstkotte [00:42:00]:
Ja, du hast auch gut zugehört, Julia. Dankeschön.

Julia Kaffka [00:42:04]:
Also ich persönlich werde auf jeden Fall den ein oder anderen Tipp im Alltag umsetzen. So viel steht fest.

Reinhard Horstkotte [00:42:09]:
Ja, erzähl mir dann, wie es war.

Julia Kaffka [00:42:10]:
Das mache ich auf jeden Fall. Und wenn ihr nichts mehr von uns verpassen wollt, Abonniert einfach unseren Kanal in eurer Podcast-App. Und bis dahin, bleibt gesund!

Leben mit Endometriose – Zwischen Schmerz und Unfruchtbarkeit

Der Leidensweg vieler Endometriose-Betroffener beginnt oft mit dem Eintreten der ersten Menstruation. Viele Frauen leiden still an Menstruationsbeschwerden und Endometriose, weil das Thema oft tabuisiert wird. Endometriose, die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung, bleibt oft jahrelang unerkannt. Eva Walle kämpft für Veränderung. Seit ihrer eigenen Diagnose unterstützt sie die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. und setzt sich in der Arbeitsgruppe Endo-Politisch aktiv für Lobbyarbeit ein. Dr. Sebastian Findeklee, Spezialist für Endometriose und Reproduktionsmedizin, ist ebenfalls Teil der Diskussion. Es ist wichtig, das Schweigen um dieses Tabuthema zu brechen und über Menstruationsbeschwerden und Endometriose offen zu sprechen.

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Transkript

Julia Kaffka [00:00:10]:

Hallo, mein Name ist Julia Kafka und ich führe euch heute wieder durch euren Gesundheitspodcast der BKK ZF & Partner. Es ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung, unglaublich viele Frauen leiden darunter und bekommen in den meisten Fällen erst nach Jahren eine Diagnose. Es geht Endometriose. Für viele ist das Thema tatsächlich noch völlig unbekannt. Da sie sich nicht bei jeder Frau gleich zeigt, wird sie auch sehr passend das Chamäleon der Gynäkologie genannt. Viele Betroffene leiden nämlich an chronischen Schmerzen, Unfruchtbarkeit und vielen weiteren Symptomen, auch unter der Nichtsichtbarkeit auf politischer Ebene. Eine, die das ändern möchte, ist Eva Walle. Sie engagiert sich seit ihrer Endometriose-Diagnose ehrenamtlich bei der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. sowie in der Arbeitsgruppe Endo-Politisch aktiv. Sie betreibt Lobbyarbeit und vertritt die Interessen der Betroffenen gegenüber Politik und Verwaltung. Eva, herzlich willkommen! Hallo! 

Eva Walle [00:01:09]:

Hallo! 

Julia Kaffka [00:01:10]:

Hallo! Ebenfalls heute mit dabei ist Dr. Sebastian Findeklee. Er ist Gynäkologe und spezialisiert auf dem Gebiet der Endometriose und Reproduktionsmedizin. Auch Ihnen herzlich willkommen.

Hr. Dr. Findeklee [00:01:22]:

Guten Tag, ich freue mich dabei zu sein.

Julia Kaffka [00:01:24]:

Hallo. Betroffene leiden häufig darunter, dass sie von vielen belächelt werden. Also den Satz, stell dich nicht so an oder das sind doch nur Regelschmerzen, ist nicht so schlimm, den haben vermutlich schon viele gehört, sei es vom Arbeitgeber, von Freunden oder Familie oder auch vom eigenen Gynäkologen. Der durchschnittliche Weg zu einer Endometriosediagnose dauert tatsächlich 7 Jahre. Eine sehr lange Zeit, wenn man bedenkt, unter welchen starken Schmerzen die Betroffenen leiden können. Ich bin selbst betroffen und bei mir wurde Gott sei Dank die Endometriose durch einen Zufall mit 15 diagnostiziert. Man dachte, ich habe einen entzündeten Blinddarm und bei der OP hat man sie dann entdeckt. Aber fangen wir jetzt erst mal ganz am Anfang an bei den Basics.

Julia Kaffka [00:02:09]:

Wir holen alle mit ins Boot, die noch nicht genau wissen, was Endometriose überhaupt ist. Herr Dr. Findeklee, Können Sie uns das mal ganz kurz zusammenfassen? Was ist Endometriose eigentlich?

Hr. Dr. Findeklee [00:02:20]:

Endometriose bedeutet, dass Gebärmutterschleimhaut, also das sogenannte Endometrium, außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Das kann an verschiedensten Stellen im Körper sein, am häufigsten in der Niedergebärmutter, weil man davon ausgeht, dass Endometriose durch eine sogenannte retrograde Menstruation, also den Lauf von Menstrualblut rückwärts über die Eileiter der Richtung Eierstock in das Becken entsteht, kann aber theoretisch auch in anderen Teilen des Körpers vorkommen. Es gibt sogar einen Einzelfall in Endometriose im Bereich des Gehirns oder im Bereich von Nervenschleudern, zum Beispiel am Ischiasnerv. Insofern scheint es auch noch andere Faktoren zu geben, wie zum Beispiel eine Aussaat über das Blut. Diese Endometriose per se scheint bei vielen Frauen vorzukommen. Es gibt allerdings Frauen, wo der Körper es offensichtlich schafft, das Gewebe abzubauen und es keine weiteren Beschwerden gibt. Bei Frauen mit Endometriose geht man davon aus, dass es noch einen weiteren Mechanismus gibt, zum Beispiel ein Problem auf immunologischer Ebene, wo es der Körper nicht schafft, diese Gewährmutterschleimhaut aus dem Becken wieder abzubauen und es stattdessen zu einer Entzündungsreaktion kommt, die teilweise mit sehr starken Schmerzen reagiert, zum Beispiel durch bestimmte Entzündungshormone wie Prostaglandine.

Julia Kaffka [00:03:39]:

Das ist was genau?

Hr. Dr. Findeklee [00:03:42]:

Prostaglandine sind Entzündungsmediatoren, Entzündungshormone, die beispielsweise dazu führen, dass die Gewehrmutter sich verkrampft, dass es zu starken Schmerzen kommt im Bereich der Gewehrmutter. Und diese Hormone werden wahrscheinlich freigesetzt, wenn eine Entzündungsreaktion auftritt und der Körper eben versucht, dieses Gewebe abzubauen, dieses Endometriumgewebe, diese Gebärmutter-Schleimhaut.

Julia Kaffka [00:04:06]:

Okay, da stellen sich aber viele natürlich die Frage, wenn man hört sieben Jahre dauert es im Schnitt bis eine Frau wirklich weiß, dass sie Endometriose hat. Das sind ja alles studierte Ärzte da draußen, die sich das anschauen. Man fragt sich, warum ist das so unglaublich schwer, das zu diagnostizieren?

Hr. Dr. Findeklee [00:04:23]:

Also eine Schwierigkeit besteht in der Vielschichtigkeit der Symptome. Also das Leitzentrum der Endometriose ist tatsächlich die schmerzhafte Regelblutung, gerade zyklusabhängige Regelschmerzen, also Schmerzen vor und während der Menstruation. Es gibt allerdings auch noch viele andere Symptome, zum Beispiel je nachdem, wo die Endometriose liegt. Wenn sie im Bereich der Blase liegt, kann auch Schmerz beim Wasserlassen dazukommen oder Schmerz beim Stuhlgarn. Es kann auch mitunter zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen. Es kann allerdings auch zu Rückenschmerzen kommen, also je nachdem, wo wirklich die Endometriose lokalisiert ist. Und insofern ist es so, dass manchmal die Endometriose dann vielleicht wirklich nicht erkannt wird, weil sie eben so viele Gesichter hat. Sie sagten ja, es ist wie ein Chamäleon, das sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise präsentieren kann.

Hr. Dr. Findeklee [00:05:14]:

Hinzu kommt sicher auch die Tatsache, dass eine unauffällige gynäkologische Untersuchung allein eine Endometriose nicht ausschließt. Es kann also durchaus sein, dass man die Endometriose zum Beispiel durch Untersuchungsmethoden wie die gynäkologischen Untersuchungen oder eine Ultraschalluntersuchung nicht diagnostiziert, weil eben diese Herde manchmal ganz, ganz klein sind und wenn sie im Bauchfell liegen, zum Beispiel vom Darm überlagert werden, kann man sie einfach mit bloßem Auge nicht sehen. Und von daher ist es mitunter ein langer Weg, bis vielleicht tatsächlich irgendwann zum Beispiel eine Bauchspiegelung gemacht wird oder weitere Untersuchungen, wo man dann Endometriose feststellt.

Julia Kaffka [00:05:53]:

Mir wurde gesagt, man kann sie tatsächlich am Ende nur feststellen, wenn man reinguckt, sozusagen.

Hr. Dr. Findeklee [00:05:59]:

Es gibt In der Tat mittlerweile auch noch neuere Tests, die entwickelt wurden. Zum Beispiel ist im Februar diesen Jahres ein Speicheltest herausgekommen, wo man mit ungefähr 95% Wahrscheinlichkeit nachweisen kann, ob eine Endometriose vorliegt oder nicht. Es gibt auch mittlerweile Biomarker-Tests aus dem Blut. Die sind allerdings wissenschaftlich auch noch nicht hinreichend evaluiert und noch sehr neu, so dass man noch kein abschließendes Urteil darüber abgeben kann. Ansonsten ist tatsächlich nach wie vor die Bauchspiegelung, also die Laparoskopie, der Goldstandard, wo man durch eine feingewebliche Untersuchung oder durch eine Histologie nachweisen kann, ob es sich Erregungspirose handelt oder nicht. Eine Operation dagegen ist natürlich ein invasiver Eingriff, sodass es dort auch so ist, dass natürlich die meisten Frauen davor zurückschrecken und dass man auch nicht gleich als Gynäkologin oder Gynäkologe einer Patientin sagt, man sollte jetzt eine Bauchspiegelung machen, weil das wie gesagt ja auch ein invasiver Eingriff ist, der auch Komplikationen haben kann, wie zum Beispiel auch Orgamiverletzungen oder Ähnliches. Von daher ist es tatsächlich leider in vielen Fällen ein langer Weg. Die Endometriose kann ja auch an verschiedenen Stellen im Körper vorkommen.

Hr. Dr. Findeklee [00:07:11]:

Wenn die Endometriose zum Beispiel am Eierstock vorkommt, kann man sie häufig im Ultraschall erkennen. Oder man kann auch manchmal in MRT Endometriose erkennen. Aber es gibt wie gesagt durchaus viele Frauen, gerade bei Endometriose im Bereich des Bauchfelds, wo es nicht möglich ist, ohne den operativen invasiven Eingriff die Endometriose zweifelsfrei nachzuweisen. Und es ist sehr verständlich, dass man vor solchen operativen Eingriffen auch erst mal zurückschreckt und dass es mitunter deshalb damit dauert, bis tatsächlich Endometriose festgestellt wird.

Julia Kaffka [00:07:40]:

Können Sie denn sagen, was ist denn der größte Unterschied zwischen normalen Regelschmerzen und Endometrioseschmerzen?

Hr. Dr. Findeklee [00:07:48]:

Das ist auch sehr schwer zu sagen, weil tatsächlich die Intensität der Schmerzen auch nicht immer mit dem Schweregrad der Endometriose korreliert und von daher ist es immer ein individueller Schmerz und man kann jetzt nicht sagen, wenn der Schmerz eine bestimmte Stärke erreicht hat, zum Beispiel auf einer visuellen Analogskala, kann man nicht sagen, dass da eine Endometriose vorliegt oder wenn der Schmerz eben nicht die entsprechende Stärke hat, ist eine Endometriose nicht ausgeschlossen. Von daher gibt es eben leider keine objektiven Parameter, wie man sagen kann, ob eine Endometriose folgt oder nicht. Es ist letztendlich, denke ich, die klinische Situation, die Anamnese, dass man eben fragt, wie äußern sich die Beschwerden, sind sie zyklisch und natürlich auch der Untersuchungsbefund und wenn man dann den Verdacht hat, dann ist es wie gesagt mitunter sinnvoll vielleicht auch eine Bauchspiegelung durchzuführen oder zumindest auch eine hormonelle Therapie, zu sehen, ob eben eine Besserung stattfindet. Wenn also zum Beispiel durch eine hormonelle Therapie eine Besserung der Beschwerden erfolgt, dann kann man auch davon ausgehen, dass gegebenenfalls eine Endometriose vorliegt. Oder sonst, wenn man den Verdacht hat, dass auch eine Beeinträchtigung von Organen vorliegt, z.B. Eine Handhaltende Endometriose mit Nierenstau oder eine Beteiligung der Eileiter mit Problemen schwanger zu werden, dann ist es sinnvoll, die Bauchspiegelung zu machen. Wie gesagt, der Speicheltest oder bestimmte Biomarker aus dem Blut sind jetzt noch eine Zulassungsoption, die wir seit kurzem haben. Aber die müssen sich sicher auch noch in der Praxis begehen.

Hr. Dr. Findeklee [00:09:20]:

Das ist noch kein Standard.

Julia Kaffka [00:09:23]:

Jetzt haben Sie eben schon gesagt, die Endometriose-Symptome sind sehr vielschichtig. Kann man aber sagen, gibt es besonders häufige Symptome und wie beeinträchtigen die denn vielleicht sogar den Alltag?

Hr. Dr. Findeklee [00:09:36]:

Die häufigsten Symptome der Endometriose sind die menstruationsabhängigen Schmerzen, ganz typisch schon ein bis zwei Tage vor der Menstruation beginnend und dann an den ersten Tagen der Menstruation. Das sind meistens sehr starke Krämpfe im Unterleib, eben durch die eingangs beschriebene Prostaglandine. Und meistens im mittleren Unterwurf, teilweise auch in den Rücken ausstrahlend, manchmal sogar auch in das Bein ausstrahlend. Des Weiteren findet man bei Frauen mit Endometriose sehr häufig Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die sogenannte Tysperionie, sowie häufig aus einem unerfüllten Kinderwunsch, weil die Endometriose tatsächlich sowohl die Einzelqualität beeinflusst, als auch die Funktion der Einleiter und der Gebärmuttermuskulatur beeinträchtigen kann. Weitere Symptome sind, wie ich schon eigentlich gesagt habe, je nach Lokalisation der Endometriose Schmerzen zum Beispiel beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang oder auch wenn die Endometriose im Bereich der Gewährmuttermuskulatur vorkommt, als sogenannte Adenomyose, verlängerte verstärkt dünne Blutungen.

Julia Kaffka [00:10:42]:

A. Okay. Wenn ich mich jetzt da wiederfinde in den Beschreibungen von Ihnen, Was kann ich denn tun, zu einer Diagnose zu gelangen? Relativ schnell und wo bekomme ich denn Hilfe?

Hr. Dr. Findeklee [00:10:54]:

Die erste Ansprechpartnerin bzw. Der erste Ansprechpartner ist sicher die Frauenärztin oder der Frauenarzt. Wenn die Untersuchung unauffällig ist oder ein unklarer Befund vorliegt, zum Beispiel eine Diskrepanz zwischen dem unauffälligen Befund bei der Untersuchung und den Beschwerden der Patienten, macht es manchmal auch Sinn, in spezielle Sprechstunden oder in spezialisierte Praxen zu überweisen. Es gibt ja wie gesagt auch Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel besonders auf die Behandlung von Frauen mit Endometriose spezialisiert sind. Man kann zum Beispiel auch über die Stiftung Endometrioseforschung, so wie ich es auch getan hatte, eine spezielle Qualifikation auf dem Gebiet der Endometriose erwerben und sich dort speziell weiterbilden. Es gibt auch an Kliniken sogenannte Endometriose-Sprechstunden. Diese sind vor allem in den Unikliniken angesiedelt. Es gibt aber auch in anderen nicht-universitären, größeren Kliniken teilweise Spezialspezialstunden für Frauen mit Endometriose oder Verdacht auf Endometriose.

Hr. Dr. Findeklee [00:11:54]:

Da gibt es dann die Endometriosezentren Level 1 bis 3. 3 ist sozusagen die größte Spezialisierung, 1 ist dann die Basisversorgung, auch spezialisiert sind. Des Weiteren ist es sicher auch hilfreich, auch wenn man den Verdacht hat und die Diagnose noch nicht bestätigt wurde durch eine Gewebeuntersuchung, dass man auch zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe kontaktiert. Da gibt es ja auch in Deutschland verschiedene Selbsthilfegruppen, wie zum Beispiel die Endometriose-Vereinigung Deutschland oder auch Endometriose-Dialog. Da kann man wirklich auf sehr kompetente Hilfe erwarten. Ich denke, Das Internet alleine ist nicht hilfreich, weil man dort häufig auch unterfinanzierte Informationen bekommt. Und ich denke im Internet ist es auch nicht so leicht, mit anderen in Kontakt zu treten oder vielleicht auch zu sprechen. Ich denke deshalb sollte man, wie gesagt, entweder die gynäkologische Praxis oder eben die Spezialsprechstunden an den Kliniken oder die Selbsthilfegruppen aufsuchen.

Julia Kaffka [00:12:56]:

Jetzt noch eine ganz spannende Frage. Kann man Endometriose überhaupt heilen und wenn ja, wie? Weil mir wurde gesagt, heilbar ist es nicht und außerdem wird es ganz schwer schwanger zu werden und so. Hat bei mir jetzt überraschenderweise gut geklappt und seitdem ich die Pille nicht mehr nehme, habe ich tatsächlich kaum noch schmerzen. Kann mir keiner erklären, Sie wahrscheinlich auch nicht, weil man müsste wahrscheinlich reingucken oder keine Ahnung. Aber vielleicht haben Sie eine Erklärung. Kann man es denn heilen?

Hr. Dr. Findeklee [00:13:26]:

Sehr gute Frage. Also prinzipiell ist es tatsächlich so, dass die Endometriose östrogenabhängig wächst. Das heißt, je höher die Endometriose im Körper ist, desto aktiver die Endometriose. Es scheint auch eine gewisse genetische Komponente zu geben. Insofern ist es so, dass tatsächlich unter einer Hormontherapie mit Gelbkörperhormonen, sogenannten Gestagen, die Beschwerden meistens sehr gut werden und auch teilweise weggehen. Es kann durchaus auch sein, dass das in der Schwangerschaft oder nach der Schwangerschaft auch zu Verbesserungen kommt durch das Gelbkörperhormon, was dort produziert wird. Und man weiß auf jeden Fall, dass Frauen, die postmenopausal sind, also die nicht mehr in der reproduktiven Lebensphase sind, die keine Regelblutung mehr haben, dass die in der Regel dann keine aktive Endometriose mehr haben. Diese Endometriose kann aber allerdings bei diesen Frauen auch wieder aufladen, wenn sie dann Hormone nehmen, zum Beispiel wegen Wechseljahresbeschwerden, also in dem Fall Östrogen.

Hr. Dr. Findeklee [00:14:26]:

Insofern scheint es also hier neben der genetischen Veranlagung eben diesen Zusammenhang mit dem Östrogen zu geben. Man könnte also sagen, durch einen kompletten Östrogenentzug ist es teilweise möglich, die Endometriose auch zu heilen, zumindest theoretisch. Ich denke aber auch hier wird wieder deutlich, wie vielschichtig sich die Endometriose äußert und wie individuell auch jede Erkrankung ist. Man kann sicher nicht sagen, das ist immer so. Man kann nur sagen, es ist in vielen Fällen so. Oder man kann es vielleicht bei vielen Frauen beobachten. Ich kann mich auch schon an Patienten erinnern, die durchaus nach einer Schwangerschaft eine Verschlechterung der Endometriose verspürt haben. Und was den Kinderwunsch betrifft, ist es tatsächlich so, dass es ungefähr doppelt so viele Frauen mit Endometriose gibt, für die es schwieriger ist schwanger zu werden im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose.

Hr. Dr. Findeklee [00:15:16]:

Und es gibt so grundsätzlich aber eine dritte Regel. Ein Drittel der Frauen mit Endometriose wird trotzdem ohne Probleme schwanger. Ein Drittel hat doch etwas größere Probleme schwanger zu werden. Und bei einem Drittel der Frauen klappt es entweder nicht oder eben nur noch ausgedehnt mit Hintergrundbehandlung. Und man weiß bis heute auch nicht, welche Frau in welche Gruppe gehört und warum es tatsächlich so ist, dass manche Frauen schwanger werden, trotz Endometriose und andere ganz große Probleme haben, schwanger zu werden. Also Da ist sicher auch noch viel wissenschaftliche Arbeit notwendig. Man kann das nicht so pauschal sagen, man kann es nur grundsätzlich sagen, dass es in vielen Fällen zu einer Verbesserung kommt durch den Gelbkörper im Hohn und dass es eben meistens nach der Menopause so ist, dass die Endometriose nicht mehr aktiv ist bei den meisten Frauen.

Julia Kaffka [00:16:08]:

Sehr, sehr spannend. Also vielleicht kann ich ja Mut machen und bin ein gutes Beispiel, Endometriose-Patientinnen auch positiv zu stimmen.

Hr. Dr. Findeklee [00:16:18]:

Auf jeden Fall.

Julia Kaffka [00:16:19]:

Ja, also ich habe tatsächlich damit gerechnet, dass das ewig dauern wird und mit Schwanger werden und so weiter und so fort oder vielleicht gar nicht funktioniert. Also da war ich auf Schlimmes eingestellt.

Hr. Dr. Findeklee [00:16:30]:

Das fände ich eben auch ganz wichtig, dass man Mut macht, dass man jetzt nicht sagt, es liegt mir eine Mitriose vor und das Leben geht nicht mehr weiter. Es ist ganz schlimm, dass man gewissermaßen wie abgestempelt ist und sagt, ich bin jetzt schwer krank und es geht nicht weiter, so dass man auch weiß, man kann sich auch helfen. Es kann auch sein, dass trotzdem der Kinderwunsch sich zum Beispiel erfüllt. Es gibt viele Möglichkeiten und dass man sich vielleicht eher auch ermutigt fühlt, sich auch mitzuteilen oder vielleicht auch mit anderen darüber zu sprechen, aber jetzt nicht in eine Schockstarre verfällt und sagt, es geht gar nichts mehr. Und ich denke, wichtig ist eben Unterstützung, gerade von gynäkologischer Seite, der empathischen und unterstützenden Betreuung. Dann sicher auch das Verständnis im Umfeld, was natürlich nicht immer so leicht ist. Unterstützung durch ihren Freundeskreis, durch die Familie. Und gerade das Thema Kinderwunsch ist ja auch so multifaktoriell.

Hr. Dr. Findeklee [00:17:24]:

Da spielt ja auch zum Beispiel die Fruchtbarkeit des Partners eine Rolle. Und nicht zuletzt, ganz wichtig, das Lebensalter. Ich meine, vielleicht ist das manchmal auch, gerade wenn eine Frau Kinderwunsch hat, dann auch ein Grund zu sagen, okay, wir setzen die Pille vielleicht auch nicht erst mit Ende 30 ab, wo man schon weiß, dass die Kropfbarkeit ab 35 auch was Biologisches und schon nachher ist auch bei Frauen ohne Endometriose sehr deutlich. Nachdessen muss man sagen, besonders, wenn man dann vielleicht sagt, okay wir versuchen es vielleicht auch schon etwas früher den Kinderwunsch umzusetzen, wohl wissen das vielleicht auch, dass das jüngere Alter wieder positiv ist und auch die Fruchtbarkeit beeinflusst ist. Also nicht nur die Endometriose, die dort wirkt. Aber natürlich ist es so, wenn das Alter zum Beispiel dann über 35 ist und noch eine Endometriose vorliegt, dann ist es natürlich deutlich schwieriger, Spender zu werden, Als wenn man vielleicht zum Beispiel mit 30 etwas Pflegehintergrund schon hat.

Julia Kaffka [00:18:19]:

Wenn man den richtigen Partner noch nicht hat, eine schwierige Angelegenheit. Auch hier kann ich sagen 37 und Endometriose. Liebe Frauen da draußen. Ich weiß auch,

Hr. Dr. Findeklee [00:18:31]:

das gibt auf jeden Fall Hoffnung. Das heißt ja auch nicht, dass es da nicht klappen kann, aber es ist wie gesagt immer ganz individuell und das sollte man vielleicht auch in der Medizin wissen. Es gibt jetzt keine klaren Gesetze, dass man sagt, bei jeder Frau ist es so oder Bei jeder Frau ist es so oder bei jeder Frau ist es so oder jede Erkrankung einer Endometriose äußert sich so oder äußert sich so. Es gibt eine ganz große Bandbreite und auf jeden Fall besteht, denke ich, auch für jede Frau ganz viel Hoffnung, auch, dass es trotz Endometriose oder auch trotz bestimmter Situationen klappen kann. Ich denke, das ist auch wichtig, dass man das betont, dass man nicht denkt, oh Gott, ich habe überhaupt keine Chance, das geht gar nicht weiter.

Julia Kaffka [00:19:12]:

Alles ist aussichtslos, ja, absolut. Jetzt werden ja aber immer noch viele Frauen damit erst mal gar nicht ernst genommen mit dem Thema. Was muss denn aus Ihrer Sicht als Mediziner passieren, damit Patientinnen eben doch ernst genommen werden mit den Beschwerden?

Hr. Dr. Findeklee [00:19:27]:

Das ist natürlich auch sehr viel. Also Als erstes beginnt es natürlich schon mit der Ausbildung der Ärzte und Ärzte. Dass also das Thema Endometriose auch im Studium schon angesprochen wird. Dass man das im Rahmen der Weiterbildung zur Facharzt, zum Facharzt für Epidemiologie und Geburtshilfe thematisiert. Dass natürlich auch die Erkrankung sichtbarer wird, vielleicht auch in der Gesellschaft, dass es auch von politischer Seite Unterstützung gibt, dass das gegebenenfalls im Gesundheitssystem auch abgebildet wird. Also wenn man jetzt zum Beispiel bedenkt, dass man vielleicht für eine durchschnittliche Patientin in der Praxis nur 10 bis 15 Minuten Zeit hat und sonst es vielleicht auch für die Praxis unwirtschaftlich ist, eine Patientin zu betreuen, dann weiß man natürlich oder kann man sich schnell zusammenziehen, dass es bei vielen Frauen mit Endometriose nicht ausreicht, nur zehn Minuten zu reden, was da wirklich deutlich mehr von Nöten ist, die Patientin gut zu betreuen und ihnen auch gerecht zu werden. Also von daher denke ich, reichen wirklich diese Maßnahmen, ich von der Ausbildung, von der Sensibilisierung für die Erkrankung über teilweise gesundheitspolitische, strukturpolitische Probleme, wie zum Beispiel Abbildung in den Praxen, was die Vermutung betrifft, bis hin auch zu Möglichkeiten, auch Endometriose-Patienten auch Medikamente, Heil- und Hilfsmittel zu beschreiben, wo wir ja auch in den Praxen leider durch das Budget relativ reglementiert sind und es vielleicht gar nicht möglich ist, alle Hilfsmittel auch den Patienten zur Verfügung zu stellen, von denen sie profitieren würden. Es gibt vielleicht auch noch, da denke ich, gibt es schon Fortschritte in den letzten Jahren, auf digitale Anwendungen, wie zum Beispiel die Endometriose-App, wo auf Patienten Unterstützung kriegen können.

Hr. Dr. Findeklee [00:21:17]:

Das finde ich schön, wenn das auch weiter ausgebaut würde. Dann wäre es sicher auch noch ein großer Gewinn für die Patientin. Und nicht zuletzt, dass man vielleicht auch die Endometriose zum Beispiel auch sichtbarer macht, indem man zum Beispiel auch über die Interstitial Management Programme einzuführen, wo man auch strukturiert die Warnung der Erkrankung stattfinden lassen kann in den Praxen. So ähnlich wie es zum Beispiel in der Gynäkologie schon für Brustkrebs durchgeführt wurde. Und dass man vielleicht auch bestimmte Tests, wie zum Beispiel jetzt diesen Speicheltest, der vor neun Monaten auf den Markt gekommen ist, dass man die vielleicht auch mal unterstützt, dass sie auch bezahlbar werden. Ich denke, selbst das ist noch nicht alles, was ich jetzt sagen konnte, aber es wären vielleicht die wichtigsten Punkte. Also Ausbildung der Ärzte, Sensibilisierung, Abbildung der Patienten, auch in der allgemeinen gynäkologischen Sprechstunde, ausreichende Möglichkeiten, die Patienten mit Heilmitteln und Medikamenten zu versorgen, digitale Anwendung, Unterstützung Und natürlich auch Unterstützung bei Themen wie Kinderwunsch oder Arbeitsplatz. Da könnte man natürlich auch noch lange reden, wenn man bedenkt, dass Paare, die zum Beispiel nicht verheiratet sind und Endometriose haben oder wie Frau Endometriose hat, auch keinerlei finanzielle Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen haben.

Hr. Dr. Findeklee [00:22:41]:

Also da gibt es sicher auch noch viel Bedarf zu unterstützen. Ich weiß natürlich auch, dass die finanziellen Mittel im Gesundheitssystem begrenzt sind. Aber gerade deshalb ist es eben auch wichtig, dass auch Frauen wie Frau Waddell zum Beispiel auch Arbeit betreiben und auch Fürsprecherin sind für die Patientinnen und damit auch versuchen, die Patientinnen Gehör zu verschaffen und eben die Patientinnen auch zu vertreten und der Politik und der Öffentlichkeit, weil sonst wird sich nichts tun. Ich gebe auch mein Bestes, aber einer allein wird nicht die Welt verändern können. Es geht sich ja nur gemeinsam und eben durch eine gute Arbeit, durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit ohne Verletzungen.

Julia Kaffka [00:23:23]:

Absolut, das ist eine sehr sehr schöne Überleitung, muss ich sagen. Also wir können festhalten, es gibt noch einiges zu tun Und du Eva engagierst dich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Endometriose-Vereinigung und auch im politischen Bereich für die Interessen und die Sichtbarkeit von Endometriose-Patientinnen, genau das zu verändern. Warum ist denn die Sichtbarkeit für diese Erkrankung so wichtig und warum ist sie überhaupt gar nicht so sichtbar im Moment?

Eva Walle [00:23:50]:

Ja, das ist tatsächlich auch eine sehr, sehr, sehr schwierige Frage, die wir uns als Verein auch immer wieder stellen und als Patientenvertretung. Unser Positionspapier in Richtung Politik, Bundestag, Landtag, Kommunalpolitik beinhaltet auch genau das. Und dort benennen wir es auch so konkret. Endometriose ist viel mehr als eine Erkrankung mit Regelschmerzen. Es ist wirklich eine Volkskrankheit und ein gesamtgesellschaftliches Problem auch dadurch. Weil, du hattest eben schon gesagt, du hast Ausfallzeiten unter Umständen im Job. Das kann natürlich auch nicht im Sinne der Arbeitgeber sein, auch nicht im Sinne des Gesundheitssystems sein. Von daher arbeiten wir da dran.

Eva Walle [00:24:32]:

Wir brauchen auf jeden Fall viel, viel mehr Forschung, auch im Thema Gendermedizin. Die bekannte Professorin aus Berlin, Professor Mexner, also eine absolute Koryphäe auch auf dem Gebiet der Endometriose, hat es genauso formuliert damals und hat gesagt, wenn das eine Erkrankung wäre, die hauptsächlich Männer betreffen würde, wären wir hier schon viel, viel weiter. Das ist natürlich ein bisschen polemisch, allerdings hat sie wahrscheinlich auch nicht ganz unrecht. Ich meine, man sieht es auch in anderen Erkrankungen, dass da die Forschung wirklich sehr stark immer noch auf das männliche Geschlecht ausgelegt ist. Und das ist etwas, woran wir zum Beispiel auch arbeiten auf politischer Ebene. Herr Findecler hat es eben auch schon gesagt, die Vergütung von Endometriose-Sprechstunden, das ist auch ein ganz großes Thema. Das Thema Zeit für Endometriose-Patientinnen, das ist ein Thema. Und wir arbeiten auch an einer Strategie, ähnlich wie in Frankreich oder Australien, auf bundespolitischer Ebene.

Eva Walle [00:25:27]:

Da fehlt es wirklich an einem Gesamtkonzept für Endometriose. Also Emmanuel Macron hat es vorgemacht letztes Jahr. Der hat Endometriose auf die Agenda gesetzt für gesamt Frankreich und das ist auch unser Ziel für Deutschland und für Europa.

Hr. Dr. Findeklee [00:25:41]:

Das finde ich ganz prima, dass Sie das auch sagen Frau Wallé. Was mir zu dem Thema auch einfällt, Man könnte sogar auch mal überlegen, dass man vielleicht auch Frauen mit Endometriose auch zum Beispiel mal einen zusätzlichen freien Tag einräumt oder zum Beispiel auch eine Anschluss-Heilbehandlung oder eine andere Reha-Maßnahme. Aber das sind, denke ich, Maßnahmen, die auch dazu führen würden, vielleicht die Frauen zu unterstützen in der Situation. Ich denke, das Problem sind hier wirklich die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen, was auch uns daran hindert, dass wir schon weiter sind. Aber ich kann eben auch nur zu 100 Prozent zustimmen.

Julia Kaffka [00:26:14]:

Ja, ich auch. Ja, unser Gesundheitsminister hat ja das Wort Endometriose neulich ja tatsächlich auch mal in den Mund genommen. Also möglicherweise kann sich da auch was tun. Warum ist denn aus deiner Sicht so wichtig, Eva, dass die Sichtbarkeit einfach größer wird?

Eva Walle [00:26:33]:

Ich kann jetzt tatsächlich aus meiner persönlichen Warte auch berichten. Bis zu meiner Diagnose kannte ich Endometriose auch nicht. Das war bei mir wirklich ein Zufallsbefund. Und die direkte Nachbetreuung Nach der Operation lief bei mir ungefähr so ab, ja, herzlichen Glückwunsch, Sie haben Endometriose, Sie können keine Kinder mehr bekommen. Gehen Sie zu Ihrem niedergelassenen Gynäkologen und lassen Sie sich dort beraten. Das hat dann damals Herr Findeklee Gott sei Dank übernommen. Also da bin ich ihm auch noch sehr dankbar für. Aber das war für mich halt auch ein Punkt, an dem ich dann gesagt habe, okay, das darf so nicht sein.

Eva Walle [00:27:07]:

Das muss viel, viel bekannter werden, dass es nicht anderen Frauen genauso geht wie mir. Bis zu meiner Diagnose hat es auch tatsächlich sage und schreibe 23 Jahre gedauert. Also ich fall da auch völlig aus dem Schnitt raus. Aber genau, das war jetzt so der Anlass dafür zu sagen, ich muss mich da engagieren, habe auch über die Endometriose-Vereinigung Deutschland ganz viel Hilfestellung und Beratung bekommen und habe dann quasi in dem Zuge wirklich entschlossen, mich da politisch auch zu engagieren und mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu gewinnen.

Julia Kaffka [00:27:40]:

Auch interessant, was manche Ärzte dann einfach so raushauen. Muss man auch mal sagen. Wenn wir uns jetzt mal ganz konkret den Alltag und vor allen Dingen den Arbeitsplatz von Endometriose-Patientinnen anschauen, welche Herausforderungen haben denn Betroffene da am Arbeitsplatz?

Eva Walle [00:27:58]:

Jetzt könnte ich natürlich auch wieder mit Statistik kommen. Also so eine durchschnittliche Lebensarbeitszeit in Deutschland liegt bei 40 Jahren. Wenn ich mir jetzt vorstelle, 40 Jahre unter dem Leidensdruck der Endometriose zu arbeiten oder arbeiten zu müssen, Das kann durchaus sehr, sehr einschränkend sein. Also ich meine, alle, die selber auch betroffen sind, werden das wissen. Speziell während des Zyklus kann das durchaus mal so sein, dass man vor Schmerzen kaum noch aufstehen kann und sich kaum auf den Beinen halten kann. Das heißt, da ist man natürlich auch nicht so leistungsfähig, wie man das gerne sein würde am Arbeitsplatz und weiß auch kaum, wie man diese Arbeitsanforderungen bewältigen soll. Für mich ist auch ein ganz großes Thema, dass die Endometriose überhaupt oder auch den weiblichen Zyklus mal aus der Tabu-Ecke rauszunehmen. Und dass man wirklich auch mal drüber sprechen kann am Arbeitsplatz.

Eva Walle [00:28:54]:

In Südeuropa gibt es ja auch ein leuchtendes Beispiel dafür. Da können Frauen während ihrer Menstruation, wenn es halt gar nicht geht, freinehmen. Also da gibt es bezahlte Freistellungstage von den Betrieben für die Patientinnen, die es halt wirklich brauchen. Dieser Anspruch da immer funktionieren zu müssen während der Arbeit oder auch im Privatleben. Es ist ja nicht nur die Arbeit, das ist schon hart noch zusätzlich für die Betroffenen auch psychisch gesehen. Also es ist da nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch einfach eine mentale immense Belastung.

Julia Kaffka [00:29:28]:

Absolut. Ich meine, wenn man sich aus meiner Erfahrung drei Tage lang mindestens drei IBUs am Tag, 400er reinhauen muss, damit man überhaupt arbeiten kann. Das ist schon, würde ich auch sagen, nicht ohne und steht nicht wirklich im Fokus. Ja, ist noch in der dunklen Ecke, Absolut. Also was kann denn getan werden, die Bedingungen zu verbessern und die Sensibilisierung auch im Arbeitsplatz voranzutreiben? Gibt es da Ideen?

Eva Walle [00:29:54]:

Da gibt es tatsächlich viele Ideen. Wir haben auch im vergangenen Jahr wirklich eine Umfrage unter 2.500 Betroffenen gemacht, die genau diese Fragestellungen abgedeckt hat. Da kam dann auch wirklich raus, dass knapp 70 Prozent der Teilnehmenden auch aufgrund ihrer Endometriose durchaus öfter mal krank geschrieben waren. Aber so kleine Baustellen wie zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice, ein bisschen andere Bürogestaltung, wenn es ein Büroarbeitsplatz ist mit höhenverstellbaren Schreibtischen oder Möglichkeiten, eine Wärmflasche zu machen, so ganz banale Dinge, da schon wirklich einen massiven Einfluss drauf haben, wie sich die Patientinnen oder die Betroffenen das Arbeitsleben ein bisschen erleichtern können. Dann kam zum Beispiel auch noch raus, dass viele Patientinnen sich auch wünschen würden, mehr mit ihrem Arbeitgeber darüber sprechen zu können und auch nicht dann direkt abgestempelt zu werden. So nach dem Motto, naja, das ist halt die mit der Modeerkrankung, die kommt jetzt einmal im Monat und fällt dann aus. Also auch das Thema Kommunikation war ein Riesenpunkt, der dabei rauskam. Und zum Beispiel auch ein Modell aus Schweden wäre wünschenswert, auch für Deutschland.

Eva Walle [00:31:12]:

Da geht es das Thema Teilkrankschreibung. Also, dass man wirklich den Betroffenen ermöglichen kann, zum Beispiel mal einen halben Tag zu arbeiten, wenn so eine akute Schmerzphase ist oder eine akute Krankheitsphase, dass man dann wirklich sagt, okay, man macht halt nicht den kompletten Krankenschein, sondern man arbeitet halt stundenweise. Das Modell gibt es in Deutschland noch nicht, aber es wäre zum Beispiel ein sehr wünschenswertes Modell aus unserer Sicht. Und dann gibt es natürlich auch noch, jetzt sind wir ja im Rahmen des BKK-Podcasts, da kann ich natürlich auch aus eigener Erfahrung berichten, dass ich da unheimlich viel Unterstützung auch von meiner Krankenkasse bekommen habe. Also da gab es auch immer ein offenes Ohr und offene Türen, an die man sich wenden konnte mit Fragen. Es gibt in größeren Betrieben zumindest ein betriebliches Gesundheitsmanagement, die da auch unterstützend und beratend tätig sein können oder auch eine Schwerbehindertenvertretung. Also da sollten sich Betroffene auch nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Julia Kaffka [00:32:14]:

Jetzt hat man ja dann doch auch ab und zu Hemmungen vielleicht darüber zu reden. Wie kann ich denn als Betroffene meine Bedürfnisse irgendwie kommunizieren, ohne mich da total unwohl zu fühlen und mit hochrotem Kopf beim Chef am Stuhl zu sitzen?

Eva Walle [00:32:28]:

Das ist tatsächlich auch eine sehr schwierige Frage, über die ich lang nachdenken musste. Es hängt auch viel vom Gegenüber ab. Also nicht jeder Vorgesetzte oder jedes Gegenüber ist empfänglich für das Thema, das muss man auch leider sagen. Ich kann aber nur jedem raten, sich Verbündete zu suchen. Wie es Dr. Findeclay auch schon gesagt hat, sei es im Freundeskreis, unter Kollegen, in der Familie, mit Ärzten, Selbsthilfegruppen oder vielleicht sogar eine psychologische Beratung. Das ist auf jeden Fall sinnvoll, dann vielleicht dort auch solche Gesprächssituationen mal durchzuspielen, sich einfach ein bisschen wohler mit der Situation zu fühlen. Und dann hilft nur eines, Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.

Eva Walle [00:33:11]:

Das Gegenüber weiß unter Umständen auch nicht, was Endometriose ist und was das Ganze mit sich bringt. Also da kann ich wirklich nur jedem raten, trotzdem offen damit umzugehen und auch seine Bedürfnisse wirklich ganz klar zu kommunizieren und auch nicht die Schuld bei sich zu suchen. Das hören wir auch immer ganz, ganz häufig von Betroffenen, dass die irgendwie das Gefühl haben, naja, sie sind schuld, dass sie diese Erkrankung haben. Das ist nicht so. Man hat einfach diese Erkrankung, man muss lernen, damit zu leben. Das ist nicht immer einfach, aber das Wichtigste ist wirklich Verbündete suchen und offen darüber sprechen und aufklären.

Julia Kaffka [00:33:48]:

Jetzt zum Schluss noch eine Frage an beide. Gibt es denn Tipps, wie ich als Betroffene mit der psychischen Belastung umgehen kann? Also wenn ich weiß, da stimmt was nicht, aber keiner oder nur wenige Menschen nehmen mich ernst. Wer mag anfangen? Ladies first?

Hr. Dr. Findeklee [00:34:04]:

Ja.

Eva Walle [00:34:05]:

Okay, also eigentlich die gleiche Antwort wie vorhin. Man braucht Verbündete, man braucht Unterstützer im Freundeskreis, in der Familie, in der Partnerschaft. Und man braucht auch ein gutes Netzwerk aus Ärzten, Therapeuten, Komplementärmedizin, der Krankenkasse und natürlich auch die, ich sage mal das, was man für sich selber tun kann. Man muss so ein bisschen rausfinden, was tut einem gut. Ist es der Tag mit der Wärmflasche im Bett? Ist es Yoga? Ist es eine Ernährungsberatung, die da unterstützen, tätig sein kann? Das alles sind so Einzelfaktoren, wie man versuchen kann, sich selber einfach ein bisschen das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern und da auch niemals abwimmeln lassen, wenn man nicht ernst genommen wird. Das ist vielleicht auch noch ganz wichtig, sondern dann im Zweifel auch sagen, okay, das ist jetzt der falsche Ansprechpartner für mich, Ich suche mir woanders Hilfe.

Julia Kaffka [00:35:06]:

Vielen Dank. Was sagen Sie, Herr Dr. Findeklee?

Hr. Dr. Findeklee [00:35:09]:

Das sehe ich prinzipiell genauso. Ich als Gynäkologe würde vielleicht erst mal sagen, natürlich auch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen noch mal in Ruhe sprechen darüber. Vielleicht sonst auch einen Termin mal am Ende der Sprechstunde machen, wo jetzt nachhinten ein bisschen Zeit ist, dass man nicht so unter Zeitdruck steht in der vollen Sprechstunde mitten am Tag. Ganz wichtig natürlich im Privaten die Freundinnen und Freunde zu haben, sich anzuvertrauen. Wenn die es nicht verstehen, dann sind es vielleicht auch keine guten Freundinnen oder Freunde. Weil ich denke nur, wenn es schwierig wird, dann zeigt sich ja nicht jetzt wahre Freundschaft oder wahre Unterstützung oder Liebe. Ansonsten denke ich auch das Netzwerk ist ganz entscheidend. Also tatsächlich auch vielleicht auch wie Frau Walle gesagt hat, dass man sein Recht auch einfordert, dass man sich nicht abspeisen lässt, dass man nicht aufgibt und dass man sich vielleicht auch informiert nochmal, wer kann mir sonst helfen, wenn ich vielleicht weiß, okay, hier in der Praxis ist es nicht so, Aber vielleicht gibt es irgendwo eine andere Klinik, wo ich schon mal gehört habe oder von anderen gehört habe oder gelesen habe, dass die in Spitzel in Wielz sind, dass man es dann dort weiter versucht, bis man vielleicht den richtigen gefunden hat.

Hr. Dr. Findeklee [00:36:27]:

Und für alle Ärztinnen und Ärzte denke ich auch, dass man natürlich die Patientin ernst nimmt und dass man auch versucht, sein eigenes Netzwerk zu nutzen. Also ich weiß, okay, wenn ich vielleicht jetzt nicht sicher bin, dass ich in die Klinik schicke, wo ich vielleicht jemanden kenne oder nochmal in eine andere Klinik, wo ich weiß, dort ist ein Spezialist, wo ich auch weiß, der kann mich guten Gewissens die Patientin hinschicken und dass man dann gegenseitig auch davon profitiert. Also dass man dann vielleicht von der Anerkennung wieder eine andere Beobachtung bekommt, was man sonst nicht gewusst hätte und dass man dann gemeinsam versucht, den Weg zu finden. Gemeinsam ist man immer stärker und gemeinsam schafft man das dann meistens auch.

Eva Walle [00:37:09]:

Jetzt könnte ich ja noch eine kleine kurze Werbung einbauen von der Endometriose-Vereinigung. Wir bieten auch kostenlose Erstberatungen an. Also dort gibt es wirklich ein Beratungstelefon für Betroffene, an dem sich jeder wenden kann, auch Angehörige tatsächlich, und einfach mal dort durchtelefonieren, durchklingeln und sich dort auch ein bisschen Hilfe und Unterstützung suchen. Also es ist auf jeden Fall auch ein guter Weg. Und dort gibt es auch eine Landkarte auf der Webseite, wo man auch aus Patientensicht wirklich Einrichtungen, Kliniken, Ärzte bewerten kann und sich dann dort auch von anderen Patientinnen Tipps und Tricks suchen kann, die das dann schon bewertet haben, dass man da einfach eine gute Anlaufstelle hat für eine spätere Therapie.

Julia Kaffka [00:37:57]:

Wunderbar. Das sind sehr, sehr gute Schlussworte, wie ich finde. Vielen, vielen Dank an beide für dieses interessante Gespräch. Ich fand es war sehr hilfreich. Und ich hoffe, wir konnten heute vielleicht der ein oder anderen auf dem Weg zur Diagnose helfen und ein klein wenig dazu beitragen, dass Endometriose mehr Sichtbarkeit bekommt. Und wer jemand im Umfeld hat, der betroffen sein könnte, geht hoffentlich in Zukunft auch etwas sensibler mit dem Thema Und wenn ihr da draußen keine Folge unseres Gesundheitspodcasts verpassen wollt, dann abonniert ihn ganz einfach in eurer Podcast-App. Und bis dahin, bleibt gesund!

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